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Führungskrise in der Landesbank Voigtländer vorerst Chef der WestLB

Nach dem plötzlichen Rücktritt von WestLB-Chef Heinz Hilgert führt vorerst dessen bisheriger Stellvertreter Dietrich Voigtländer kommissarisch die Bank. Inmitten der Krise steht er mit der Landesbank vor großen Aufgaben.

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Dietrich Voigtländer, bislang Quelle: dpa

Voigtländer übernehme kommissarisch den Vorstandsvorsitz, teilte die Bank gestern Abend in einer Pflichtmitteilung mit. Der 50-Jährige gehört dem WestLB-Vorstand seit Juli vergangenen Jahres an und gilt als ein Vertrauter des bisherigen Bankchefs. Hilgert war gestern überraschend zurückgetreten und hatte das mit einer mangelnden Unterstützung durch die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen begründet. Die Sparkassen sind Mehrheitseigentümer der WestLB und wollen keine weiteren Milliarden-Garantien für die Landesbank bereitstellen.

Der notwendige Umbau der drittgrößten deutschen Landesbank finde nicht „die erforderliche wirtschaftliche Unterstützung der maßgeblichen Eigentümer der Bank“, begründete Hilgert seinen Rücktritt. Sein Stellvertreter, Dietrich Voigtländer, führt ab sofort die WestLB. Heute ist eine Kundgebung von WestLB-Mitarbeitern vor der Konzernzentrale in Düsseldorf geplant. Vor Beginn einer Krisensitzung des Aufsichtsrats gestern Abend demonstrierten in Düsseldorf bereits rund 100 Bank-Mitarbeiter aus Sorge um ihre Arbeitsplätze. Sie warnten vor einer Zerschlagung der Landesbank.

Garantien über fünf Milliarden Euro fehlen

Die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe hatten in den vergangenen Monaten weitere Garantien für die WestLB abgelehnt. Hilgert wollte Papiere und nicht mehr zum Kerngeschäft der Bank gehörende Aktivitäten im Wert von rund 80 Milliarden Euro auslagern. Dazu sind nach seinen Angaben zusätzliche Garantien von höchstens fünf Milliarden Euro erforderlich. Er betonte, dass es sich um werthaltige Papiere wie Staatsanleihen von EU-Ländern handele und nicht um Schrottpapiere. Die Sparkassen waren anders als das Land Nordrhein-Westfalen aber nicht bereit, weitere Garantien zu tragen. Dafür müssten die Sparkassen Rückstellungen bilden und das Geld stehe dann nicht für Kredite zur Verfügung.

Die Sparkassen verwiesen die WestLB auf Bundeshilfen, die bislang aber nicht zustande kamen. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen (CDU) bedauerte den Rücktritt Hilgerts. Die Landesregierung habe die Pläne Hilgerts immer unterstützt, versicherte er. Er forderte die Sparkassen auf, „zu ihren Pflichten und Verpflichtungen“ gegenüber der WestLB zu stehen. Die beiden Sparkassenverbände besitzen gut die Hälfte der WestLB-Anteile, das Land ist mit 38 Prozent größter Einzelaktionär. Die übrigen Anteile halten die Kommunen in NRW.

Bestes erstes Quartal seit Jahren

Kurz vor seinem Rücktritt legte Hilgert Geschäftszahlen für das erste Quartal für die WestLB vor. Demnach hat die Bank 2009 den besten Jahresauftakt seit Jahren verzeichnet. Der Vorsteuergewinn belief sich auf 250 Millionen Euro. Darin seien keine Effekte mehr aus der Auslagerung von risikoreichen Papieren von Anfang 2008 enthalten, bei der die WestLB-Eigentümer Garantien in Höhe von fünf Milliarden Euro abgaben. Hilgert betonte, dass von diesen Garantien bisher lediglich 280 Millionen Euro in Anspruch genommen wurden.

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche milliardenschwere Staatshilfen für die WestLB gebilligt und der Bank gleichzeitig eine Schrumpfkur verordnet. Brüssel genehmigte Garantien in Höhe von fünf Milliarden Euro für die risikoreichen Papiere. Im Gegenzug muss die WestLB ihr Geschäft halbieren. Das bedeutet die Trennung von Aktivitäten in der Größenordnung von etwa 140 Milliarden Euro. Eine Etappe auf diesem Weg soll die Auslagerung werthaltiger Papiere im Volumen von etwa 80 Milliarden Euro, für die WestLB weitere Garantien in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro braucht.

Die WestLB-Tochter Westdeutsche Immobilienbank mit einer Bilanzsumme von 26 Milliarden Euro soll verkauft werden. Außerdem muss die WestLB bis Ende 2011 mehrheitlich über ein Bieterverfahren verkauft werden. Hilgert betonte, diese EU-Genehmigung decke auch die weiteren Garantien zur geplanten Auslagerung von werthaltigen Papieren ab.

Hilgert war als Sanierer und Fusionsexperte zur WestLB geholt worden. Zuvor war er bei der genossenschaftlichen Zentralbank DZ tätig. Voigtländer ist ebenfalls ein ehemaliger DZ-Vorstand. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur war von Hilgert im Juli des vergangenen Jahres zur WestLB geholt worden und gilt als ein Vertrauter des bisherigen Vorstandsvorsitzenden.  

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