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Familienunternehmen Knauf-Chefs: "Wir haben kein Stammesprinzip"

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Knauf Treppe Quelle: Klaus Weddig für WirtschaftsWoche

Sie haben keine Nettobankschulden?

Baldwin Knauf: Genau. Wir achten immer darauf, dass wir mehr Geld in der Kasse haben, als wir den Banken schulden. Wir arbeiten in der Finanzierung deshalb selten mit Banken zusammen. Nur im Ausland müssen wir manchmal die Finanzierung vor Ort machen. Für uns ist die weitgehende Eigenfinanzierung ein wichtiges Prinzip – auch weil es verhindert, dass zu viele Vorhaben angegangen werden, die nachher wie ein Mühlstein am Hals hängen. Das ist auch eine Vorsichtsmaßnahme: Wenn Sie nur so viel Geld ausgeben, wie Sie verdienen, werden neue Investitionsprojekte auch sorgfältig ausgesucht und abgewickelt.

In vielen Familienunternehmen gibt es einen Dauerstreit zwischen den Eigentümerstämmen. Bei Knauf herrscht dagegen ungewöhnliche Ruhe. Woran liegt das?

Nikolaus Knauf: Wir haben kein Stammesprinzip – auch weil es häufig dazu führt, dass die Beteiligten nach Proporz und nicht nach sachlichen Gesichtspunkten entscheiden. Aber das ist nicht der eigentliche Grund für die gute Zusammenarbeit. Allein in unserer Generation waren sechs Familienmitglieder im Unternehmen tätig. Wenn die überwiegende Mehrheit der Eigentümer Tag für Tag im Unternehmen arbeitet, dann ist es relativ einfach, positive wie negative Entscheidungen übereinstimmend zu treffen, weil die Gesellschafter aus ihrem Geschäftsalltag heraus wissen, wovon sie reden.

Zieht die Familie immer an einem Strang?

Nikolaus Knauf: Alle Entscheidungen fällen wir im Konsens. Wenn nicht alle einer Meinung sind, lassen wir das Projekt fallen. Es hat sich fast immer gezeigt, dass es so besser war. Das hat uns auch geholfen, schuldenfrei zu bleiben, weil wir damit leichtfertige Entscheidungen erschwert haben. Geld hat bei uns eine große Bedeutung, weil es dabei um die Zukunft des Unternehmens geht.

Sind die Entscheider in Familienunternehmen eher gegen Leichtfertigkeit gefeit als Chefs börsennotierter Konzerne?

Baldwin Knauf: Nein, auch Familienfirmen sind nicht geschützt vor Dummheit oder leichtfertiger Spekulation. Das haben einige prominente Fälle leider gezeigt. Aber Familienunternehmer denken in der Regel langfristig und riskieren mit ihren Entscheidungen ihr eigenes Geld.

Einige Unternehmerfamilien haben Deutschland in Richtung Schweiz verlassen – meist um Steuern zu sparen. Ist das für Sie eine Option?

Nikolaus Knauf: Unsere Väter haben Anfang der Fünfzigerjahre noch 90 Prozent Steuern zahlen müssen, bis der damalige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard die Besteuerung auf 60 Prozent senkte. An die heutige, niedrigere Steuerlast haben wir uns gewöhnt – auch an die sogenannte Reichensteuer.

Sollte die Steuern weiter gesenkt werden?

Nikolaus Knauf: Wir sollten beim Klagen Gerechtigkeit walten lassen: Die Steuerbelastung in Deutschland liegt im Rahmen der Besteuerung in vergleichbaren Ländern. Ich bin nicht der Auffassung, dass die Steuern erheblich gesenkt werden müssen.

Und die Erbschaftsteuer?

Baldwin Knauf: Es wäre besser, der Gesetzgeber erhöhte die Einkommensteuer geringfügig und schaffte die Erbschaftsteuer ab. Denn im Gesamtaufkommen ist sie zu vernachlässigen, und die Erhebungskosten verschlingen etwa die Hälfte der Einnahmen. Diese Steuer ist ein bürokratisches Unding. Die Abschaffung wäre eine hervorragende Maßnahme zur Mittelstandsförderung, weil die Erbschaftsteuer manche mittelständische Unternehmen gefährdet.

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