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Förderbanken KfW-Kredite: Antworten auf Leserfragen

Bis 05. Juni 2009 konnten WirtschaftsWoche-Leser ihre Fragen zu Krediten der KfW stellen. Experten der Förderbank haben die interessantesten Probleme herausgesucht - die Antworten dazu finden Sie hier.

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Frage 1: KfW-Förderung für deutsche Expats?

Im Jahre 2003 öffnete ich in Oslo/ Norwegen ein kleines Radsportgeschäft von 15qm auf Hobbybasis und mit unregelmässigen Öffnungszeiten.

Mein Geld verdiente ich als Doktor der Nuklear- und Umweltchemie an Universitäten und Ministerien.

Der Handel mit Radsportteilen entwickelte sich äußerst rasant. Heute, im Jahre 2009 ist die ehemalige Personengesellschaft eine Aktiengesellschaft (100 Prozent aller Aktien in meinen Händen) und einem Jahresumsatz von ca. 1 Million Euro, einer Ladenfläche von über 500qm und 3 Angestellten. Ich selber habe bis zum heutigen Zeitpunkt kein Geld aus der Firma bezogen, sondern den Überschuss in weiteres Wachstum refinanziert.

Hinzu kommt ein zweites Standbein als Alleinimporteur für verschiedene Hersteller im Sportbereich: Maier Sport Sport Bekleidung, Gonso, Hagan Ski, Rohloff Naben, Cratoni Helme uvm.

Aufgrund des Produktportfolios und der Belieferung des gesamten norwegischen Marktes, von Svalbard bis Lindesnes, sowie dem Bekanntheitsgrad des Firmennamens wird mit einem Ansteigen des Umsatzes auf etwa 10-20 Millionen Euro innerhalb der nächsten 5 Jahre gerechnet. Hauptlieferanten sind deutsche Firmen.

Trotz des enormen Wachstums der Firma erklären sich Banken jedoch bis heute nicht bereit einen Kredit zu geben. Ich selber bin ohne festes Einkommen (die Eigendynamik des Geschäftes zwang mich, meinen Beruf an den Nagel zu hängen), sondern lebe minimalistisch von Erspartem. Dies erweist sich ebenfalls als Nachteil, da Banken nach dem privaten Einkommen fragen.

Norwegische Banken verweisen darauf, dass meine Sicherheiten in Deutschland liegen (Haus). Deutsche Banken verweisen darauf, dass sich mein Geschäft sich in Norwegen befindet.

Aufgrund der sich anbanenden Umsatzgrössenordnung ist bald keine Eigenfinanzierung mehr möglich.

Ich stehe vor einem Dilemma - zu klein, um groß zu sein und zu groß, um klein zu sein. Banken haben dies ebenfalls bestätigt - abgesehen von der Sicherheitenstellung.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Misere?

Kai Schlüter

Fast-Sports AS, Oslo/Norwegen

Die Antwort der KfW-Experten finden Sie auf der folgenden Seite

Die Antwort der KfW-Experten zu Frage 1

Sehr geehrter Herr Schlüter,

Ihr Vorhaben außerhalb Deutschlands begleiten wir gerne mit unserem KfW-Unternehmerkredit. Voraussetzung ist, dass Sie einen Unternehmenssitz in Deutschland haben.

Partner für die Beantragung der von uns angebotenen Finanzierungshilfen ist ein örtliches Kreditinstitut. Diese "Hausbank" kann sowohl eine Bank oder Sparkasse in Deutschland als auch eine Bank am Investitionsort sein, wenn Sie bei der KfW akkreditiert ist. Sofern Ihre Hausbank die Erfolgsaussichten Ihres Vorhabens positiv beurteilt, leitet sie die Antragsunterlagen an die KfW weiter. Eine direkte Beantragung der Darlehen in unserem Hause, ohne Einschaltung einer Geschäftsbank, ist nicht möglich. Wir arbeiten wettbewerbsneutral mit allen Banken und Sparkassen zusammen.

Antragsberechtigt sind Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland(maximaler Gruppenumsatz 500 Mio. Euro), deren Tochtergesellschaften im Ausland und Freiberufler aus Deutschland.

Mit dem KfW-Unternehmerkredit finanzieren wir die Errichtung und den Erwerb von Unternehmen oder Beteiligungen im Auslandsowie alle Investitionen, die einer mittel- und langfristigen Mittelbereitstellung bedürfen und einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg erwarten lassen.

Wir finanzieren bis zu 100 % der förderfähigen Investitionen. Der Höchstbetrag beläuft sich auf 10 Millionen Euro. Die Laufzeit beträgt im Unternehmerkredit Ausland bis zu max. 20 Jahre bei bis zu 3 tilgungsfreien Anlaufjahren.

Mit dem KfW-Unternehmerkredit bieten wir Ihnen ferner die Möglichkeit, Ihren Finanzierungsbedarf im Betriebsmittelbereich in voller Höhe, maximal bis 10 Millionen Euro darzustellen.

Das Darlehen ist banküblich abzusichern. Form und Umfang sind hierbei mit der Hausbank frei verhandelbar.

Zur Begleitung von Investitionsvorhaben von Mittelständlern und Freiberuflern, die mindestens seit 2 Jahren am Markt tätig sind, bietet die KfW im KfW-Unternehmerkredit eine 50%ige Haftungsfreistellung an.

