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Fernsehen Kaum Hoffnung auf Gewinne bei Bezahlsender Premiere

Gestern haben die Aktionäre des verlustreichen Bezahlsenders Premiere eine lebensnotwendige Kapitalerhöhung durchgewinkt. Dennoch gibt es bei Premiere kaum noch Hoffnung auf Gewinne.

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Premiere-Chef Mark Williams Quelle: AP

Die Geschäfte des Rupert Murdoch folgen ihren eigenen Gesetzen. Als der letzte Medienzar von globalem Zuschnitt vor zwei Jahren Gefallen daran fand, seinem 33-Milliarden-Dollar-Imperium das „Wall Street Journal“ hinzuzufügen, war ihm die Zeitung den Aufschlag von 60 Prozent auf den Aktienkurs und damit fünf Milliarden Dollar wert. Für Murdoch hat das Blatt jedoch besondere Bedeutung: Mit ihm kaufte sich der Sohn eines Lokalverlegers aus dem australischen Adelaide in die erste US-Verlagsliga ein.

Einige Nummern kleiner, doch offenbar ebenfalls von persönlichen Motiven getrieben, ist für den 77-Jährigen das Engagement beim darbenden Münchner Pay-TV-Sender Premiere: Der Tycoon hat noch eine Rechnung offen mit Deutschland. Anders lässt sich kaum erklären, warum Murdoch nach vielen gescheiterten Versuchen, im größten Medienmarkt Europas zum Zuge zu kommen, mitten in der Medienkrise 450 Millionen Euro an frischem Eigenkapital in den Sanierungsfall aus Unterföhring steckt. Dabei versenkte Premiere allein im vergangenen Jahr 270 Millionen Euro, und es ist zweifelhaft, ob der Sender trotz der Millionen von Murdoch und neuer Kreditzusagen von Banken von 525 Millionen Euro noch die Kurve kriegt.

Filme locken immer weniger Abonnenten

Das Wohl und Wehe von Premiere hängt an den zwei großen „F“: Filme und Fußball. „Darauf konzentrieren sich alle Pay-TV-Sender weltweit“, sagt Peter-Thilo Hasler von der Münchner Investmentbank Viscardi. Pferdefuß dabei: Filme möglichst früh nach ihrem Kinostart im Wohnzimmer anzubieten, das macht Premiere schon, seit es Ende der Neunzigerjahre noch Leo Kirch und Bertelsmann gehörte. Was Hollywood-Ware betrifft, hatte Premiere deshalb in Deutschland schon immer ein Fast-Monopol. Zwar inszenierte sich etwa ProSieben als Spielfilmsender – doch hier laufen die Filme erst Wochen und Monate später als bei Premiere. Geld verdient hat Premiere dennoch auch damals nicht.

Zudem „spielen Filme heute eine untergeordnete Rolle“ für den Wert des Senders, sagt Experte Hasler. Zum einen wächst die Konkurrenz durch das Internet – dank breitbandiger Anschlüsse und Flatrates kann sich jeder Zuschauer sein Programm selbst zusammenstellen. Hinzu kommt, dass die Preise für Kauf-DVDs ins Rutschen geraten sind. Reißer für 9,90 Euro bald nach dem Kinostart sind keine Seltenheit mehr. Wirklich rare Bildschirmware gibt es daher kaum noch.

Nur 13 Prozent aller TV-Haushalte haben Pay-TV

Selbst die jüngste Staffel des preisgekrönten Polit-Thrillers „24“ mit Kiefer Sutherland in der Hauptrolle, die seit Januar bei Premiere läuft, hat nicht massenhaft neue Abonnenten angelockt. Und die braucht der von Murdoch eingesetzte Premiere-Chef Mark Williams dringend – erst ab 3,0 bis 3,4 Millionen Dauerzahlern, sagt er, erreiche er die operative Gewinnschwelle. Derzeit sind es 2,4 Millionen. Wie daraus mehr werden sollen, ist trotz der Ankündigung von Williams, mehr in Programme, Service und Marketing zu investieren, nicht erkennbar: Die Vielzahl frei empfangbarer TV-Kanäle sorgt dafür, das sich der deutsche Zuschauer gut versorgt wähnt: Im Durchschnitt empfängt jeder der mehr als 37 Millionen TV-Haushalte gut 40 Programme. Kein Wunder, dass nur knapp 13 Prozent von ihnen Geld für Pay-TV ausgeben. In Großbritannien sind es gut 42 Prozent, in Frankreich 41 und in Italien, wo Williams vor seinem Einsatz in Unterföhring erfolgreich wirkte, 27 Prozent.

Keine Exklusivität für Premiere-Fußballrechte

Mikrofone des Pay-TV-Senders Quelle: dpa

Hinzu kommt, dass im Januar die Gebühr für die öffentlich-rechtlichen TV- und Radioprogramme, über die schon Williams Vorvorgänger Georg Kofler schimpfte („Zwangsabgabe“), auf 17,98 Euro im Monat stieg. Rechnet man noch die Kabelgebühr, die viele bezahlen, hinzu, kommt man auf gut 35 Euro, die jeden Monat weg und eben nicht auf dem Konto von Premiere sind. Allein für dessen Basispaket wären noch mal 19,99 Euro fällig, das Komplett-Angebot schlägt mit 53,99 Euro zu Buche.

Premiere hofft daher vor allem auf das zweite „F“ – Fußball. Aber auch mit dem Kauf der Bundesliga-Übertragungsrechte, für die Premiere pro Saison 225 Millionen Euro berappen muss, verfügt der Bezahlkanal nicht über eine Exklusivität wie etwa BSkyB in England oder Sky in Italien. Dort müssen Fans teilweise bis zum nächsten Tag warten, ehe sie ihre Kicker im freien TV sehen können. In Deutschland dagegen griff das Kartellamt 2008 in den Rechtepoker zugunsten der ARD ein und sorgte dafür, dass die „Sportschau“ wohl bis in alle Ewigkeit samstags um 18.30 Uhr senden darf. Zwar zeigt Premiere von der kommenden Saison an ein „Spiel der Woche“, das extra für den Sender um 18.30 Uhr am Samstag angepfiffen wird – damit bekommt die Sportschau direkte Konkurrenz. Doch „die Sportschau ist eine extreme Gewohnheit“, sagt Analyst Hasler, daran werde auch das späte Samstagsspiel nichts ändern.

Internet-TV setzt Premiere unter Druck

Premiere dagegen macht nicht nur die ARD zu schaffen, sondern auch die Deutsche Telekom mit ihrem Internet-TV sowie Fußballclubs selbst, die ihren Fans direkt nach Abpfiff den Kick ihres Teams gegen eine geringe Gebühr von unter fünf Euro im Monat im Internet zeigen.

Premiere ist bei Weitem nicht Murdochs einzige Baustelle: Im vergangenen Quartal 2008 machte seine News Corp. einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar. Im Sommer wird zudem seine rechte Hand Peter Chernin nach 20 Jahren den Konzern verlassen. Nachfolger wird wohl Murdochs Sohn James, 36. Kleiner Trost für Premiere: Der Junior kennt sich im Pay-TV-Geschäft bestens aus, er war mal Chef von BSkyB.

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