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Finanzkrise Dax-Konzerne verzichten auf neues Personal

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Tabelle: Durchwachsene Stimmung (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Getroffen wird der Maschinenbau auch über den Umweg der Autoindustrie, traditionell ein Großkunde der Branche. Der Absatz bricht ein, weil viele Kunden sich eine so große Investition derzeit nicht zumuten wollen. Dazu kommt, dass die PS-Szene unter einer wachsenden Verunsicherung der Käufer durch die von der Europäischen Union angekündigten Maßnahmen zum Klimaschutz leidet. Gerade bei größeren Fahrzeugen weiß kaum noch einer, was er sich kaufen kann, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen.

Erste Folgen sind unübersehbar. Bei Opel stehen im thüringischen Eisenach und in Bochum die Bänder für zwei bis drei Wochen still. BMW trennt sich nicht nur von insgesamt 8100 Leuten, sondern lässt Mitarbeiter, wenn nötig, auf ihrem Arbeitszeitkonto bis zu 300 Stunden (bisher 200) ins Minus rutschen – um sie im Extremfall drei Monate nach Hause schicken zu können. Konkurrent Daimler wird unter anderem im Werk Sindelfingen, wo Modelle der C-, E- und S-Klasse gefertigt werden, die Produktion über Weihnachten bis Mitte Januar deutlich herunterfahren. Und der Volkswagen-Konzern schränkt bei seinen Töchtern die Produktion ein: etwa im Werk Bratislava, wo der VW Touareg, der Porsche Cayenne und der Audi Q7 montiert werden. Am Stammsitz in Wolfsburg bleibt noch alles beim Alten.

Kürzt die Autoindustrie, trifft das die Zulieferer. Bosch setzt bereits in einigen Abteilungen die Produktion tage-, in der Diesel-Einspritzpumpen-Fertigung, auch wochenweise aus. Die Freischichten werden mit angesammelten Überstunden verrechnet, befristete Verträge teilweise nicht verlängert. Falls das nicht reicht und sich die Nachfrageschwäche noch weit bis ins nächste Jahr ziehen sollte, wird Kurzarbeit nicht ausgeschlossen. Auch Reifenhersteller Continental versucht zunächst über Zeitkonten drohende Produktionskürzungen aufzufangen.

Beschäftigungszahlen bei Versicherern relativ stabil

Bei den Banken als Auslöser der Krise sind die Aussichten ebenfalls negativ, wenn auch nicht ganz so düster, wie es vielleicht zu erwarten wäre. Die Deutsche Bank etwa, die bisher 7,3 Milliarden Euro durch die Finanzkrise abschreiben musste, kündigte erst vor wenigen Tagen an, ihr Filialnetz deutlich auszubauen. Allein in Deutschland will das Institut bis 2012 hier 1250 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Deutsche Bank hat zwar bislang weltweit rund 900 Stellen im Investmentbanking abgebaut, insgesamt ist die Zahl der Angestellten im vergangenen Jahr aber deutlich gestiegen.

Auch bei einigen anderen Großbanken bleibt der Rotstift noch in der Schublade. So haben sich Gewerkschaft und Management bei der Postbank etwa erst vor wenigen Wochen darauf geeinigt, bis 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Und da sich fast alle Banken auf das stabilere Privatkundengeschäft konzentrieren, werden Berater sogar weiter gesucht. Auch bei der Commerzbank und der Dresdner Bank, die fusionsbedingt 9.000 Stellen, davon 6.500 in Deutschland, abbauen wollen, geht die Streichwelle an den Bankschaltern vorbei. Anders sieht es in der Verwaltung aus: Hier rechnen Experten mit weiterem Stellenabbau.

Dass von den weltweit bisher gestrichenen 130.000 Jobs in den Banken vergleichsweise wenige auf Deutschland entfallen, liegt an der untergeordneten Rolle, die das Investmentbanking hierzulande spielt. Gleichwohl entlassen die Banken da, wo die Krise ihren Ausgang nahm, nun am meisten. „Der Abbau trifft hier alle Bereiche und ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Tim Zühlke, Partner der auf Finanzdienstleister spezialisierten Personalberatung Indigo Headhunters. Große Sorgen müssen sich viele Betroffene deswegen bisher nicht machen. „Sie sind bei kleineren, finanziell stabilen Banken gefragt“, sagt Zühlke.

Keine personellen Einschnitte durch die Finanzkrise planen, trotz Abschreibungen, auch die Versicherungen. Zwar steckt die Allianz seit zwei Jahren im größten Konzernumbau ihrer Geschichte mit dem geplanten Wegfall von knapp 5.500 Stellen. Doch dieser Abbau wird im kommenden Jahr abgeschlossen. Die Finanzkrise selbst soll keine Auswirkung auf die Beschäftigtenzahl haben, heißt es am Unternehmenssitz in München. Auch die Münchener Rück, deren Tochtergesellschaft Ergo und Talanx planen allein wegen der Finanzkrise keinen Stellenabbau, wenn auch fast alle Gesellschaften wegen des Konzernumbaus personell abspecken.

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