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Finanzkrise Die letzten Vertreter der alten Wall-Street-Garde treten ab

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Staatsanwalt ermittelt gegen Lewis

Während sich Dimon nun ohne Makel aus dem Tagesgeschäft zurückziehen kann, muss Ken Lewis nicht nur gegen die üble Nachrede, sondern auch noch gegen ermittelnde Staatsanwälte ankämpfen.

Mit seinem letzten großen Deal bei der Bank of America, der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch Mitte September 2008, hat sich der BofA-Chef sein eigenes Grab geschaufelt. Er sah die Milliardenrisiken nicht, die noch in den Wertpapierabteilungen der Investmentbank schlummerten.

Bei der Übernahme billigte die BofA auch noch Boni-Zahlungen in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar für Merrill-Lynch-Mitarbeiter. Ihre eigenen Aktionäre informierte die BofA aber erst sehr spät über die Boni-Problematik der geschluckten Bank.

Einige Wochen lang wurde Lewis für seinen Deal als visionärer Stratege gefeiert. Doch das Geschäft wurde zum Höllenritt für Lewis: Bald wurde klar, dass Merrill Lynch zusätzlich 20 Milliarden Dollar an Staatshilfen benötigen würde. Zusätzlich übernahm die BofA noch den Hypothekenfinanzierer Countrywide, was die Bilanz der Bank weiter belastete. Am Ende musste die US-Regierung der Bank of America mit 45 Milliarden Dollar unter die Arme greifen.

Hat Lewis aktienrechtliche Vorschriften verletzt?

Lewis soll im Dezember 2008 überlegt haben, die Übernahme von Merrill Lynch wegen der hohen Verluste der Investmentbank platzen zu lassen. Doch laut Lewis habe ihn der damalige US-Finanzminister Henry Paulson gedrängt, die Verluste von Merrill Lynch zu verstecken und die Bank wie geplant zu übernehmen – eine Anschuldigung, die Paulson und andere Politiker von sich weisen.

Die undurchsichtigen Vorgänge Ende letzten Jahres haben Lewis mehrere Untersuchungen der Regierung und von Staatsanwälten eingebraucht.

Im Kern geht es um die Frage, ob Lewis und sein Team aktienrechtliche Vorschriften verletzt haben, indem sie im Dezember die Aktionäre zu spät über noch nicht gemeldete Verluste und Bonuszahlungen bei Merrill Lynch informiert haben. Sein Rückzug wird die Mühlen des US-Gesetzes nicht zum Stillstand bringen. „Ken Lewis Entscheidung, sich zurückzuziehen, wird keinen Einfluss auf unsere weiter laufenden Untersuchungen haben“, tönte etwa der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo.

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