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Geldinstitut Warum die Deutsche Bank wieder zur Zockerbude wird

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DB Aktien-Info

Branchenkenner bestätigen, dass die Bank es mit der Verbesserung der Beratung ernst meint. Und da ihre Kunden wohlhabender sind als die vieler anderer Institute, hätte die Strategie Erfolgschancen. Dennoch zweifeln Experten daran, dass sich Neskes Pläne rechnen. Die Skepsis gegenüber Bankberatern ist gerade bei finanzinteressierten Kunden groß, diese achten auch stark auf den Preis.

Neske hat auch kaum eine Alternative. Aus dem reinen Produktverkauf hat die Bank in den vergangenen Jahren schon fast das Maximum herausgeholt. Bleiben die Kosten: Bei der Abwicklung von Transaktionen soll gespart werden. Dazu investiert Neske viele hundert Millionen Euro in ein neues Softwaresystem. Die EDV in den Filialen sei überaltert, sagt ein Unternehmensberater.

Abgesehen davon darf Neske nicht viel ausgeben. Ein von ihm mehrmals, zuletzt noch im Frühjahr 2009, als „Bedingung für weiteres Wachstum“ angekündigter Ausbau des deutschen Filialnetzes wurde klammheimlich und wohl auch endgültig eingestampft. Stattdessen soll moderne Technik den Beratungsbedarf vor allem der jüngeren Kunden stillen. So plant die Deutsche Bank etwa Videokonferenzen, die den persönlichen Besuch in der Filiale ersetzen. Für solche Themen hat Neske als gelernter Informatiker ein Faible.

Die Postbank muss immense Risiken abauen

Wann wird die Postbank ganz übernommen? Das ist seit Monaten die heikelste Frage in der Deutschen Bank. Jede Äußerung, die nach außen dringt, treibt den Kurs der Postbank-Aktie in die Höhe und macht die komplette Übernahme teurer. Der Deutschen Bank gehören bereits knapp 30 Prozent. Der Kurs der Postbank-Aktie liegt derzeit bei rund 23 Euro und ist damit nur etwa halb so hoch wie der, zu dem die Deutsche Bank Anfang 2012 Anteile des bisherigen Großaktionärs Deutsche Post übernehmen muss. Mehrere Insider bestätigen zwar, dass eine Übernahme schon in diesem Herbst intern diskutiert worden ist. Nun aber sieht es so aus, als werde die Deutsche Bank frühestens 2011 zuschlagen. „Die Meinung zu dem Thema wechselt ständig“, heißt es in gut informierten Kreisen.

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    Intern hat Ackermann schon vor Monaten angekündigt, die Postbank müsse erst mal „ihre Hausaufgaben“ machen. Soll heißen: Sie muss die immensen Risiken abbauen, die sie sich vor allem in den Jahren vor der Krise aufgeladen hat. Denn anders als es die Außendarstellung weismachen will, ist das Bonner Institut nicht bloß eine biedere Aufbewahrungsanstalt bescheidener Sparguthaben.

    Da die Bank über Jahre mehr Einlagen angehäuft hat, als sie Kredite vergeben konnte, investierte sie den Überschuss in Wertpapiere, darunter auch riskante komplexe Anleihen, die auf US-Hypotheken oder Kreditkartenforderungen basieren. Von diesen hatte sie Ende März noch 5,7 Milliarden Euro in der Bilanz. Insgesamt hatte sie da rund 70 Milliarden Euro in sogenannte Finanzanlagen gesteckt. Darunter waren allein 1,3 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen— fast dreimal so viel wie die Deutsche Bank im Depot hat.

    Zudem ist die Postbank mit rund 250 Milliarden Euro bei der Finanzierung von Gewerbeimmobilien engagiert, bei denen allen Konjunkturhoffnungen zum Trotz noch hohe Ausfallraten drohen. Die Ratingagentur Moody’s stufte die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank auch wegen der Risiken bei der Postbank im März leicht auf Aa3/C+ herunter.

    Karteileichen mit alten Postsparbüchern

    Der Deal war ganz anders geplant. Die 14 Millionen Privatkunden mit ihren aktuell knapp 94 Milliarden Einlagen sollten die Deutsche Bank stabilisieren und die Geldbeschaffung unabhängiger von den schwankenden Kapitalmärkten machen. „Die Deutsche hat für die Postbank einen viel zu hohen Preis gezahlt“, resümiert ein Frankfurter Investmentbanker. Ein kompletter Fehlschlag ist der Kauf aber noch nicht. Potenzial gibt es bei dem Zusammenschluss vor allem auf der Kostenseite durch die schiere Masse des Geschäfts in Deutschland.

    Große Ertragssteigerungen sind aber schwierig. Von ihren 14 Millionen Kunden hält die Postbank selbst nur etwa 5,5 Millionen für „aktiv“, der Rest sind meist Karteileichen mit alten Postsparbüchern. Insider halten selbst diese Zahl noch für deutlich zu hoch. Dass zudem ausgerechnet die in Geldfragen konservativen bis uninteressierten Postbankkunden künftig in großer Zahl Anlageprodukte der Deutschen Bank kaufen, hält ein Unternehmensberater für sehr zweifelhaft. Erste Kooperationen seien gut angelaufen, heißt es dagegen bei beiden Banken.

    Die Stimmung in dem ehemaligen Staatsunternehmen beschreiben Arbeitnehmervertreter als gedrückt. Es herrsche ein lähmender Schwebezustand, jeder warte auf den Tag der Übernahme. Über die Zukunft unter den neuen Herren werde knapp bis gar nicht informiert. Hinzu kommt der geplante Abbau von 2000 Stellen bis 2012.

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