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Finanzierung Unternehmen finden Alternativen zur Hausbank

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Engpass in der mittelständischen Kreditversorgung - auch Esprits Franchisenehmer sind betroffen. Quelle: REUTERS

Weil die Banken keine Kredite für Zwischenfinanzierungen mehr vergeben, bekommen vor allem chronisch kapitalschwache Zulieferer Probleme. Da das in der arbeitsteiligen Wirtschaft auch deren Großkunden in Schwierigkeiten bringen kann, greifen die Industriekonzerne ihren Zulieferern immer öfter mit sogenannten Supply-Chain-Financing-Programmen unter die Arme. „Die Konzerne nutzen ihre gute Bonität, indem sie mit einem Finanzdienstleister vereinbaren, dass der Zulieferer für Zwischenfinanzierungen dieselben Kreditkonditionen bekommt wie der Konzern selbst“, erklärt Marcus Schüller, Partner der Beratung BrainNet in Bonn, das Prinzip.

Sobald die Ware des Zulieferers beim Konzern eintrifft, wird die offene Forderung des Lieferanten an eine elektronische Plattform beim Finanzdienstleister übermittelt. Diese Forderung dient der Bank als Sicherheit. Der Konzern zahlt seine Rechnung zwar erst mit einem Zahlungsziel von 60 oder sogar 90 Tagen. Aber der Lieferant profitiert in der Zwischenzeit von den günstigeren Zinskonditionen seines Großkunden: „Statt sechs muss er zum Beispiel nur drei Prozent zahlen, und die Zwischenfinanzierung ist gesichert“, sagt Schüller.

Ein solches Lieferantenfinanzierungsmodell betreibt zum Beispiel der Bremssystemhersteller Knorr-Bremse aus München mit seinen zahlreichen kleinen Zulieferern und der Deutschen Bank. „Unternehmen und ihre Lieferanten können so Risiken minimieren und gemeinsame Refinanzierungsvorteile heben“, erläutert Schüller. Und der Refinanzierungsbedarf ist gigantisch. Allein in diesem Jahr fallen in europäischen Unternehmen Verbindlichkeiten von 330 Milliarden Euro an, 2010 liegt der Wert immer noch bei 235 Milliarden Euro, ergab eine Umfrage der Ratingagentur Standard & Poor’s.

Finanzierung ist zu einem knappen Gut geworden – nicht nur im Auto- und Maschinenbau. Auch erfolgreiche Unternehmen wie Esprit sind betroffen. 2009 muss der Modekonzern auf 80 von 250 geplanten Shop-Neueröffnungen verzichten, weil die Franchisenehmer kein Geld von ihren Banken bekommen. „Wir werden insbesondere im Mittelstand einen noch stärkeren Engpass in der Kreditversorgung erleben“, prophezeit Dirk Notheis, Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley.

Doch um die neuen Konzepte zur Absicherung der eigenen Finanzierung nutzen zu können, müssen die Finanzexperten der Unternehmen erst ihre Schularbeiten erledigen: Geld gibt es nur, wenn die Finanzströme völlig transparent sind. „Wie viel Kapital woher und zu welchen Konditionen vorhanden ist, wann es kommt und wieder abfließt – das sind die zentralen Fragen, die spätestens jetzt zu klären sind“, sagt Matthias Papenfuss von der Unternehmensberatung 3p Consulting in Königswinter.

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