WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push

Familienunternehmen Krisensicherer mit der Familie

Deutsche Familienunternehmen stehen in Krisenzeiten besser da. Ein Grund dafür: Weniger Experimente, mehr traditionelle Investitionen.

ARCHIV - Ein Mitarbeiter Quelle: AP

Familienunternehmen in Deutschland haben trotz der Wirtschaftskrise einen guten Stand. Ein neuer Bericht des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) zeigt, dass die familiengeführten Unternehmen vergleichsweise gut durch die vergangenen Jahre gekommen sind. Grund dafür sind unter anderem die oft traditionelleren Strukturen.

Deutsche Familienunternehmen stemmen einen großen Teil der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik. Mit über 50 Millionen Euro erwirtschafteten die 4 400 größten Familienunternehmen 2010 fast ein Fünftel der Gesamtumsätze aller deutschen Unternehmen und beschäftigen über ein Siebtel der Beschäftigten in Deutschland.

Insgesamt machen die Familienunternehmen in Deutschland rund 95 Prozent Firmen und Betriebe aus. Dabei verdienen die Familienunternehmen etwa 41 Prozent des Umsatzes aller Unternehmen.  Betrachtet man nur die Familienunternehmen, die mehr als 50 Millionen Euro im Jahr erwirtschaften, so kommt man auf 4 400. Diese zählt das IfM zu den größten deutschen Familienunternehmen in Deutschland.

Hamburg ist Spitzenreiter

Von diesen Unternehmen sind jeweils rund 30 Prozent in Industrie, Handel und Dienstleistungsbereich (etwa in Form einer Holding) angesiedelt. Dabei sind die Familienunternehmen in der Republik ungleichmäßig über die Bundesländer verteilt: Die Mehrzahl der der größten Familienunternehmen haben ihren Sitz in den alten Bundesländer eine Minderheit (nur 6,6 Prozent) sitzen in den neuen Bundesländern – Berlin mit eingerechnet.

Die Hochburgen der Familienunternehmen finden sich in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. In NRW sitzen etwa die Familien-Clans der Metro-AG, Bertelsmann AG oder ALDI.  In Bayern und Baden-Württemberg arbeiten erfolgreiche Familienunternehmen wie BMW, der Schaeffler-Gruppe oder der Robert Bosch GmbH.

Im Städtevergleich liegt allerdings Hamburg ganz vorne. In der Hansestadt haben die meisten der größten Familienunternehmen ihren Hauptsitz wie zum Beispiel die Tchibo GmbH oder der Luxusuhren- und Schmuckhändler Gerhard D. Wempe KG. Auf den Plätzen zwei und drei folgen München und Berlin. Dahinter landen die NRW-Städte Köln und Düsseldorf.

Wirtschaftsriese Familienunternehmen

Die größten deutschen Familienunternehmen zusammen kommen auf 18 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Unternehmen. Kein Wunder, denn so manches Familienunternehmen ist ein wahrer Wirtschaftsriese.

Als Beispiel: Allein der Henkel-Konzern, der heute von der Ur-Ur-Enkelin des Unternehmensgründers Simone Bagel-Trah als geschäftsführende Gesellschafterin geleitet wird, verbuchte 2010 einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro.

Bei den Angestelltenzahlen ist Henkel mit rund 48 000 Mitarbeitern aber eher eine Ausnahme. Wie die aktuelle Studie des IfM zeigt, beschäftigen die größten Familienunternehmen Deutschlands im Schnitt rund 1 500 Mitarbeiter. Bei etwa der Hälfte der Unternehmen arbeiten sogar nicht mehr als 332 Menschen.

Auf traditionelle Finanzstrategie setzen

Ein Mitarbeiter der Robert Quelle: dapd

Familienunternehmen unterscheiden sich besonders in Finanzierungsfragen von Unternehmen ohne Familienführung. Familienunternehmen haben, so der IfM-Studie Bericht, in der Vergangenheit ein besonderes Autonomiestreben gezeigt und „auch in der Gegenwart eine stärkere Präferenz zur Eigenmittelfinanzierung“ als die Nicht-Familienunternehmen.

Dabei verfügte fast jedes vierte der größten Familienunternehmen 2009 über eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 50 Prozent oder mehr. Das IfM spricht hierbei von exzellenten Werten. Zum Vergleich: Bezogen auf alle Unternehmen in Deutschland mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro gibt die Bundesbank für 2009 eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 29,3 Prozent an. Der vergleichbare Wert bei den Familienunternehmen liegt hier bei 33,5 Prozent.

Einen Grund dafür nennt die Stiftung Familienunternehmen: „Eine der stärksten Ausprägungen der Langfristorientierung in Familienunternehmen wird im Wunsch gesehen, das Familienunternehmen als solches zu erhalten und an die folgenden Generationen weiterzugeben.“ Um dies sicherzustellen greift ein Familienunternehmen noch eher auf vorhandene Ressourcen zurück, so ein Bericht der Stiftung.

Eine weitere Auffälligkeit in Sachen Finanzierung findet sich bei den Bankkrediten. Familienunternehmen greifen häufiger auf sie zurück, weshalb sie gegenüber Kreditinstituten meist hohe Verbindlichkeiten haben. Wie der Bericht des IfM zeigt, vertrauen familiengeführte Unternehmen auf traditionelle Fremdkapitalaufnahmen.

Während Nicht-Familienunternehmen immer häufiger das zunehmende Angebot von Finanzprodukten am Kapitalmarkt nutzen, haben diese Angebote bei Familienunternehmen nicht so viel Erfolg. Familienunternehmen bevorzugen die traditionelle Finanzierungsart des Bankdarlehens, weil sie beispielsweise neue Gesellschafter eher ungern sehen.

Bankdarlehen statt neuer Gesellschafter

Mit diesen traditionellen Finanzkonzepten zeigen sich Familienunternehmen oft krisensicherer als die Konkurrenz. Zwar mussten auch familiengeführte Unternehmen Einbußen durch die Schuldenkrise hinnehmen, und reduzierten teilweise ihre Belegschaft oder verzeichneten geringeren Umsatz, im Großen und Ganzen aber, so die IfM-Studie, haben Familienunternehmen einen sicheren Stand gehabt in der Krise - zumindest oft fester als die Konkurrenz ohne Familienanbindung.   Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn hat die Studie „Die größten Familienunternehmen in Deutschland“ im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie durchgeführt. Die Datenbank der größten Familienunternehmen diente dabei als Grundlage und wurde im Zuge der Studie aktualisiert. Für die Studie wurden rund 4 400 Familienunternehmen mit über 50 Millionen Euro Jahresumsatz als die größten deutschen Familienunternehmen herangezogen.

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%