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Fluglinien Lufthansa vor dem schwierigsten Jahr seit der Privatisierung

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Punkt 3: Produkt

Der Service an Bord und Boden ist in einem Aufschwung das wichtigste Mittel, um neue Kunden zu gewinnen. Wie wichtig Qualität ist, zeigen die US-Fluglinien. Weil sie in den vergangenen Jahren kaum investiert haben, haben besonders europäische Geschäftsreisende sie gemieden. „Die meisten Linien können auf der Langstrecke fast nur noch über den Preis konkurrieren“, sagt Studienautor Franke.

Mit Ausnahme des Lufthansa First-Class-Terminals in Frankfurt setzen die Maßstäbe hier jedoch nicht die Europäer, sondern asiatische Fluglinien wie Singapore Airlines und Cathay Pacific sowie Qatar Airways und Etihad aus Abu Dhabi. Lufthansa, BA und Air France landen in neutralen Kundenbefragungen wie derjenigen des britischen Marktforschers Skytrax gleichauf im Mittelfeld. Zwar hat BA einen leichten Vorsprung bei den Sitzen und den Lounges. Die Briten punkten in der Business-Class als einzige der drei mit flachen Betten und bieten vor dem Abflug mehr als karge Kost in engen Warteräumen. Doch ihre Schwächen liegen laut Skytrax bei der Betreuung und dem verspätungsanfälligen BA-Drehkreuz London-Heathrow.

Punkt 4: Zukunftsfähigkeit

Hier muss sich die Lufthansa zum ersten Mal in einer Vergleichsstudie der WirtschaftsWoche Air France unter dem Strich geschlagen geben. In Führung liegt die Lufthansa hier nur bei den Chancen in der beginnenden Konsolidierung der europäischen Flugbranche.

„Hier hat die Lufthansa deutlich mehr Partner zur Auswahl als ihre Konkurrenten, was – zumindest potenziell – zusätzliche strategische Optionen eröffnet“, sagt Berater Franke. Neben sicheren Kaufkandidaten wie der belgischen Brussels Airlines, Austrian Airlines und BMI aus Großbritannien würden gerne auch LOT aus Polen und möglicherweise die skandinavische SAS bei der Lufthansa Schutz vor der Krise suchen. Für Air France hingegen kommt nach dem Einstieg bei Alitalia lediglich CSA aus Tschechien infrage. BA schließlich hat mit Iberia derzeit gar nur einen Kandidaten in Europa, mit dem eine Übernahme Gewinn verspricht. Doch BA-Chef Walsh will nachziehen: „Wir werden die Konsolidierung vorantreiben.“

Der Vorsprung der Deutschen wird durch drei Dinge aber mehr als aufgezehrt. Zum einen könnte sich die Lufthansa mit ihren Übernahmen am Ende schwerer tun als ihre Konkurrenten. Sie holt sich mit Austrian und BMI erstmals Sanierungsfälle ins Haus, die im Gegensatz zur Swiss erst am Anfang des Umbaus stehen. „Dagegen bekäme zumindest BA mit Iberia ein recht florierendes Unternehmen“, sagt Franke.

Dazu sind die Wachstumsmöglichkeiten der Deutschen etwas schlechter als bei Air France. Zunächst hat Lufthansa eine relativ alte Flotte, die sie durch viele teure Neubestellungen ersetzen muss. Die Franzosen haben diesen Umbau bereits hinter sich. Dazu haben sie an ihren Drehkreuzen Paris und Amsterdam mehr freie Kapazität und dank staatlicher Rückendeckung auch weniger Probleme beim weiteren Ausbau.

Trotz aller Herausforderungen und Unsicherheiten sieht sich Mayrhuber auf dem besten Weg, die Führung durch die Krise zu verteidigen. „Wir sind auf alle Szenarien eingestellt“, sagt er. „Krise ist ein produktiver Zustand“, zitiert er den Schriftsteller Max Frisch. „Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Und gelegentlich sein Äußeres ändern. 

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