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Finanzinvestoren Die Firmenjäger sind zurück

In Berlin huldigen Finanzinvestoren dem deutschen Aufschwung. Selbstbewusst präsentieren sie der Bundesregierung eine Wunschliste, die es in sich hat.

Finanzinvestoren - oft Quelle: gms

Die Zeit der Demut ist vorbei. Der Großteil der Firmenjäger hat die Krise verdaut und strotzt vor Selbstbewusstsein. Auf ihrem jährlichen Treffen in Berlin loben die Finanzinvestoren das neue deutsche Wirtschaftswunder, vom dem sie mit Mega-Renditen profitieren wollen.

Endlich passt das Gipfel-Motto „Super Return“ wieder zur Stimmung der Branche. Noch vor zwei Jahren hatte sich das Private-Equity-Lager noch demonstrativ in Demutsgesten geübt. Damals mahnte David Rubenstein, Mitgründer des US-Fonds Carlyle Group seine Kollegen, auf ihr Image zu achten und mehr Rücksicht auf Arbeitsplätze zu nehmen.

Klassenbester Deutschland

Dem Standort Deutschland stellen die Finanzinvestoren zu Beginn des Jahres 2011 Bestnoten aus. Arbeitsmarktreformen und Investitionen in Infrastruktur und Innovation haben nach Ansicht der Beteiligungsgesellschaften dafür gesorgt, dass die deutsche Wirtschaft den Rest Europas alt aussehen lässt.

Obwohl das Image der als Heuschrecken gescholtenen Private-Equity-Firmen in kaum einer Nation so schlecht ist wie hierzulande, hat die Investoren-Elite wiederholt die Bundeshauptstadt zum Ort ihres jährlichen Treffens auserkoren. Dafür gibt es einen Grund. In der deutschen Industrie sind mittelgroße Unternehmen stark vertreten. Diese stellen wegen ihrer Innovationskraft und Internationalisierung lohnende Investitionsziele dar.

Berlin bietet noch einen weiteren Vorteil. Hier können die selbstbewussten Unternehmenskäufer ihre Forderungen für weitere Reformen der Bundesregierung direkt unter die Nase halten. Vor allem das marode deutsche Rentensystem ist den Investoren ein Dorn im Auge.

Forderung nach Rentenreform

Michael Phillips vom internationalen Private-Equity-Haus Apax Partners fordert mehr kapitalgedeckte Vorsorge sowohl auf betrieblicher als auch auf öffentlicher Ebene, denn echtes Sparen vergrößere den Kapitalstock einer Volkswirtschaft. Dazu trage die momentan größtenteils aus laufendem Einkommen der arbeitenden Generation finanzierte Alterssicherung nicht bei.

Das stimmt. Doch Phillips hat natürlich nicht allein das Wohl der gegenwärtigen und künftigen deutschen Rentner im Auge. Das Alterskapital soll in Pensionsfonds nach angelsächsischem Vorbild fließen und von den Fondsmanagern in Private-Equity-Beteiligungen gesteckt werden. Auch das deutsche Steuer- und Insolvenzrecht müsste nach Ansicht der Branche generalüberholt werden.

Mehr Geld zum Einkaufen

Erst dann würden sich Holdings, welche die aufgekauften deutschen Unternehmen verwalten, wieder in der Bundesrepublik ansiedeln. Bisher nutzen sie lieber die investorenfreundlichen Gesetze des Ministaats Luxemburg.

Weiteren Auftrieb erhält das Selbstbewusstsein der Super-Return-Teilnehmer von einer heute veröffentlichten Private-Equity-Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers. Danach hat knapp die Hälfte der 200 von PwC befragten internationalen Kapitalbeteiligungsgesellschaften im vergangenen Jahr mehr investiert als 2009.

Der Aufwärtstrend dürfte anhalten. Laut PwC planen sieben von zehn befragten Gesellschaften, ihre Neuinvestitionen im Jahr 2011 zu erhöhen. Unter den deutschen Befragten treffe das sogar auf 80 Prozent zu.

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