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Finanzkrise 2.0? Bedrohung durch Banken

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Die Lage ist also schwierig, obwohl die Aufseher sie nicht genau kennen. War nach dem zweiten Bankenstresstest nur von drei Milliarden Euro die Rede, die die getesteten Banken zum Schutz vor einer neuen Krise benötigen, scheint diese Zahl heute niemand mehr Ernst zu nehmen. Es klang schon alarmierend, als vor wenigen Tagen die Europäische Zentralbank (EZB) meldete, die Geschäftsbanken hätten ihre Übernacht-Einlagen bei der EZB auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr hochgeschraubt, knapp 170 Milliarden. Ein klares Indiz dafür, dass sich die Banken untereinander weniger Geld leihen, weil sie sich gegenseitig nicht so recht über den Weg trauen – zumal sich die Banken untereinander höhere Zinsen gutschreiben als die EZB. Nach der Lehman-Pleite 2008 war die kurzfristigen Einlagen auf rund 400 Milliarden Euro angewachsen.

Erzwungene Kapitalspritzen

Noch beunruhigender klangen die Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zum Wochenbeginn warnte der IWF vor einem Kapitalloch bei europäischen Instituten in der Größe von 200 Milliarden Euro. Börsenanalysten gingen bislang nur von einem halb so großen Bedarf der Banken aus. Um einer neuen Krise vorzubeugen, forderte der IWF sogar Zwangskapitalspritzen für Europas Geldhäuser.

Kein Druck auf Banken

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann – in Personalunion auch Chef des mächtigen internationalen Bankenverbandes IIF, schlug in die gleiche Kerbe: Er fühle sich an die Marktbedingungen Ende 2008 erinnert. Damals kam nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers der Interbankenmarkt zum Stillstand, die Staatengemeinschaft musste mit Milliarden den Bankensektor stützen. „Es ist offenkundig, um nicht zu sagen: eine Binsenweisheit, dass es zahlreiche europäische Banken nicht verkraften würden, müssten sie die im Bankbuch gehaltenen Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben“, sagte Ackermann am vergangenen Montag. Er forderte die Politiker auf, eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern. Weiterer Druck auf die Banken zur Verbesserung der Kapitalbasis würde die bestehenden Maßnahmen jedoch unglaubwürdig erscheinen lassen, warnte er weiter. Das hört sich an, als sei Druck auf Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien völlig in Ordnung, Druck auf die sensiblen Banken eher nicht.

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