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Finanzvertrieb Druck auf OVB-Vermittler wächst

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Geldanlage: Anleger sollten Quelle: dpa

Die Anfänger versprechen schon deshalb frisches Geschäft, weil jeder seine Angehörigen, Freunde und Kollegen als potenzielle Kunden angraben soll. Marketingchef Jürgen Kotulla: „Mitarbeiteraufbau ist unser wichtigstes Thema.“

Besonders wählerisch ist die OVB dabei offenbar nicht. So müssen Finanzvermittler laut Gewerbeordnung in finanziell geordneten Verhältnissen leben. Mehrere Ex-OVBler bestätigen jedoch: „Bei der OVB war eine Reihe von Beratern beschäftigt, die eine Privatinsolvenz hingelegt haben.“ Herbert Kaiser* ist einer von ihnen. Die OVB nennt Kunden im Internet Kaiser als Büroinhaber, obwohl vor dem Amtsgericht Mayen sein privates Insolvenzverfahren läuft.

„In diesen Fällen müsste ein Verfahren zur Gewerbeuntersagung eingeleitet werden“, fordert Verbraucherschützer Gatschke. Er sieht bei insolventen Vermittlern „ein erhebliches Aufsichtsdefizit“ der örtlichen Behörden.

Erst seit Kurzem werden Finanzdienstleister überhaupt beaufsichtigt – von den örtlichen Industrie- und Handelskammern (IHK). Seit Ende 2009 spießt außerdem eine kritische Homepage ehemaliger OVBler im Internet unter www.exovb.com Missstände auf.

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    Stornoquote gestiegen

    Das Unternehmen lehnt eine Stellungnahme zu Personen aus Datenschutzgründen ab, erklärt aber, es verlange einen Bonitätsnachweis der Auskunftei Schufa: „Voraussetzung für die Zusammenarbeit unseres Unternehmens mit einem selbstständigen Handelsvertreter ist, dass dieser in geordneten Vermögensverhältnissen lebt und uns daher vor Einstellung eine Schufa-Selbstauskunft vorlegt.“

    Bei verschuldeten Beratern steigt der Druck, um jeden Preis Finanzprodukte zu verkaufen. „Viele, auch führende Mitarbeiter, stehen selbst bei der OVB in der Kreide“, berichten Insider. So weist der Geschäftsbericht 2008 12,5 Millionen Euro an Forderungen gegen Vermittler aus. Die Forderungen führt die OVB auch auf steigende Vertragskündigungen durch Kunden zurück. Dann müssen Vermittler der OVB erhaltene Provisionen zurückerstatten – oder eben schuldig bleiben.

    Üblicherweise stornieren OVB-Kunden jedes Jahr 4,5 Prozent der abgeschlossenen Verträge, vom Bausparvertrag bis zum Fondssparplan. „Infolge der Finanzkrise ist diese Stornoquote – regional unterschiedlich – angestiegen“, so das Unternehmen. „Für die Gruppe bewegt sich die Stornoquote auf den Vertragsbestand noch immer im einstelligen Bereich.“

    Nach Insiderangaben sind die Quoten im reinen Versicherungsgeschäft stärker gestiegen: Bei einer Versicherung, die an der OVB beteiligt ist, liegt sie demnach deutlich über zehn Prozent – weit über den üblichen Stornoquoten bei Lebensversicherern, die im Durchschnitt nur um zwei Zehntelpunkte auf vier Prozent geklettert sind. „Eine Betrachtung von einzelnen Versicherungspartnern wird von uns nicht verfolgt“, erklärt die OVB dazu. Hohe Stornoraten gelten auch als Indiz für gehäufte Falschberatungen.

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