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Gegenofferte für Nyse Nasdaq will Deutscher Börse die Tour vermasseln

Um die traditionsreiche New York Stock Exchange entbrennt eine Übernahmeschlacht. Die US-Technologiebörse Nasdaq will der Deutschen Börsen die Nyse wegschnappen und legt ein höheres Übernahmeangebot vor.

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Börsenhändler an der Nyse Quelle: dpa

Unter den großen Weltbörsen kommt es erneut zu einem Bietergefecht. Gemeinsam mit der Rohstoffbörse Intercontinental Exchange (ICE) bietet die Nasdaq 42,50 Dollar je Aktie der New York Stock Exchange (NYSE). Dies sei ein Aufschlag von 19 Prozent gegenüber dem Gebot der Deutschen Börse, teilte die Nasdaq am Freitag mit. Die Nyse wird damit mit 11,3 Milliarden Dollar bewertet.

Nyse und Deutsche Börse hatten sich im Februar auf eine Fusion geeinigt, bei der die Aktionäre der Frankfurter die Mehrheit der Stimmen erhalten sollen. Seither hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, die Nasdaq werde für die Nyse bieten, auch um die „Wiege des amerikanisches Kapitalismus“ vor einer Übernahme aus dem Ausland zu bewahren. Geplant ist, dass die Nasdaq den Aktienhandel der Nyse in den USA und Europa übernimmt, während die ICE das Derivategeschäft erhalten soll.

Analysten reagierten vorsichtig auf die Ankündigung. „Man wird sich die Verschuldungslage der Nasdaq genau ansehen müssen“, sagte Rich Repetto, Börsenexperte bei Sandler O'Neill. Die Nasdaq ist durch die Übernahme der skandinavischen OMX bereits hoch verschuldet.

Andere Marktkenner geben sich optimistischer, wie etwa Manoh Ladwa von ETX Capital: „Das scheint ein leichteres Geschäft zu sein, da es keine Streitfragen um die Oberhoheit gibt, wie es bei der Deutschen Börse der Fall wäre“, erwartet er. Das Angebot der Nasdaq enthalte einen ziemlich hohen Aufschlag. Da sowohl Bargeld als auch Aktien im Spiel sind, wirke es attraktiver. „Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus, als könnte die Deutsche Börse da noch einmal kontern“, meint der Analyst.

Roland Pfänder von der Commerzbank ergänzt: „Die Deutsche Börse steht jetzt natürlich unter Druck, nachzubessern. Aber ich halte es durchaus nicht für ausgemacht, dass sie auch wirklich nachlegen.“

Sollten die US-Konkurrenten mit ihrem Vorstoß Erfolg haben, wäre dies ein schwerer Nackenschlag für die Frankfurter Börsengesellschaft, die auf eine Reihe von gescheiterten Übernahmeversuchen in den vergangenen Jahren zurückblickt. Entsprechend stürzte die Aktie der Deutschen Börse nach Bekanntwerden der Gegenofferte ab: Sie drehte ins Minus und verlor 2,3 Prozent. Die Aktien von Nyse Euronext weiteten ihr Plus in Paris hingegen kräftig aus und legten um bis zu 15 Prozent zu. In den vergangenen Handelstagen war der Kurs deutlich zurückgefallen, weil Investoren glaubten, dass Nasdaq und ICE kein Gegenangebot stemmen könnten.

Die Deutsche Börse teilte in einer offiziellen Stellungnahme mit, der Vorstand habe die Ankündigung von Nasdaq und ICE zur Kenntnis genommen. Man sei aber „weiterhin der festen Überzeugung, dass der angekündigte Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse Euronext die bestmögliche Kombination für die jeweiligen Aktionäre und Stakeholder der beiden Unternehmen darstellt“. In Finanzkreisen hieß es, der Handelsbetreiber sei auf eine Gegenofferte vorbereitet.

Das Gebot kommt auch alles andere als überraschend. Bereits Mitte März gab es Medienberichte, dass die Nasdaq die Fusionspläne der Deutschen Börse und der Nyse Euronext durchkreuzen wolle. Damals hieß es, die Technologiebörse wolle die Transaktion unter anderem mit der Aufnahme von Schulden in Höhe von fünf Milliarden Dollar stemmen.

In der gesamten Börsenbranche werden die Karten derzeit neu gemischt. Der harte Wettbewerb zwischen traditionellen Börsen und alternativen Handelsplattformen wie Chi-X zwingt die Branche zur Konsolidierung. Investoren können Aktien weltweit handeln und gehen vor allem dahin, wo die Liquidität hoch ist. Insofern ist Größe ein wichtiges Kriterium.

Neben der Übernahmeschlacht um die Nyse laufen zurzeit weitere Fusionsbemühungen. So will die Londoner Börse LSE den Rivalen im kanadischen Toronto übernehmen, die australische Börse will mit dem Wettbewerber in Singapur zusammengehen.

Auch unter den neuen Spielern im Markt herrscht bereits Konsolidierungsdruck: Die alternative Handelsplattform Bats Global Markets kaufte im Februar den Konkurrenten Chi-X. Beide Börsen wollen ihren Terminhandel im kommenden Jahr zusammenlegen. Bats wie auch Chi-X sind nicht börsennotiert.

Einen nationalen Weg versucht die Tokioter Börse zu beschreiten. Die TSE fasst eine Fusion mit ihrer kleineren einheimischen Rivalin Osaka Securities Exchange (OSE) ins Auge.

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