WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

GDL überlegt unbefristeten Streik Koalition erschwert Bahn-Privatisierung mit Prüfauftrag

Bahn-Chef Mehdorn kämpft mit Gegenwind von allen Seiten: Die Lokführergewerkschaft GDL entscheidet heute Mittag über einen unbefristeten Streik im Personen- und Güterverkehr. Beim gestrigen Koalitionsausschuss wurde klar, dass die Bahn-Privatisierung gehörig wackelt.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat vermutlich schon angenehmere Tage als Manager verbracht: Zum einen gibt die Lokführer-Gewerkschaft GDL nicht klein bei und will mit Arbeitsniederlegungen einen eigenen Tarifvertrag erzwingen. Ab morgen sind Streiks sowohl im Güter- wie auch im Personenverkehr wahrscheinlich, hieß es heute bei der GDL. Immerhin: Die Streiks bleiben vorerst befristet. „Der Forderung der Gewerkschaftsbasis nach unbefristeten Streiks kommen wir vorerst nicht nach“, sagte eine GDL-Sprecherin heute. Heute Mittag entscheidet die kleine Gewerkschaft, ob und wann sie diese Woche streiken wird. Da die Bahn ihr Angebot nicht zu Gunsten der GDL nachbessern will, gelten neue Ausstände ab morgen als so gut wie sicher. Zum andereren stellt nicht nur GDL-Chef Schell die Nerven von Mehdorn gehörig auf die Probe. Denn gestern erteilte der Koalitionsausschuss den Auftrag, die Bahn-Privatisierungsmodelle nochmals genau überprüfen zu lassen. Zur Debatte stehen der SPD-Vorschlag eines Börsengangs mit stimmrechtslosen Vorzugsaktien und ein anderes Modell, um dessen Name noch gestritten wird. Der Prüfauftrag könnte ein weiterer Sargnagel für die Privatisierung des letzten großen Bundesunternehmens sein. Denn der Sarg ist immer schwerer zu öffnen. Seit knapp einer Woche ist ein neues Modell im Gespräch, das nach Meinung einiger Fachleute auf die bislang von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Bahnchef Hartmut Mehdorn und Transnet-Chef Norbert Hansen strikt abgelehnte Trennung von Netz und Betrieb hinausläuft. "Indisches Modell" vs. Börsengang mit Volksaktien Mehdorn hat deswegen vor einigen Jahren so heftig mit dem damaligen Verkehrsminister Kurt Bodewig gestritten, dass Kanzler Gerhard Schröder Bodewig mit einem „Basta“ zurechtwies. Die neue Variante wird manchmal „Steinbrück-“, manchmal „de-Maizière-“ und manchmal „indisches“ Modell genannt. Letztere Bezeichnung deshalb, weil Mehdorn es angeblich selbst Kanzlerin Angela Merkel auf der Indien-Reise vor zwei Wochen schmackhaft gemacht haben soll. Der Finanzminister selbst steht dem Modell nach Informationen aus der SPD zwar nicht unbedingt ablehnend gegenüber - er stimmte beim Parteitag gegen das Volksaktien-Modell -, aber die Urheberschaft möchte er sich offenbar auch nicht gleich anhängen lassen. Nicht ohne Häme sind es gerade die jahrelangen Trennungsbefürworter aus FDP und Wirtschaft, die den neuen SPD-Vize damit ärgern wollen. Den Namen des Kanzleramtschefs trägt es, weil es bei einer Runde im Kanzleramt letzten Donnerstag die Weihen erhielt, zusammen mit dem Volksaktienmodell in die engere Wahl der Prüfaufträge des Koalitionsausschusses zu kommen.

Inhalt
  • Koalition erschwert Bahn-Privatisierung mit Prüfauftrag
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%