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Flughafenbetreiber Fraports Reise um die Welt

Die guten Zahlen sind für Konzernchef Stefan Schulte eine Genugtuung – und die Möglichkeit auch außerhalb Frankfurts zu expandieren.

Das Logo des Frankfurter Quelle: dpa

Es ist ein Tag zum Feiern für Fraport-Chef Stefan Schulte. Der Streik der deutschen Fluglotsen ist erstmal abgewendet und er konnte gute Zahlen vorlegen. Mit 1,1 Milliarden Euro hatte Deutschlands größter Flughafenkonzern elf Prozent mehr Umsatz als im ersten Halbjahr 2011 und das Nachsteuer-Ergebnis verdoppelte er gar auf 105 Millionen - eine Rendite von fast zehn Prozent. Besonders letzteres ist schon erstaunlich. Zwar leidet der Konzern im Gegensatz zu den Fluglinien nur schwach unter den hohen Ölpreisen und der Passagiersteuer, die an anderen Flughäfen die Zahl der Reisenden sinken ließ. Außerdem hat im Gegensatz zum Vorjahr nicht wieder ein Großereignis wie die Vulkanasche-Wolke für einen tagelangen Stillstand gesorgt.

Ehrgeizige Pläne sind nur ein Anfang

Aber der Konzern steckt an seinem Hauptflughafen Frankfurt in einem milliardenschweren Ausbauprogramm. Die neue Landebahn ist fertig und soll am 21. Oktober in Betrieb gehen. Dazu kommen noch jede Menge andere Baumaßnahmen wie ein neuer Fluggastbereich.

Doch für einen ehrgeizigen Manager wie Schulte ist all das eher ein Anfang. Gerade weil eben im Gegensatz zu vielen seiner Branche weder Flug- noch Handelsfachmann ist, sondern Banker und Controller, will er das Unternehmen nach vorne bringen. Und das bedeutet vor allem Expansion anderswo. Zwar steht Frankfurt am Anfang einer Wachstumsphase, weil Schulte nun endlich alle Fluglinien landen lassen kann, die er bislang mangels Zeitfenstern abweisen musste. Doch spätestens in zehn Jahren, wenn die neue Bahn genauso voll ist wie die bisherigen und auch das neue Terminal an die Grenzen stößt, ist erstmal Schluss.

Darum setzt Schulte vermehrt auf Wachstum außerhalb Hessens. Heute ist das Unternehmen bereits an einem Dutzend Flughäfen beteiligt, vom beschaulichen Hannover bis zu Wachstumsmärkten wie im indischen Neu Delhi, Xi’an in China und dem russischen Sankt Petersburg. Diese Beteiligungen liefern bereits heute 30 Prozent vom Ergebnis. Und da ist noch mehr drin. Und hier hat Schulte sogar die Qual der Wahl.

Zum einen hat Schulte laut Insidern an Puerto Rico ebenso Interesse wie an den brasilianischen Landeplätzen Brasilia, Rio de Janeiro und Sao Paulo. Zudem könnte bald der spanische Staat seine Airport-Holding AENA verkaufen wollen, die unter anderem Barcelona und Madrid betreiben.

Denn nach der Expansion im Ausland könnte Frankfurt nun auch im Inland aktiv werden. Der Essener Bauriese Hochtief will seine Flughafentochter loswerden, darunter neben Sydney und Budapest auch Beteiligungen an den hochprofitablen Landeplätzen Hamburg und Düsseldorf. Hier bietet Frankfurt angeblich gemeinsam mit einer Tochter der Deutschen Bank.

Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: dpa

Das macht Sinn. Bislang wehrten sich die Flughafen nach Kräften. Die Airports fürchteten, Frankfurt würde ihnen mehr oder weniger verbieten, Emirates oder andere Konkurrenten seines Hauptkunden Lufthansa landen zu lassen. Schließlich ist es für das Langstreckengeschäft besser, wenn möglichst viele Deutsche in Frankfurt umsteigen, statt in Dubai oder den USA.

Gewinn aus Ladenzeilen und Bürovermietung

Doch die Furcht ist geschwunden. Die Lufthansa investiert selbst in den "dezentralen Verkehr," wie sie Flüge abseits ihrer Drehkreuze Frankfurt und München nennt. Viel wichtiger aber: Das ehemalige Hauptgeschäft Flug und besonders die Abfertigung sind in Zukunft kein Gewinnbringer sondern eher Zuschuss. Dagegen kommt der Gewinn inzwischen aus den Ladenzeilen und der Bürovermietung. Von hier stammen im ersten Halbjahr 2011 drei Viertel des operativen Gewinns. Und hier könnte Schulte in einem Verbund mit Düsseldorf und Fraport sicher durch einen Wissensaustausch noch Synergien heben, die am Ende alle drei Airports profitabler machen.

Am Ende wird Fraport sicher nicht alles übernehmen und um viele Beteiligungen gibt es sicher eine Bieterschlacht. Doch die ist sicher weniger hart als im vorigen Übernahmeboom nach 2006. Damals suchten viele Baukonzerne, vor allem aus Spanien einen Ort, wo sie ihre gewaltigen Überschüsse loswerden konnten. Doch wie der Verkauf der inzwischen zu ACS gehörenden Hochtief-Airports zeigt, setzen die jetzt erstmal eher auf ihr Kerngeschäft und Schuldenabbau. Dagegen hat Schulte jetzt einen Großteil seiner Investitionen in Frankfurt hinter sich und kann sich ein paar größere Übernahmen durchaus leisten.

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