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Finck-Clan Schlammschlacht ums Milliardenerbe

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Der Vater

August von Finck junior und senior Quelle: Picture-Alliance/DPA

Augusts, Wilhelms und Helmuts Vater August von Finck senior galt als knorriger Multimilliardär, ein Mann, gleichermaßen geizig wie reich. Er rauchte billige Strohhalm-Zigaretten, feilschte beim Friseur ums Trinkgeld und versagte seinen Angestellten lange Zeit Armlehnen an den Stühlen („die haben doch beim Arbeiten die Hände auf dem Tisch“).

Privat besaß der Bankier ein altes Schloss in der Schweiz und ein Jagdrevier in der Alpenregion Karwendel. Rund 4000 Hektar Felder, Wiesen und Wälder im Bayrischen nannte er sein Eigen, darunter ausgedehnte Ländereien im Osten von München. Vorzugsweise im abgewetzten Lodenmantel stapfte der Senior dort durchs Revier und stieg hernach in seinen VW-Käfer, um zurück zum Geldhaus am Lenbachplatz zu fahren.

Die Bank war dem Patriarchen heilig. Er hatte Merck Finck & Co nach dem Tod des Vaters 1924 übernommen. Auch die Nazi-Zeit bedeutete kein Ende der Geschäfte. Im Gegenteil: Von Finck machte sich um den Bau von Adolf Hitlers Haus der Deutschen Kunst in München verdient und durfte zum Dank für derlei Dienste jüdische Bankhäuser „arisieren“.

Als der Krieg vorbei war, wurde das NSDAP-Mitglied zum „Mitläufer“ herabgestuft, sollte 1000 Mark Strafe zahlen und beantragte selbst dafür Befreiung wegen seines lädierten Knies. Wenig später durfte er die Reichtumsvermehrung ungehindert fortsetzen und baute die Privatbank zu seiner persönlichen Schaltzentrale aus.

Von hier aus steuerte er umfangreiche Unternehmensbeteiligungen, die beim Bankhaus und in den Familiendepots gebündelt wurden. Wer Anfang der Achtzigerjahre etwa Prämien beim Versicherer Allianz zahlte oder bei den Isarwerken – einem E.On-Vorgängerunternehmen – Strom bezog, half, die Rendite der Dynastie zu mehren. Auch wer bei Hochtief ein Bürogebäude oder im Wirtshaus ein Bier der Marke Löwenbräu orderte, füllte indirekt die Kassen des Barons. Der Großbankier und -grundbesitzer war zeitweise der reichste Deutsche, der „Spiegel“ schätzte sein Vermögen auf einen „zehnstelligen Markbetrag“ .

Einen Teil davon hatte der Patron noch zu Lebzeiten seinen Söhnen übertragen, darunter Anteile am Bankhaus und an einer Grundstücksgesellschaft.

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