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Finanzkrise Die letzten Vertreter der alten Wall-Street-Garde treten ab

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JP Morgan Chase-Chef Jamie Quelle: Reuters

Sein Rückzug hat das restliche BofA-Topmanagement kalt erwischt. Denn einen Nachfolger für Lewis konnte die BofA noch nicht präsentieren. Nun geht in der von der US-Regierung mit 45 Milliarden Dollar gestützte Bank das Rennen um den Chefposten los. Rund ein Dutzend Anwärter haben US-Medien ausgemacht.

Als Favoriten gelten Brian Moynihan, der Chef des Privatkundengeschäfts, und Sally Krawcheck, die erst jüngst an Bord geholte Leiterin des BofA-Vermögensmanagements. Eine geregelte Nachfolge sieht anders aus.

Geregelte Nachfolge bei JP Morgan Chase

Dass es in Zeiten der Finanzkrise auch anders geht, zeigt der vergleichsweise geordnete Rückzug à la Jamie Dimon. Der Chef von JP Morgan Chase hat vor wenigen Tagen einen seiner engsten Mitarbeiter vor die Türe gesetzt: Bill Winters, Vizechef von JP Morgans Investmentbanking-Sparte, musste seinen Posten an Jes Staley, den bisherigen Leiter des Asset Managements abtreten. Mit diesem Schachzug hat der 53-Jährige Dimon nun dem Drängen des Verwaltungsrats nachgegeben und einen klaren Nachfolger installiert.

Leicht dürfte Dimon die Entscheidung nicht gefallen sein: Denn Winters war laut Experten maßgeblich daran beteiligt, dass JP Morgan Chase als einzige große US-Bank in den letzten zwei Jahren keine Verluste schrieb. Winters nutzte sein Wissen um komplexe Finanzinstrumente früh, um die Investmentbank aus dem Kreditderivativ-Geschäft herauszuführen. Dimon hatte deshalb Mitte 2008 kaum mehr toxische Wertpapiere in den Bilanzen seiner Bank.

Aus der Finanzkrise wird JP Morgan deshalb gestärkt hervorgehen – als einzige Investmentbank der Wall Street. Dimon gilt deshalb als letzter Held unter den US-Bankern (siehe dazu auch den ausführlichen Artikel auf wiwo.de).

Branchenbeobachter hatten allerdings davor gewarnt, dass die Zukunft von JP Morgan viel zu stark an die Person Jamie Dimon geknüpft sei.

Mit seinem geordneten Rückzug und dem Aufbau eines Nachfolgers nimmt Dimon dieser Kritik nun den Wind aus den Segeln. Warum sich Dimon aber gegen Winters entschieden hat, ist noch nicht ganz klar. Jes Staley hat sich bei Dimon offenbar Respekt dafür erworben, seine 1,3 Billionen Dollar schwere Sparte gut zu führen. Zudem verteidigt Staley seine Meinung auch gegen Kritik – was Dimon, beeindruckt. Insider berichten zudem, dass Staley auch vom Temperament her besser auf einen Vorstandssessel passt als Winters.

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