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Gagfah-Chef Brennan "Immer eine schimmelige Wand"

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Vom Markt abgehängt Quelle: Thomson Reuters

Die Gagfah wächst also nicht mehr?

Brennan: Unser Wohnungsbestand ist im letzten Quartal nicht gewachsen, dafür aber unsere Mieten um 1,4 Prozent. Wachsen wollen wir auch mit Dienstleistungen für andere Immobilienunternehmen wie Hausmeisterservice oder Winterdienst. Wichtiger als Größenwachstum ist für uns momentan aber, die Lücke zwischen Börsen- und Unternehmenswert zu schließen. Der Kurs liegt aktuell nur bei gut vier Euro, während das Nettovermögen zwölf Euro je Aktie beträgt.

Ist der niedrige Börsenkurs der Grund, warum die Gagfah jetzt Anteile im Wert von bis zu 75 Millionen Euro von den Aktionären zurückkaufen will – oder soll das Unternehmen bald von der Börse genommen werden?

Brennan: Kurzfristig wollen wir mit dem Rückkaufprogramm zu einer adäquateren Bewertung der Aktie beitragen. Langfristig könnte ein Rückzug von der Börse im besten Interesse der Gesellschaft sein – eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Profitieren Sie bei Verkäufen vom aktuellen deutschen Immobilienboom?

Brennan: Ja, unter anderem in richtig heißen Märkten wie Hamburg, Berlin und anderen Großstädten. In den zurückliegenden sechs bis neun Monaten sind vermehrt Interessenten von sich aus auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir Wohnungen zu verkaufen haben.

Die Gagfah hat hohe Schulden – 2013 müssen Sie Kredite in Höhe von 3,4 Milliarden Euro neu finanzieren. Wie laufen die Verhandlungen mit den Banken?

Brennan: Die Finanzierungsmargen haben sich seit der Finanzkrise verschlechtert, dafür ist der Basiszins der Banken gesunken. Die Gespräche laufen. Im Ergebnis könnte ich mir einen Mix verschiedener Instrumente vorstellen, zumal unsere Finanzierungen in voneinander unabhängige Tranchen gestückelt sind. Das kann hier ein Neukredit sein und dort die Verlängerung des Altkredites. Wir können unsere Refinanzierung sicherstellen, wollen aber den bestmöglichen Zeitpunkt erwischen.

"Wir schulden der Stadt nichts"

Der Rechtsstreit mit Dresden geht nun in die nächste Runde. Die Stadt verlangt eine Milliarde Euro Vertragsstrafe, weil die Gagfah gegen Sozialklauseln verstoßen habe.

Brennan: Dresden will die Gagfah als Sündenbock mit tiefen Taschen missbrauchen. Die Stadt hat sich mit dem Milliardenerlös aus dem Verkauf ihrer Wohnungsgesellschaft aller Schulden entledigt, jetzt braucht der Kämmerer schon wieder neues Geld. Aber wir schulden der Stadt nichts. Wir haben die Sozialcharta eingehalten und keinen Schaden verursacht. Das ergibt sich auch aus einem von der Stadt beauftragten, aber von dieser nicht veröffentlichten Treuhandgutachten.

Die Kommunen stehen unter Privatisierungsdruck. Würden Sie trotz des Dresdner Rechtsstreits weiter Wohnungen aus öffentlichem Besitz kaufen?

Brennan: Ja, denn wir haben insgesamt sehr gute Erfahrungen auf dem deutschen Markt gemacht und sind an selektiven Zukäufen immer interessiert. So sehen wir uns natürlich das Wohnungsportfolio an, das die Landesbank Baden-Württemberg jetzt verkaufen will. 

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