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Formel-1-Rennen Das Steuergrab am Nürburgring wird tiefer

Das Formel-1-Rennen am Nürburgring wird nach Schätzung der Landesregierung weit höhere Verluste bringen, als geplant. Die Defizite trägt wie so oft der Steuerzahler - die Kasse klingelt derweil bei den Betreibern.

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Formel 1, Grosser Preis von Quelle: dapd

Das Defizit des Formel-1-Rennens am Sonntag auf dem Nürburgring wird größer ausfallen als bislang kalkuliert: Mit mindestens 17 Millionen Euro Verlust rechnet die rheinland-pfälzische Landesregierung intern, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Das sind fast 40 Prozent mehr als die 13,5 Millionen Euro, die das Land als Haupteigentümer der Rennstrecke bislang im Haushalt einplant, um Verluste zu decken.

Während das Land – und damit der Steuerzahler – für die Fehlbeträge aufkommt, ist das Rennen für zwei Unternehmer die Gelegenheit, um Kasse zu machen: Kai Richter und Jörg Lindner. Sie betreiben die Rennstrecke seit Mai 2010 für das Land. Ihre Firma, die Nürburgring Automotive GmbH, erhielt im Dezember 2010 auch die Konzession zur Organisation des F1-Rennens.

Ein ausgeklügeltes Firmengeflecht

Doch die Automotive richtet das Rennen nicht allein aus. Nach dem Zuschlag ließen Lindner und Richter zwei neue Firmen eintragen: Die Grand Prix Rheinland-Pfalz GmbH & Co. KG und als Komplementärin die Grand Prix Rheinland-Pfalz Verwaltungs-GmbH. Lindner und Richter sind jeweils einzelvertretungsberechtigte Geschäftsführer.

Im Klartext heißt das: Richter und Lindner verschieben mit der Konstruktion einen Teil ihres Geschäfts an andere Firmen und dennoch an sich selbst. Die Nürburgring Automotive GmbH muss laut Betriebspachtvertrag einen Großteil ihres Gewinns an die Nürburgring GmbH und somit das Land abführen. Ein Teil der Gewinne aber fällt nun bei anderen Firmen an – das Land geht leer aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kai Richter am Ring solche Firmengeflechte nutzt. So hat er ein bargeldloses Zahlungssystem an der Strecke etabliert. Eigens dazu gründete Richters Firma Mediinvest mit der Nürburgring GmbH die Cash Settlement & Ticketing GmbH (CST). Die Kosten wollten sich beide Eigentümer teilen. Richter aber konnte seinen Anteil nicht aufbringen, deshalb zahlte die Nürburgring GmbH die Kosten von rund zehn Millionen fast komplett allein, moniert der Landesrechnungshof.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue

Sowohl die Nürburgring GmbH als auch Richters Mediinvest stellten in ihrem Joint Venture CST je einen alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer. Das nutzte Richter laut Rechnungshof kräftig aus: Er vergab überflüssige und überteuerte Aufträge an Firmen, an denen er selbst beteiligt war. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt daher wegen Untreue gegen ihn. Richter sagt, er wolle nun mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. „Wenn wir etwas falsch gemacht haben sollten, haben wir ein großes eigenes Interesse, den Fehler zu finden.“

Noch komplexer war das Firmengeflecht, mit dem Richter beim Neubau von zwei Hotels, einem Feriendorf und dem Party-Stadel „Grüne Hölle“ agierte. Der angebliche Privatinvestor konnte die Finanzierung nicht stemmen – und erhielt 85 Millionen Euro als stille Einlagen von einer landeseigenen Bank. Laut Rechnungshof hatte Richter ein Netz von acht Firmen geknüpft, um die Gelder zu verteilen.

Im Mittelpunkt stand dabei die Motorsport Resort Nürburgring GmbH (MSR). Sie leitete das Geld weiter an andere Firmen, die wiederum Richter gehörten. Nachdem das Geld ausgegeben war, verkaufte der Düsseldorfer Unternehmer die MSR samt ihrer Verbindlichkeiten für einen Euro weiter. Der Käufer war das Land Rheinland-Pfalz.

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