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General Motors Verwaltungsrat feuert GM-Chef Henderson

Köpferollen bei der Opel-Mutter GM: Nach nur acht Monaten im Amt hat GM seinen Chef Fritz Henderson gefeuert. Nun übernimmt GM-Verwaltungsratspräsident Ed Whitacre vorläufig die Geschäfte. Hendersons Abgang kam nicht ganz unerwartet.

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GM-Chef Fritz Henderson: Vom Quelle: AP

Das Direktorium habe den 51-jährigen Henderson bei einem Treffen in Detroit um dessen Rücktritt gebeten, wie es in mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen in der Nacht zu heute hieß. GM-Verwaltungsratspräsident Ed Whitacre wird als Übergangs-CEO die Geschäfte übernehmen, teilte GM mit. Die Suche nach einem Nachfolger beginne sofort.

Henderson hatte die Absage des Opel-Verkaufs an den kanadischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank mitgetragen, der Manager hatte sich aber bis zuletzt für die auch von der Bundesregierung favorisierte Lösung ausgesprochen. „Der Verwaltungsrat hat entschieden - und Fritz stimmte dem zu - dass es angesichts der aktuellen Lage Zeit für einige Veränderungen war“, sagte GM-Sprecher Chris Preuss auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Nur acht Monate im Amt

Henderson hatte den Posten erst im März übernommen und folgte Rick Wagoner nach, der im Rahmen der Rettung von GM durch den Staat seinen Hut nehmen musste. Whitacre, ein ehemaliger AT&T-Manager ist seit Juli Chairman bei GM. Die US-Regierung hat 50 Milliarden Dollar in den Autobauer investiert, um einen Kollaps zu verhindern, und hält derzeit 60 Prozent am Aktienkapital. „Die Entscheidung ist vom Direktorium allein getroffen worden. Die Regierung war in die Entscheidung nicht eingebunden“, betonte eine Sprecherin von US-Präsident Barack Obama.

Whitacre zeigte sich am Firmensitz in Detroit nur kurz der Presse. Alle Beteiligten seien sich einig gewesen, dass Veränderungen angegangen werden müssten, sagte er. Fragen nach den Gründen für den Abgang Hendersons beantwortete er nicht.

"Big Ed" machte Henderson das Leben schwer

Hendersons Job galt von Anfang an als Schleudersitz. Der Manager mit dem Spitznamen "Fritz, the Blitz" war zu sehr Teil des „alten“ GM-Konzerns. Zwar hatte Henderson GM mit staatlichen Milliardenhilfen im Eiltempo durch das Insolvenzverfahren gesteuert. Danach aber hagelte es einen Rückschlag nach dem anderen. Sein monatelanges Projekt des Opel-Verkaufs platzte, bei der schwedischen Tochter Saab scheiterten bisher alle Rettungsversuche.Zwar zeigten Verkaufszahlen und Finanzen des US-Traditionskonzerns zuletzt Erholungstendenzen - von echten Erfolgen wollte aber noch kaum einer sprechen. 

Besonders der von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Chefkontrolleur Whitacre fuhr auf Konfrontationskurs zu Henderson. Der hühnenhafte „Big Ed“ aus Texas machte dem untersetzten Schnauzbartträger „Fritz“ das Leben schwer und kassierte öffentlich dessen Entscheidungen ein. „Henderson wird von Whitacre blamiert“, urteilte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz schon vor Wochen.

Mit Henderson muss nun jemand die Türme der Zentrale in Detroit verlassen, der wie kaum ein anderer ein Kind des Konzerns ist: Henderson hat Benzin im Blut. Er kam 1958 als Sohn eines GM-Verkaufsmanagers in der US-Autostadt im Bundesstaat Michigan zur Welt und begann seine berufliche Laufbahn ebenfalls bei GM.

Inzucht bei GM

Henderson tourte für den US-Riesen um die halbe Welt. Schnell wurde er einer der Top-Krisenmanager des einst weltgrößten Autobauers.

Als Chef der Europa-Sparte rund um Opel griff der Sanierer vor Jahren hart durch, strich rund 10 000 Stellen und brachte das Geschäft in die schwarzen Zahlen. Der Erfolg eröffnete ihm den Weg in die Konzernspitze als Vize-Chef. Und als die US-Regierung im März einen Ersatz für den in Ungnade gefallenen langjährigen Konzernlenker Rick Wagoner suchte, war er plötzlich Nummer eins. Doch damals schon sprachen Kritiker von zu viel „Inzucht“ bei GM. Schließlich hatte Finanzchef Henderson die Milliardenverluste mitzuverantworten. „Niemand will von Krise zu Krise torkeln“, hatte Henderson selbst erklärt.

Die Suche nach einem Nachfolger dürfte laut US-Medien schwer werden. Niemand wolle den Posten haben. Selbst ein GM-Sprecher hält „mehrere Monate“ der Suche für möglich. Vorerst muss Verwaltungsratschef Whitacre deshalb selbst ran: Er will nun „täglich“ in der GM-Zentrale bei der Rettung des Giganten auf Schleuderkurs mithelfen.

Beobachter gehen davon aus, dass Whitacre einen branchenfremden Manger auf den Chefsessel holen wird, wie dies bereits bei den US-Rivalen Ford Motor und Chrysler geschehen ist. Unter der Führung Hendersons kam GM zuletzt nicht aus den Schlagzeilen. Der Verkauf der GM-Marke Saturn platzte ebenso wie der der schwedischen Tochter Saab.

Gnadenfrist für Saab

Für die Schweden gibt es allerdings noch einen Hoffnungsschimmer: Saab kann möglicherweise bis Jahresende doch noch verkauft werden. Der GM-Aufsichtsrat teilte gestern mit mit, dass es neue Übernahmeangebote gebe. Diese sollen bis Ende des Monats geprüft werden. Kommt es nicht zu einer Einigung, will GM die seit zwei Jahrzehnten fast immer mit Verlusten operierende Traditionsmarke endgültig einstellen.

Im November hat sich der schwedische Sportwagenhersteller Koenigsegg überraschend aus fast abgeschlossenen Übernahmeverhandlungen mit GM zurückgezogen. Saab beschäftigt noch etwa 3400 Mitarbeiter.

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