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Familien-Imperium Merckle-Gruppe: Rettung in Sicht?

In das Merckle-Imperium kommt fünf Monate nach dem Selbstmord von Firmenpatriarch Adolf Merckle langsam Bewegung. Um die gewaltigen Schuldenberge abzutragen, muss sein Sohn Ludwig, der nun an der Spitze des Unternehmens steht, Teile der Gruppe verkaufen.

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** ARCHIV ** Das Logo des Quelle: AP

Sicher ist, dass sich die Familie von dem Generikahersteller Ratiopharm trennen wird – möglicherweise aber auch, zumindest teilweise, vom Pharmagroßhändler Phoenix und dem Bauzulieferer Heidelberg Cement. Beim Geländefahrzeughersteller Kässbohrer, der ebenfalls zum Merckle-Imperium gehört, steht eine  Einigung mit Kaufinteressenten bevor – allerdings dürfte der Verkauf von Kässbohrer nur etwa 150 Millionen Euro in die Kasse spülen. Bei Ratiopharm, Phoenix und Heidelberg Cement geht es dagegen um Milliarden.

Familienerbe Ludwig Merckle benötigt etliche davon: Bis Anfang 2011 sollen Kredite in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro fällig sein. Schon seit Mitte Mai liegt den Gläubigerbanken ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vor, das die Sanierungsfähigkeit von Ratiopharm, Phoenix und auch Heidelberg Cement bestätigt. Heute gab die Merckle-Gruppe bekannt, die 61 Gläubigerbanken hätten das Stillhalteabkommen verlängert. Bis Ende 2010 wollen sie die Forderungen stunden. Zusätzlich sei ein laufender Überbrückungskredit in einen längerfristigen Kredit umgewandelt worden.

Der Sanierungsplan für die Gruppe sieht  umfassende Umschuldungsmaßnahmen vor. Dafür drängen die Gläubigerbanken auf den Verkauf von Unternehmen. Erster Verkaufskandidat ist Ratiopharm. Die Commerzbank und die Royal Bank of Scottland seien mit dem Verkauf beauftragt worden, hieß es heute aus Firmenkreisen.

Im Jahr 2008 hatte Ratiopharm, die Nummer zwei auf dem deutschen Generikamarkt hinter Sandoz/Hexal, einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Kaufinteresse wird unter anderem dem Finanzinvestor EQT sowie dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis und dem weltgrößten Generikahersteller Teva Pharmaceuticals nachgesagt. Analysten beziffern den Wert von Ratiopharm auf etwa 3,5 Milliarden Euro. Problematisch für Ratiopharm könnte jedoch der Preisverfall auf dem Markt für Generika werden. Dennoch rechnet man bei Merckle mit konkreten Verkaufsgesprächen nach der Sommerpause.

Schwierige Verhandlungen bei Phoenix

Der Verkauf des Mannheimer Pharmahandels Phoenix hing ebenfalls an einer Einigung zwischen den Gläubigerbanken und der Unternehmerfamilie. Schwierig sind hier aber auch die verstrickten Eigentumsverhältnisse: Nach Informationen des Branchendienstes „Apotheke Adhoc“ verpfändete Adolf Merckle vor vier Jahren Anteile am Mannheimer Pharmahändler, um die Übernahme von Heidelberg Cement zu finanzieren.

Zur Sicherung des Darlehens hätte Merckle nicht nur eine private Bürgschaft abgegeben und seine Anteile an Heidelberg Cement hinterlegt, sondern auch mehr als die Hälfte der Anteile an Phoenix verpfändet, heißt es dort. Dabei gehörte ihm das Phoenix-Paket, das er zum Ausbau seines Imperiums einsetzte, nicht allein. Bis heute halten Minderheitsaktionäre rund zehn Prozent der Anteile an der Hamburger F. Reichelt AG, die ihrerseits mit jeweils rund 20 Prozent an Phoenix und der übergeordneten Komplementärgesellschaft beteiligt ist.

Merckle hatte den mit einem Umsatz von rund 22 Milliarden Euro heute zweitgrößten europäischen Pharmahändler Phoenix im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre durch zahlreiche Übernahmen aufgebaut. Daher befindet sich Phoenix teilweise noch im Besitz der börsennotierten Mantelfirmen mit externen Aktionären, verknüpft zudem durch komplizierte Pachtverträge. Die Entflechtung der Konzernstruktur wird wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Mit einem Verkauf wird erst Anfang des kommenden Jahres gerechnet.

Als Dritter im Bunde, der Baustoffkonzern Heidelberg Cement. Auch hier steckt man in Verhandlungen. Es geht um die Umschuldung von neun Milliarden Euro. Die Schuldenbelastung resultiert aus der Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson für rund 14 Milliarden Euro im Jahr 2007. Erst in der vergangen Woche hatte das Unternehmen Gerüchte über eine bevorstehende Insolvenz zurückgewiesen. Zum Ende des ersten Quartals habe die Bilanz flüssige Mittel in Höhe von zwei Milliarden Euro ausgewiesen, teilte eine Sprecherin mit. Eine Insolvenz sei somit nicht zu befürchten.

Heute teilte die Merckle-Gruppe mit, die Finanzierung sei nach der Einigung mit den Gläubigerbanken "nachhaltig" sichergestellt. Nachdem sich Heidelberg Cement bereits Ende Mai von der Asphalt-Sparte in Australien trennte und dort eine Firma und eine Beteiligung veräußerte, folgten Anfang Juni weitere Verkäufe von Geschäftsanteilen in Malaysia. Heute gab Heidelberg Cement bekannt, seine Anteile am zweitgrößten indonesischen Zementhersteller ebenfalls zu reduzieren.

Kässbohrer-Verkauf im Gang

In den Verkauf der drei Konzernteile, deren Verkauf die Sanierer der Merckle-Gruppe vorantreiben müssen, scheint also langsam Bewegung zu kommen. Noch schneller geht es bei der Kässbohrer Geländefahrzeuge AG, deren Verkauf nicht zum Rettungsplan gehört. Interesse am Kauf des auf Pistenraupen und Fahrzeuge für Strandreinigung spezialisierten Unternehmens angemeldet haben vor allem die Wella-Erben Ströher, der Finanzinvestor Triton sowie Techno-Alpin, ein Anbieter von Systemen zur Beschneiung von Wintersportgebieten.

Hauptaktionär von Kässbohrer ist Ludwig Merckle, dessen LuMe Vermögensverwaltung derzeit einen Anteil von 89 Prozent hält. Der Verkauf von Kässbohrer sei schon länger geplant gewesen, heißt es. Über den Kaufpreis schweigt sich das Unternehmen bisher aus, Berichten zufolge soll er bei rund 150 Millionen Euro liegen. Kässbohrer ist mit 70 Prozent Anteil Weltmarktführer bei Skipistenfahrzeugen, im Jahr 2008 lag der Umsatz bei 176 Millionen Euro.

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