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Gerhard Cromme Der wahre Siemens-ThyssenKrupp-Chef

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Der Aufsichtsratsvorsitzende Quelle: dpa

3. Hiesinger ist im Gegensatz zum gelernten Hütteningenieur Ekkehard Schulz kein Stahlmann. Sein Herz hängt ebenso wenig an der Welt der Hochöfen wie das Crommes, der das hundertjährige Krupp-Stahlwerk Rheinhausen dichtmachte, Hoesch und Thyssen feindlich übernahm und damit Krupp vor der Pleite retttete. Später wollte er den Stahl über die Börse an Anleger verkaufen und sich nur noch auf das Technologiegeschäft konzentrieren. Dieses ist es auch, das dem Revierkonzern im Augenblick noch Gewinne beschert. Stahl rutscht mit der Rohstoffklemme weiter in die Krise.

4. Alle drei Kronprinzen haben die Chef-Reife. Es ist zu erwarten, dass sie in den kommenden Jahren ausscheiden und woanders als Vorstandschefs aufrücken. Sie stellen theoretisch sogar eine Gefahr für Siemens-Chef Peter Löscher dar. Edwin Eichler zum Beispiel ist Informatiker, kennt das Medien- und Distribuitionsgeschäft von Bertelsmann und steckt zur Zeit bis zu den Ohren in der Stahlsanierung. Auch diese Entscheidung traf Gerhard Cromme. Schulz hätte auf diesem Posten lieber einen Hüttenexperten gesehen - so wie er selbst.Olaf Berlien ist an der Spitze des ThyssenKrupp-Technologie-Geschäfts (drittgrößtes Aufzugsgeschäft der Welt). Es könnte ihm bald langweilig werden in Essen, denn die Werften, ebenfalls unter seinen Fittichen, sind nun an die Araber verkauft beziehungsweise stellen Windräder im Dienste anderer Unternehmen her.

Crommes Ziehkind

Hiesinger ist als Siemens-Industrievorstand geradezu der ideale Vorstandschef für ThyssenKrupp. Erst im Januar 2008 wurde er Chef des gesamten Industriesektors von Siemens. Das war im wesentlichen eine Entscheidung von Cromme als Chefkontrolleur bei Siemens. Diese letzte Phase sieht nun im Nachhinein wie ein Probelauf für Hiesinger aus - zum Warmlaufen für Crommes zweiten Topjob bei ThyssenKrupp - den er nun bekommt. Er ist Crommes Ziehkind, er kennt das Geschäft der Energieübertragung, Hochspannung und Schaltanlagen, ein Schlüsselfeld der Industrie und der Infrastruktur. Damit hätte er eigentlich auch Chef eines Energiekonzerns werden können. Doch hier bevorzugt man interne Gewächse, die den Laden kennen.

Cromme dagegen setzte immer, wie vordem Krupp-Verweser Berthold Beitz, auf das Außengeblüt. Dieses steht für neue Ideen und mangelnde Gefahr sich im Gestrüpp von Ruhrgebietsklüngeln zu verheddern. Als Technologiemann ähnelt Hiesinger mehr der Thyssen-Seite des Konzerns, die immer großen Wert auf Technikentwicklung gelegt hat. Kruppianer dagegen können sich eine Welt ohne Hochofen kaum vorstellen - Ausnahme Cromme eben, dem die brodelnde Metallschmelze keineswegs heilig ist.

Erfahrener Hiesinger

Der neue ThyssenKrupp-Chef hat internationale Erfahrung: Er leitete einmal eine Geschäftseinheit in Jakarta, für wenige Monate. Auch im schweizerischen Zug hat er mal für kurze Zeit für Siemens das Geschäft Energieübertragung geführt. Sonst hat der gebürtige Baden-Württemberger sein Leben als Student und Siemens-Topmann in München verbracht. TU München in der Gabelsberger Straße war sein Feld, danach der Wittelbacher Platz, nur einen Kilometer davon entfernt. Nun muss er bald nach Essen umziehen, dem Hauptsitz von ThyssenKrupp im kommenden Jahr.

Vom Siemensianer zum Kruppianer? Von München nach Essen? Ob das eine echte Bereicherung seines Berufsleben ist, darüber wird er noch nachdenken.

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