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Gepa Wie Europas größtes Fairtrade-Handelsunternehmen tickt

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Fairer, erlösbringer Kaffee

Gepa-Chef Speck

Gemessen am weltweiten Konsum, ist die Verbreitung von fairen Produkten noch gering. Gerade mal 0,01 Prozent der Nahrungsmittelumsätze weltweit sind fair produziert und gehandelt. Doch zwischen 1998 und 2007 wuchsen die Ausgaben für fair gehandelte Waren pro Jahr um mehr als 40 Prozent. Die Kaffeekette Starbucks ist inzwischen der weltweit größte Abnehmer von Fairtrade-Kaffee. Gepa-Chef Speck sieht denn auch „reichlich Luft nach oben“, insbesondere in Deutschland. Während in Großbritannien schon jedes fünfte Pfund Kaffee ein Fairtrade-Siegel trägt, sind es in Deutschland nicht einmal zwei Prozent. Und während die Deutschen pro Kopf rund drei Euro für Produkte mit Fairtrade-Siegel ausgeben, sind es in Großbritannien umgerechnet 15 Euro, in Finnland 16 und in der Schweiz sogar 20 Euro.

Unter den mehr als 1600 verschiedenen Produkten ist Kaffee nach wie vor die tragende Erlössäule der Gepa. Allein 43 Prozent des Inlandsumsatzes entfallen auf das Urprodukt der Fair-Bewegung. Wer jedoch in den Siebzigerjahren aus Solidarität mit den Revolutionären Kaffee aus Nicaragua kaufte, musste eine bittere Plörre schlabbern. Heute räumen fair gehandelte Kaffees oft Preise ab, weil die Qualität gut ist und der Kaffee nicht mehr nach dem Leid der Welt schmeckt. Verantwortlich dafür ist unter anderem Hans Jürgen Wozniak. Der 54-jährige Tropenagraringenieur mit Walross-Schnauzbart leitet das Produktmanagement Kaffee bei Gepa und gehört zu denjenigen, die den fairen Handel professionalisiert haben.

Fast sein halbes Leben lang beschäftigt sich Wozniak schon mit Kaffee. Nach seinem Studium arbeitete er drei Jahre für den Deutschen Entwicklungsdienst in Bolivien. 1993 kam er zur Gepa. Wozniak spricht fließend Spanisch, kommt gerade von einer Informationsreise aus Nicaragua zurück und bricht in Kürze zu den Partnerbetrieben in Mexiko und Guatemala auf. Die Kaffeebauern dort erhalten auf dem konventionellen Markt oft weniger als die jeweilige Börsennotierung für Rohkaffee. Denn sie verkaufen meist an Zwischenhändler zu miserablen Preisen – aufgrund mangelnder Alternativen und Unkenntnis der Marktpreise. „Die Händler kommen zu den Bauern, wedeln mit den Dollar und schon wird verkauft“, beschreibt Wozniak. Anders beim Fairtrade-Handel. Dort werden Mindestpreise festgesetzt, die über Weltmarktniveau liegen und sowohl die Produktions- als auch die alltäglichen Lebenshaltungskosten decken.

Projekt Fairtrade

Steigt der Weltmarktpreis über den Fairtrade-Preis, so zahlen die fairtradezertifizierten Exporteure den höheren Preis. Hinzu kommt in jedem Fall eine Fairtrade-Prämie. Die liegt bei zehn Dollar pro Quintal Rohkaffee (circa 45 Kilogramm). Für Biokaffee gibt es sogar 20 Dollar. Die Prämie ist für soziale Entwicklungsprojekte zweckgebunden. Dadurch können Kleinbauern ihre Lebenssituation dauerhaft und eigenverantwortlich verbessern. Zusätzlich habe die Gepa in den 17 Jahren seiner Tätigkeit rund 45 Millionen Dollar für Trinkwasserversorgung, Bewässerung von Plantagen, Schulen, Maschinen oder Fahrzeugen vorfinanziert, erzählt Wozniak. Dafür muss die Gepa ihrerseits Kredite aufnehmen. Die Rückzahlung wird dann mit den Warenlieferungen verrechnet.

„Rund 80 000 Dollar haben wir in den Sand gesetzt“, räumt der Kaffee-Liebhaber ein. Das sei ärgerlich, aber verkraftbar. „Das System der Gepa funktioniert, auch wenn sich mal ein Exportleiter einer Kaffeeplantage in Kamerun mit 50 000 Dollar aus dem Staub macht“, sagt Wozniak. Hauptlieferant für Gepa-Kaffee ist Mexiko. Dort arbeiten die Wuppertaler mit einem Dutzend Partner zusammen. Auch seine Frau hat Wozniak mit dem Kaffee-Virus infiziert. 2011 will sie in der Innenstadt des Ruhrgebietsstädtchens Gevelsberg ein klassisches Kaffeehaus nach Wiener Vorbild eröffnen. Und wird dort sicher auch Gepa-Kaffee ausschenken wie etwa den Café Aha.

2009 hatte die Stiftung Warentest 31 Röstkaffees getestet sowie das Engagement der beteiligten 19 Unternehmen für Soziales und Umwelt bewertet. Der GepaCafé Aha gehörte zu den vier Kaffees, die sowohl mit starkem Sozial- und Umwelt-Engagement als auch mit „gutem“ Geschmack als „rundherum gut“ überzeugen konnte. Aha, es geht also beides.

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