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Finanzkrise Die Krise zwingt die Kirchen zu verzweifelten Maßnahmen

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Grafik: Kirchliche Fakten

Noch härter getroffen hat die Krise die anglikanische Kirche in Großbritannien, die sich des Kapitalmarktes viel offensiver bedient. Derart daneben gingen in Deutschland nur wenige Geschäfte der Kirchen. „Im Durchschnitt“, sagt Jens Michael Otte, Leiter des öffentlichen Sektors bei der Deutschen Bank, „sind die hiesigen Kirchen nach unserer Erfahrung keine besseren oder schlechteren Anleger als alle anderen auch.“

Und sie sind vor der Krise auch nicht besser beraten worden, sagt Rüdiger Fuchs, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris, die mehrere Kirchen und Wohlfahrtsverbände betreut. Insgesamt müsse man feststellen, „dass im Vorfeld der Krise die Beratungsintensität durch die Kreditinstitute – und teilweise wohl auch die -qualität – nicht ausreichend war beziehungsweise die Risiken den Einrichtungen nicht genügend vor Augen geführt wurden“, sagt Fuchs.

Grundsätzlich gehen die Kirchen in Deutschland mit ihrem angelegten Kapital, das auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt wird, recht behutsam um. So legen die meisten einen Großteil ihrer Geldes bei speziellen Kirchenbanken an. Etwa bei der in Köln ansässigen katholischen Pax-Bank (zu Deutsch: Friedensbank), die vor 92 Jahren von Priestern für Priester gegründet wurde. Das Institut bietet nur Investments, die kirchenkonforme Vorgaben einhalten. So versprechen die Fonds zum Beispiel, kein Geld in Unternehmen zu investieren, die Waffen oder Verhütungsmittel produzieren.

Kirchliche Anleger haben sich professionalisiert

Doch auch rund um den Kölner Dom greift die Krise um sich. Mittelfristig werde die Finanzkraft deutlich abnehmen, sagt Vorstandschef Christoph Berndorff. Deshalb hat die Pax-Bank bereits vor fünf Jahren ihr Angebot auch für nichtreligiöse Hilfsorganisationen geöffnet. Die kirchlichen Anleger hätten sich professionalisiert, sagt Berndorff zwar. Doch vor Verlusten konnte sie aber auch alle Umsicht nicht bewahren.

Abtei Münsterschwarzach in Franken: Anselm Grün ist einer der wohl bekanntesten Kirchenvertreter Deutschlands. Der Benediktinermönch ist ein erfolgreicher Buchautor – über 300 Bücher voll mit Lebenshilfe hat er veröffentlicht, die sich weltweit mehr als 15 Millionen Mal verkauften. Er ist ein gefragter Gastredner, hält Seminare für Manager. Daneben ist der 64-Jährige, hinter dessen Bart sich ein jugendlich wirkendes Gesicht verbirgt, aber auch noch Cellerar der Abtei Münsterschwarzach, also so etwas wie der Finanz- und Personalvorstand. „Auch wir haben bei der Geldanlage verloren“, sagt er freimütig. Auf das unmittelbare Klosterleben hätten die Anlageverluste zwar keinen Einfluss, erklärt Grün, aber „wir sind vorsichtiger bei Anschaffungen“.

Zwischen 15 und 30 Minuten am Tag verbringt Grün mit der Verwaltung der Klosterfinanzen. Der Mönch holt einen dicken Stapel weißer Papierzettel aus einem Karteikasten und legt sie auf den Tisch. „Wertpapierkarte“ steht darauf. Darunter hat Grün auf jedem der geschätzt 200 Zettel säuberlich von Hand eingetragen, wann er welches Papier zu welchem Kurs gekauft und wann er es wieder verkauft hat. „Zwei, drei Jahre“ werde es wohl dauern, „ehe wir die Verluste wieder aufgeholt haben“, sagt Grün.

Grund zum Verdruss ist die generelle Situation der Kirchen für Grün aber nicht. „Die Sehnsucht nach Spiritualität ist ja weiter vorhanden.“ Er habe gerade nach dem Tod des Nationaltorhüters Robert Enke erlebt, dass die Menschen Fragen haben. „Die Kirche muss ihnen Antworten anbieten“, sagt Grün. „Nur zu jammern, deswegen alles aufzugeben, das ist mir zu fantasielos.“

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