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Finanzkrise Dax-Konzerne verzichten auf neues Personal

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Trotz Krise: Puma und Adidas Quelle: AP

Der Wind peitscht mit 30 Knoten die Wellen mächtig auf, die Gischt spritzt und das Material stöhnt, als Ken Read den schwarzen Rumpf der fast 22 Meter langen Rennyacht in Richtung Gibraltar ausrichtet – über ihm steht wie ein Brett das knallrote, mit einer springenden Raubkatze bemalte Großsegel der „Puma Il Mostro“ (zu deutsch: „Puma, das Monster“), einer mehrere Millionen Euro teuren High-Tech-Maschine. Read ist der Skipper des schlanken Bootes, mit dem der deutsche Sportartikelkonzern Puma zum ersten Mal am legendären, gut 70.000 Kilometer und neun Monate langen Volvo Ocean Race teilnimmt.

Einen zweistelligen Millionenbetrag steckt der Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach dem Vernehmen nach in das Segelrennen. Und während die Segler mit den Wellen kämpfen, tobt auf dem Festland die Finanzkrise. Natürlich stelle man sich gerade vor dem Weihnachtsgeschäft die Frage, ob „die Kunden angesichts der Finanzkrise jetzt weniger Geld ausgeben?“, so ein Puma-Manager. Doch wie bei der Asien-Krise vor zehn Jahren investiert der Raubkatzenkonzern weiter in die Marke, die Werbung und den Vertrieb, sprich: in neue Geschäfte. So sollen noch in diesem Jahr Shops in Münster, Düsseldorf und Berlin eröffnen, neue Jobs inklusive. Mindestens ebenso unbeeindruckt von der Finanzkrise zeigt sich Adidas. Die Franken übernehmen gerade für mehr als 54 Millionen Euro die kalifornische Golfbekleidungsmarke Ashworth, um den eigenen Golfableger TaylorMade zu stärken.

Zeitarbeitsfirmen als mögliche Gewinner der Krise

Ähnlich hell sieht der Himmel auch über Siemens aus. Der Münchner Elektrokonzern verkündete zwar im Juni erst einen Abbau von 17.000 Stellen, wird aber Ende 2009 per saldo mehr Stellen haben als Anfang des laufenden Geschäftsjahres. Konzernchef Löscher will Siemens mit dem Umbau, der 1,2 Milliarden Euro Einsparungen bringen soll, „wetterfest“ machen.

Zu den möglichen Gewinnern der Finanzkrise gehören die Zeitarbeitsfirmen. Zwar setzen jetzt viele Unternehmen Leiharbeiter frei. Jedoch rechnet die Branche damit, dass dieser Effekt überkompensiert wird, weil viele Unternehmen in Krisenzeiten auf Zeitarbeiter zurückgreifen, um flexibel zu bleiben.

Völlig unbeeindruckt von der Finanzkrise und der Konsumunlust der Deutschen gibt sich Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka. Rund 1000 neue Discounter und Supermärkte wollen die Hamburger in den kommenden beiden Jahren aus dem Boden stampfen und rund 25.000 Mitarbeiter einstellen.

Doch Edeka, Siemens, Puma und Co. sind Ausnahmen, sofern es bei den Plänen bleibt. „Die Ankündigungswelle hat doch noch nicht begonnen“, sagt ZEW-Forscher Licht. Der Sprecher eines rheinischen Energiekonzerns formuliert es noch deutlicher: „Wie sollen wir knapp drei Wochen nach der Verschärfung der Krise schon in Lage sein, einen kompletten – von den Arbeitnehmervertretern abgesegneten – Abbauplan zu verkünden?“

Das dicke Ende könnte noch kommen.  

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