WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Fluglinien Lufthansa vor dem schwierigsten Jahr seit der Privatisierung

Seite 3/4

Designierter Konzernchef Franz: Mächtig anstrengende Agenda.

Bisher bleibt der Lufthansa pro Passagier mehr als der Konkurrenz. Zwar hat sie höhere Kosten wegen der üppigen Verwaltung und weil sie kurze Strecken oft mit kleinen Fliegern bedient, die pro Passagier relativ teuer fliegen. Doch das macht sie wett, weil sie im Schnitt rund ein Drittel mehr einnimmt als ihre Wettbewerber.

Dafür sorgt der hohe Anteil von Passagieren der First und Business-Class, die ein Vielfaches des üblichen Economy-Tarifs zahlen. In den LH-Nobelabteilen nahmen etwa im wichtigsten Verkehrsgebiet Nordatlantik zuletzt gut 27 Prozent der Passagiere Platz, so eine Statistik des Marktforschungsunternehmens Centre for Asia Pacific Aviation. Bei BA sind es 26 Prozent und bei Air France/KLM nur gut 13 Prozent.

„Doch diese Führung ist an anderer Stelle gefährdet“, sagt Experte Franke. Unter dem Strich ist etwa die Marktposition der Air France stärker, weil sie ihren Heimatmarkt am besten im Griff hat. Frankreichs Wirtschaft ist stark auf Paris konzentriert, während Deutschland viele Unterzentren hat. So können Billigflieger, die sanierten US-Airlines oder die Fluglinien vom Golf mit ihren niedrigeren Kosten Air France in Paris schwerer Kunden abjagen als Lufthansa in Hamburg oder Düsseldorf.

Punkt 2: Krisenmanagement

Etwas knapper als bei den Finanzen ist der Lufthansa-Vorsprung in diesem zweiten großen Bereich der Studie. Platz eins verdankt die Linie – neben der Kunst, ihre Tickets zu höheren Preisen zu verkaufen und ihren geschickten Geschäften zur Absicherung eines niedrigen Kerosinpreises – vor allem dem Management ihrer Kosten. „Sie fliegt zwar teurer als die Konkurrenz, aber auch deutlich flexibler“, sagt Berater Franke. So beginnen etwa beim fliegenden Personal bereits ab gut 80 Prozent der üblichen Arbeitszeit die Überstunden. Das kostet zwar Zuschläge, aber in Krisen kann Lufthansa die Extrazeit ohne lange Verhandlungen streichen.

Doch nicht in allen Bereichen ist die Lufthansa vorne. So nutzt sie derzeit die Möglichkeiten ihrer Flugallianz weniger gut als Air France. Deren Skyteam ist zwar kleiner und bietet Mitgliedern weniger Leistungen als Lufthansas Star Alliance. „Doch Air France kooperiert mit ihrem wichtigsten Partner Delta Air Lines noch deutlich enger als die Lufthansa mit ihren wichtigsten Verbündeten“, sagt Experte Franke.

Unentschieden ist das Rennen bei einer wichtigen Zukunftsdisziplin: der Verarbeitung der bisherigen Übernahmen. Hier ist BA mangels einer Übernahme per Definition Schlusslicht. Doch Air France und Lufthansa scheinen bisher kaum einen großen Vorteil aus dem Erwerb von KLM und Swiss gezogen zu haben. Zwar haben beide die Übernahmen längst durch die Gewinne bei KLM und Swiss finanziert. „Doch statt wie in anderen Branchen durch eine Integration die Kosten rasch zu drücken, haben beide ihre Töchter weitgehend in Ruhe weiter arbeiten lassen“, sagt Franke. So beschränkten sich die Synergien auf weniger als ein Prozent der Kosten. Offenbar sind den beiden Fluglinien aber die Markt- wichtiger als die Kostensynergie.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%