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Geldinstitut Warum die Deutsche Bank wieder zur Zockerbude wird

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Vorsteuergewinn der Postbank

Das zahlt sich aus. Jain verdiente 2009 allein von April bis Dezember 7,8 Millionen Euro. Sein gesamtes Jahresgehalt dürfte damit das seines Chefs Ackermann übertroffen haben. Fünf Milliarden Euro Gehalt überwies die Deutsche Bank 2009 insgesamt an die Mitarbeiter der Investmentbank.

Das Geschäft brummt weiter. 2,7 Milliarden Euro Vorsteuergewinn im ersten Quartal 2010 waren das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten. Ganz so gut dürfte es nicht weitergehen. Der Handel und die Ausgabe von Anleihen etwa ließen in den vergangenen Monaten nach. Das Geschäft mit Übernahmen läuft aktuell noch schlechter als 2009. Andere Bereiche dürften aber nach Einschätzung von Analysten dafür sorgen, dass die Deutsche Bank weiter ordentlich verdient. So haben die heftigen Schwankungen bei Währungen den Bedarf der Unternehmen an Absicherungsprodukten erhöht.

Es ist wie vor der Krise: Die Deutsche Bank wird überall auf der Welt dabei sein, wo es Chancen gibt, wo die Märkte heftig ausschlagen, wo sich vielleicht auch neue Blasen bilden. Weder intern noch durch Regulierungen werden ihr wohl dauerhaft ernsthafte Grenzen gesetzt. Dass das vielfach ein Glücksspiel ist, hat die Finanzkrise überdeutlich gezeigt. Die Deutsche Bank wiegt sich wegen ihres vor und in der Krise einigermaßen bewährten Risikomanagements in Sicherheit. Die Anfälligkeit wird jedoch umso größer, je mächtiger die Investmentbanker werden.

Dickes Einlagenpolster und Spitzenrating

Aus deren Position der Stärke ist die Sicht auf Deutschland noch entspannt. Aus pragmatischen Gründen haben sich die Investmentbanker damit abgefunden, dass sie zu einem Konzern gehören, der auf seine starke Position im Heimatmarkt Wert legt. Der Teil kommt ihnen auch nicht wirklich in die Quere. Zwar sei klar, dass Ackermann für die Postbank einen zu hohen Preis zahle, heißt es in London. Auch die Vermögensverwaltung bringe längst nicht die erwarteten Ergebnisse.

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    Jedoch habe die Finanzkrise klargemacht, wie wichtig eine starke Mutter mit einem dicken Einlagenpolster und einem Spitzenrating sei. „In Zeiten, wo Reformen und eine schärfere Regulierung kommen, ist der Draht zur Politik extrem wichtig“, sagt ein Londoner Insider. Eine Großbank habe nur Glaubwürdigkeit, wenn sie auch in ihrem Heimatmarkt eine Spitzenposition einnehme. Die Kundeneinlagen lassen sich zudem als Grundlage für Spekulationen einsetzen.

    Der Friede scheint jedoch brüchig. In einzelnen Geschäftsbereichen machen sich die beiden Sparten bereits direkte Konkurrenz, so etwa im Fondsgeschäft. Die DWS mit Aktien- und Rentenfonds gehört zum erweiterten Privatkundengeschäft, DB-Funds mit ähnlichem Angebot dagegen zum Einflussbereich Jains. Er und der für die DWS verantwortliche Kevin Parker gelten in der Deutschen Bank als erbitterte Konkurrenten.

    Schwierige Stimmungslage in Deutschland

    Die Harmonie steht und fällt letztlich mit der Nachfolge Ackermanns. Der Schweizer ist in der Bank nahezu unumstritten, sein Vertrag läuft bis 2013. Viele in London und Frankfurt halten es aber für möglich, dass er Anfang 2012 aufhört – zumindest, wenn er sein Zehn-Milliarden-Gewinnziel 2011 tatsächlich erreicht.

    Fachlich trauen alle, die ihn kennen, Jain die Nachfolge zu. Er sei auch charismatisch genug, um ein großes Geldhaus zu führen. Bedenken gibt es wegen der schwierigen Stimmungslage in Deutschland. Schon Ackermann tat sich mit der politischen Dimension seines Jobs schwer, Jain dürfte es kaum leichter fallen. Denkbar wäre deshalb auch noch eine Doppelspitze mit Jain als starkem Mann und einem in Deutschland verwurzelten Manager wie dem Finanzvorstand Stefan Krause. Der würde dann die Bank aus dem Heimatmarkt repräsentieren, während Jain im Hintergrund die Fäden zieht.

    Will Jain jedoch tatsächlich an die Spitze, verliert das Wettrennen aber gegen einen deutschen Traditionalisten, dürfte er die Bank enttäuscht verlassen. Den internationalen Investmentbankern käme damit ihre Identifikationsfigur abhanden, die Folge wären Grabenkämpfe mit den Filialleuten in Deutschland. „Dann“, prophezeit ein Londoner Kenner des Instituts, „wäre hier die Hölle los.“

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