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Fluglinie Noch eine Premiere für den neuen Lufthansa-Chef

Die Rede von Lufthansa-Chef Christoph Franz vor den Aktionären auf der Hauptversammlung wird sein bisher schwerster großer Auftritt. Denn vorerst stehen bei der Fluglinie keine guten Zeiten an.

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Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: dpa

Bei ersten Auftritten vor einer bestimmten Gruppe hat Lufthansa-Chef Christoph Franz sicher allmählich Routine. Zuerst war es die Belegschaft Ende vorigen Jahres in einem Hangar am Frankfurter Flughafen, dann die wichtigsten Kunden beim Neujahrskonzert in Berlin im Januar und Mitte März schließlich die Presse.

Am heutigen Dienstag sind es nun also die Lufthansa-Aktionäre, vor denen Franz heute erstmals als Chef der nach Umsatz weltgrößten Fluglinie steht. Doch diesmal dürfte er es etwas schwerer haben als bei seinen anderen Auftritten.

Das hat wenig damit zu tun, dasDie Premiere des neuen Lufthansa-Chefss das inzwischen doch recht betagte ICC in Berlin so wenig vom Lufthansa-Image aus Lebensart, Zuverlässigkeit und Fernweh verströmt. Es liegt auch nicht daran, dass Franz in die ziemlich großen Fußstapfen seines Vorgängers Wolfgang Mayrhuber tritt, der mit seiner charmanten abgeklärten Art das Unternehmen gut bei Investoren repräsentierte. Die Aktionäre ebenso zu begeistern wie es laut den Lufthansa-eigenen Umfragen die jährlich bald 100 Millionen Passagiere sind, ist für Franz fast unmöglich. 

Franz ist bislang weniger als mitreißender Redner aufgefallen, sondern eher als bestechender Analytiker, der zwar seine Mitarbeiter überrascht und häufig auch motiviert – aber eben weniger spontan, sondern durch stetige Überzeugungsarbeit und weil er eben bei Dingen wie Sparmaßnahmen mit gutem Beispiel voran. Das verfängt jedoch schon bei institutionellen Anlegern nur mühsam. Und bei Kleinaktionären ist es noch schwieriger.

Kein tolles Investment

Denn so begeistert Franz auch seine Vision für die Lufthansa verkaufen mag und gar eine Umsatzrendite von acht Prozent verspricht. Anleger kann das Unternehmen nicht begeistern.

Sicher, die Fliegerei ist eine Wachstumsbranche, die in der Regel doppelt so schnell wächst wie die Wirtschaft insgesamt. Und Lufthansa ist eines der weltweit drei, vier solidesten Unternehmen.

Doch viel Geld verdient sie nicht. Fast alle rundherum kommen auf zweistellige Margen von den Top-Flughäfen, den Flugzeughersteller wie Boeing, den Computerreservierungssystemen wie Amadeus oder den vielen Finanziers. Nur die Airlines eben nicht. Und auch wenn Aktie in den vergangenen zwei Jahren einigermaßen lief und es in diesem Jahr eine ordentliche Dividende gibt: wie alle Fluglinien ist auch die Lufthansa kein tolles Investment für langfristige Anleger, sondern eher für unstete Wechsler.

Dafür sorgen ständig Streiks sowie Krisen durch Terroranschläge oder Naturkatastrophen wie die Lungenseuche Sars, unsinnige politische Auflagen wie die Luftverkehrsabgabe. Und weil das offenbar nicht reicht, macht am Ende der Ölpreis alle Einsparungen zu Nichte. Es ist sicher eine tolle Leistung, wenn ein Unternehmen hier eine Mehrbelastung von gut einer Milliarde Euro wegsteckt. Aber für den Kursgewinn zählt halt vor allem die Aussicht auf steigende Gewinne. Und die kann Franz erstmal nicht bieten.

Das Öl wird eher noch teurer oder ab dem nächsten Jahr strapaziert der europäischen Emissionshandel für Klimagase die Kasse. Und die Einnahmen schaffen auch im Aufschwung oft nur einen kleinen Vorsprung vor den Kosten. Denn Fluglinien vom Persischen Golf wie Emirates oder aus Ostasien sind dabei das lukrative Langstreckengeschäft ebenso in die Bredouille zu bringen wie die Billigflieger den Europaverkehr. Dazu arbeitet die Lufthansa trotz aller Fitnessrunden beim Personal eben immer noch deutlich teurer als die wichtigsten Wettbewerber aus Asien.

Dagegen setzt Franz eine gründliche Erneuerungskur. Den Anfang hat er gemacht. Dank zuvor schwer vorstellbarer Maßnahmen wie Nullrunden für Piloten die Ausgaben abseits des Sprits deutlich gesenkt, in einigen Bereichen sogar um gut 14 Prozent. „Doch wir brauchen noch mal Einsparungen in gleicher Höhe", sagt Franz. Wie genau er das schaffen will, hat Franz bisher eher verhalten angedeutet, etwa indem  er dem Billigflieger Germanwings mehr Platz geben will und auf weitere Zukäufe maroder Fluglinien verzichten will. Sehr viel konkreter wird er auch heute wird er sicher noch werden.

Tabubrüche

Denn letztlich geht es vor allem um Veränderungen im Unternehmen. Franz setzt er darauf, die Belegschaft zu begeistern für effizienteres Arbeiten. Dabei wird er Tabus brechen wie den Abbau der Verwaltung und flexiblere Arbeitsbedingungen für das fliegende Personal. Mit dem Umbau des Passage genannten Fluggeschäfts unter der Marke Lufthansa hat er den Anfang gemacht. Und auch im Cateringgeschäft läuft der Umbau. Das alles ist in guten Zeiten schwer durchzusetzen.

Darum wird es schnelle Erfolge wohl auch nicht geben. Doch zumindest das war bei Lufthansa nie ein Problem. Das Unternehmen hat nicht nur die Substanz harte Zeiten auch länger durchzuhalten. Auch der Aufsichtsrat hat bislang immer Geduld bewiesen. Franz ist erst Chef Nummer fünf seit vor gut 55 Jahren die Lufthansa neu gegründet wurde.

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