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Finanzinvestor Lone Star Die "Mission: Impossible" des Bankensammlers

Der Finanzinvestor Lone Star besitzt drei Banken in Deutschland: Das Mittelstandsinsitut IKB, die Düsseldorfer Hypothekenbank und die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden. Alle arbeiten mit Hilfen des Steuerzahlers. Bisher verrät der neue Eigner nicht, welche Pläne er mit den Instituten hat.

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Die neuen Eigner der Quelle: AP

Aus seinem Ehrgeiz hat Karsten von Köller nie einen Hehl gemacht. "Wir sind hungrig", beschrieb der 70-jährige Deutschlandchef des Finanzinvestors Lone Star einmal seine Expansionspläne. Von Köller, der gut 20 Jahre lang an der Spitze deutscher Hypothekenfinanzierer stand, ließ Taten folgen. Seit 2005 sammelt der Statthalter des mit Milliarden ausgestatteten texanischen Private-Equity-Hauses hierzulande zum Schnäppchenpreis eine marode Bank nach der anderen ein.

Ende Juni erhielt Lone Star den Zuschlag für die Düsseldorfer Hypothekenbank (DHB). Zuvor wurden die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) und das Mittelstandsinstitut IKB erworben. Ob sich die Investments gelohnt haben, ist zwei Jahre nach dem IKB-Kauf fraglich. Jede der drei Banken musste den Bankenrettungsfonds Soffin um Hilfe bitten, weil eine eigenständige Refinanzierung nicht mehr möglich war. IKB und DHB würden ohne Garantien auch heute auf der Kippe stehen. Zwar dürfte Lone Star durchaus in den vergangenen Jahren über das geschickte Abverkaufen von Finanzierungsportfolios verdient haben. Doch es ist unklar, wie der Investor aus den Instituten wieder aussteigen will.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lone Star mit seinem Deutschland-Engagement bislang etwas verdient hat", bringt es ein Analyst auf den Punkt. Ein Investmentbanker ergänzt, die Banken hätten weiter massive Probleme: "Das große Thema für Lone Star ist die Refinanzierung der Beteiligungen." Schwacher Trost: Anders als Rivale Christopher Flowers, der Investments wie die Hypo Real Estate (HRE) oder die HSH Nordbank weitgehend verloren hat, ist Lone Star noch Herr über seine Einkäufe.

Doch vor allem bei der IKB, dem ersten deutschen Opfer der Subprime-Krise im Sommer 2007, ist die Lage prekär. "Wenn Lone Star gewusst hätte, was da auf sie zukommt, hätten sie es sicher nicht gemacht", sagt ein Banker. In den vergangenen zwei Geschäftsjahren wurden rund 1,5 Mrd. Euro Verluste angehäuft. Das Schlimmste aber: Die Bank ist ohne Hilfe des Bundes nicht lebensfähig. Insgesamt zehn Mrd. Euro an Garantien wurden beim Soffin abgeholt.

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    Erfolgreiche Sanierung der AHBR

    Immerhin deutlich besser lief die Ende 2005 unter Hochdruck eingefädelte Übernahme der AHBR von den Gewerkschaften. Bei der Rettungsaktion handelte Lone Star Finanzkreisen zufolge noch eine Mitgift von 900 Mio. Euro aus. In der Folge wurde die AHBR drastisch geschrumpft, heute schreibt das als Corealcredit firmierende Institut wieder schwarze Zahlen.

    Die Sanierungsarbeit dürfte die Blaupause für das Vorgehen bei der DHB sein. Die schreibt nämlich auch zwei Jahre nach der Rettung durch den Einlagensicherungsfonds rote Zahlen. Wie bei der AHBR erhielt der Investor auch hier das Institut "mehr oder weniger geschenkt", berichtet ein Investmentbanker. Jetzt verkauft Lone Star Stück für Stück die Kreditbestände und hofft auf Gewinne. "Das ist ein reines Abwicklungsportfolio", heißt es in der Branche. Zumindest wird den Amerikanern unisono Professionalität bescheinigt, selbst bei den drei Banken. "Die machen mit ihren Investments keine unerfüllbaren Vorgaben", meint ein Beteiligter.

    Wie man aber wieder aus den Investments rauskommen will, ist offen. 2009 wurde der Markt für einen Verkauf der Corealcredit sondiert - ohne Erfolg. Über die Verschmelzung mit der DHB wird immer wieder spekuliert, doch in Finanzkreisen gilt dies bestenfalls als mittelfristige Option.

    Noch verfahrener ist die Situation bei der IKB - und das nicht nur wegen der Verluste. Zwar steht außer Frage, dass das Institut nach wie vor über starke Kundenbeziehungen im Mittelstand verfügt. Doch dort wachsen die Vorbehalte. "Die IKB hat ein Funding-Problem, das weiß jeder Mittelständler", sagt ein Analyst. Branchenkenner monieren zudem, dass es den Düsseldorfern an einem internationalen Netzwerk fehlt, um die Kunden ins Ausland zu begleiten. Und Konkurrenten wie HSBC Trinkaus sind bestenfalls an Teilen interessiert.

    Bleibt die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft in Deutschland so erholt, dass ausländische Häuser auf den Mittelstand oder Immobilien spekulieren - und IKB oder Corealcredit plötzlich attraktiv finden. Ausstiegsszenarien sehen für gewöhnlich anders aus.

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      Beharrliches Schweigen

      Bei den Texanern schweigt man derweil auf Nachfragen beharrlich. "Lone Star ist erfolgreich", hieß es in einem gestern kurzfristig dann doch noch verschickten Statement. Der Umbau der Corealcredit sei dafür ein Beispiel, mit der Restrukturierung der IKB sei man zufrieden. Zahlen oder Details - Fehlanzeige.

      Doch auch das passt zu Deutschlandchef von Köller. Denn der aus pommerschem Adel stammende Banker gibt sich öffentlich nicht nur ehrgeizig - sondern in aller Regel auch zugeknöpft.

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