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Fashion Week Junge Unternehmen krempeln die Modebranche um

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Escada-Chef Sälzer und Alexandra Valtin

„Das Internet hat die Branche verändert“, sagt Escada-Managerin Valtin. Manche Modeblogs sind so einflussreich wie früher die Vogue und junge Startups wollen die Branche mit neuen Ideen umkrempeln.

Die beiden Berliner Alexander Schimkat und Martin Genzler haben beispielsweise den Online-Shop Couture Society entwickelt. Dort bieten Designer Stücke direkt für Endkunden an, die Händlern zu extravagant sind. Denn etwa 60 Prozent aller Stücke, die auf den Laufstegen in Paris, Mailand oder Berlin gezeigt werden, gehen nie in Produktion.

Dabei sind die Kleider prominent in Modeblättern zu sehen und wecken so das Interesse möglicher Käufer. Die Moderatorin Barbara Schöneberger gehört beispielsweise zu der Gruppe von Menschen, die immer wieder neue, besondere Kleidungsstücke benötigt. Daher geht sie auch gern auf Modenschauen, doch was sie dort sieht, gibt es selten zu kaufen. „Man sucht sich immer etwas aus, das man schön findet und hinterher schafft es oft nicht den Weg in den Laden“, sagt Schöneberger. „Dort hängt höchstens die tantige, abgeschwächte Version.“

Escada Kleid

Alexander Schimkat und Martin Genzler wollen daher mutige Modefans wie Schöneberger „vom Geschmacksdiktat des Handels befreien“. In ihrem im März gestarteten Onlineshop Couture Society können Designer Stücke direkt für Endkunden anbieten, an die sich die Händler nicht wagen. „Wir sprechen damit Menschen an, die auf Exklusivität scharf sind“, sagt Genzler. Um zu der kleinen Gruppe zu gehören, zahlen die Kunden zwischen 300 und 4500 Euro.

Hergestellt werden die Designerstücke erst, wenn eine bestimmte Mindestzahl bestellt wurde. So lassen sich auch aufwendige und teure Kleider in kleiner Stückzahl verkaufen, die sonst als „nicht tragbar“ abgestempelt werden und reine Fashion-Show-Produkte bleiben würden. Allerdings besteht auch das Risiko, dass sich zu wenig Interessenten finden. Für die bisher gezeigten 45 Stücke gingen etwa 60 Bestellungen ein, drei Modelle wurden letztlich produziert.

Bisher haben vor allem angesagte Jungdesigner wie Tillman Lauterbach, Ivana Helsinki oder Michael Sontag ihre Mode bei Couture Society angeboten, doch nun entdecken auch die etablierten Modehäuser den neuen Vertriebskanal. Den Anfang macht Escada, doch neben der deutschen Traditionsmarke haben Genzler und Schimkat noch weitere große Namen an der Angel: Versace, Valentino und Kenzo interessieren sich für eine Kooperation.

Als neues Angebot bieten die Berliner Labels einen Pre-Order-Service an: Sie können ihre Kollektion bereits 24 Stunden nach den Modenschauen ins Netz stellen und interessierte Kunden Vorbestellungen abgeben. Die Modehäuser können so parallel zu den Gesprächen mit Händlern schon sehen, wie die Stücke bei Kunden angekommen und bekommen so mehr Planungssicherheit. „Das ist ein sehr interessantes Modell“, sagt Escada-Managerin Valtin.

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