Anhand Ihrer Angaben können wir uns noch kein abschließendes Bild über Ihr Vorhaben machen. Ggfs. bieten wir Ihnen an, sich direkt mit Frau Müller in Verbindung zu setzen. 

Freundliche Grüsse

Walter Steffes                                                               Susanne Müller       Abteilungsdirektor Referentin Information und Beratung                                KfW BankengruppeBeratung Süd

VT b3 Ludwig-Erhard-Platz 1 - 353179 BonnTelefon: +49 228 831-7313Telefax: +49 228 831-8078susanne.mueller@kfw.dewww.kfw.de 

Frage 2: Vermeidung von Strafzinsen?

zum KfW Gründerkredit habe ich folgende Frage:

Ein Bekannter hat Ende November 2006 für eine Unternehmensgründung einen KfW Gründerkredit über 12.000 Euro genehmigt bekommen.

Da die Fremdfinanzierung nun reduziert werden sollte, wurde der Kredit kürzlich vorzeitig komplett getilgt. Seit Genehmigung des Kredites wurden (vergünstigte) Zinsen i.H.v. 4 Prozent gezahlt; nun macht die KfW über die Sparkasse als Kreditvermittler im Zuge der vorzeitigen Kompletttilgung rückwirkend Zinsen ab 2006 geltend; so dass für 2006/2007 nachträglich weitere 6 Prozent (in Summe also 10 Prozent), für 2008 und 2009 dann geringere prozentuale Aufschläge gefordert werden; insgesamt somit Strafzinsen von über 1200 Euro.

In allen Medienbereichen wird über Stützkredite und Bürgschaften der Bundesregierung berichtet; letztlich ist die KfW auch hiervon betroffen. Großunternehmen werden ebenfalls gestützt.

Kleine Unternehmen - wie im hier geschilderten Falle eine kleine Einzelunternehmung - müssen hingegen zahlen, selbst wenn der KfW vorzeitig liquide Mittel rückgeführt werden.

Dass sich Banken refinanzieren und vertragliche Konditionen erfüllen müssen ist selbstverständlich. Jedoch würde mich interessieren, ob Möglichkeiten bestehen, die Strafzinsen aufgrund der vorzeitigen Rückzahlung zu mindern oder zu vermeiden - das operative Geschäft ist bereits unter den Erwartungen und von negativem Erfolg geprägt.

Herzlichen Dank für Ihre kurze Erklärung.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Conrad

Die Antwort auf diese Frage finden Sie auf der nächsten Seite

Die Experten-Antwort

Sehr geehrter Herr Conrad,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Gerne erläutern wir Ihnen den Sachverhalt. Aus den von Ihnen genannten Rahmendaten schließen wir, dass es sich bei dem "Gründungskredit" um ein Darlehen aus dem Programm "ERP-Kapital für Gründung" handelte.

Ziel des Förderprogramms "ERP-Kapital für Gründung" ist es, aussichtsreiche Gründungsvorhaben durch zinsgünstige, eigenkapitalähnliche Mittel zu unterstützen. Das Darlehen wird von der KfW aus dem ERP-Sondervermögen als "Hilfe zur Selbsthilfe" nur dann gewährt, wenn ohne dieses Darlehen die Durchführung des Vorhabens wegen einer zu geringen Basis an haftendem Kapital wesentlich erschwert würde. Die Bewilligung dieses Darlehens setzt eine Eigenbeteiligung von mindestens 15 Prozent voraus - dadurch werden zusammen mit dem ERP-Kapital für Gründung  40 Prozent Haftkapital erreicht.

Das Darlehen hat also einen sehr speziellen Langfrist-Charakter mit einem hohen Subventionswert. Durch die lange, tilgungsfreie Zeit wird die Liquidität geschont. Die Zinsen werden in den ersten 4 Jahren ganz (1. Jahr) bzw. teilweise (2.-4. Jahr) vom ERP-Sondervermögen übernommen. Aus dem Vorgesagten wird ei einer vorzeitigen Rückzahlung daher davon ausgegangen, dass die bei Antragstellung vorausgesetzte langfristige Notwendigkeit dieses speziellen Gründungsdarlehens sich im Nachhinein tatsächlich anders herausstellte und daher die Zinssubventionen aus ERP-Mitteln im Falle einer vorzeitigen Rückzahlung innerhalb der Anfangsjahre zu erstatten ist. Diese Regelung ist in den Programmrichtlinien hinterlegt und Bestandteil des zwischen dem Kreditnehmer und der Hausbank bzw. KfW geschlossenen Darlehensvertrages (s. Abschnitt: Kündigung des Darlehensnehmers, Ziffer 6). 

Nur bei Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit ist die vorzeitige Rückzahlung ohne Zinsnachforderung möglich. Dies können wir aus Ihren Informationen allerdings nicht erkennen. 

In dem von Ihnen geschilderten Fall  würde es sich also nicht um "Strafzinsen"  handeln, sondern um eine vertragliche festgelegte Nachforderung der durch das ERP-Sondervermögen in den ersten Jahren übernommenen, regulären Zinsen. Der reguläre Zinssatz lag demnach bei 6 Prozent p.a.. Da der Kunde im ersten Jahr keine Zinsen gezahlt hat, wird für dieses Jahr der volle Zinssatz nachberechnet, für die weiteren Jahre anteilig (Differenz zu den bereits gezahlten Zinsen).

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Erläuterungen weiterhelfen konnten.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Nau

Förderberater KfW Bankengruppe

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