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Gerhard Rupprecht im Interview "Allianz-Neuordnung war ein gewaltiger Schritt nach vorn"

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Ein Umbauziel hieß auch Wachstum. Konzernchef Michael Diekmann hat intern bereits Anfang 2007 mehr davon im deutschen Kerngeschäft angemahnt. Seitdem sind Sie unter die Marke von 26 Milliarden Euro bei den Beitragseinnahmen gerutscht. Wie lange kann sich der Marktführer einen Schwund leisten?

Die Allianz Deutschland AG hat seither insgesamt Marktanteile hinzugewonnen.

Also hatte Herr Diekmann unrecht?

Keineswegs. Herr Diekmann hat gesagt, dass es auf Wachstum ankommt. Als Marktführer können wir es uns nicht erlauben, im Wettbewerb zurückzufallen. Der deutsche Versicherungsmarkt dürfte in nächster Zeit jedoch wegen der schwierigen Wirtschaftslage eher stagnieren. In dieser Situation haben wir eine Riesenchance: nämlich bei unseren 20 Millionen Kunden zu wachsen. Von ihnen hat nicht mal jeder Fünfte sowohl eine Sach- als auch eine Lebensversicherung bei der Allianz. Bisher ist dieses sogenannte Cross-Selling nie wirklich gelungen. Das war es, was Herr Diekmann angemahnt hat, und dieses Potenzial wollen wir nutzen.

Die Allianz-Vertreter hatten sich beschwert, dass konkurrierende Vertriebskanäle wie Makler oder Finanzdienstleister bessere Allianz-Tarife bieten können als der unternehmenseigene Vertrieb. Der Mitarbeiterzeitung „ABV Express“ zufolge haben die Vertreter jetzt Waffengleichheit erkämpft und können die gleichen Verträge verkaufen. War diese Ungleichbehandlung ein Fehler, der Wachstum gekostet hat?

Eine systematische Ungleichbehandlung hat es nie gegeben. Bei der Allianz herrscht zwar ein Wettbewerb zwischen den verschiedenen Vertriebswegen, aber wir achten strikt auf gleiche Spielregeln. Und wo diese verletzt sind, werden sie wieder hergestellt. Die Allianz-Vertreter sind und bleiben unser wichtigster Vertriebsweg.

Sie wollten die Umbau-Gewinne ursprünglich auch zur Preissenkung einsetzen. Nun haben Sie auch 2008 nicht schlecht verdient, sind aber immer noch teuer...

...nicht schlecht verdient? Wir haben mit 2,3 Milliarden Euro ein Rekordergebnis der deutschen Allianz eingefahren, und das mitten in der Umstrukturierung! Die Spielräume, die wir dabei erwirtschaften, lassen sich dann zur Preisgestaltung nutzen. Rabatte gibt es jedoch nur, wenn die gesamte Kundenverbindung profitabel ist. Ein guter, langjähriger Versicherter kann so einen höheren Nachlass erhalten, aber nicht der Tarifhopper, der jedes Jahr den Anbieter wechselt.

Mit dieser Preispolitik dürfte die Spitzenstellung in der Autoversicherung schwer zu halten sein. Geben Sie die so leichtherzig auf?

Ob die Allianz in einer einzelnen Sparte an der Spitze steht, interessiert mich nicht, wenn ich dabei Geld verliere. Wir bräuchten nur ein paar Fahrzeugflotten im Firmengeschäft mehr zu versichern, dann liegen wir unangreifbar vorn. Stattdessen schauen wir uns an, in welchen Kundensegmenten langfristig schwarze Zahlen erzielbar sind. In diesen können wir sehr wohl wettbewerbsfähige Preise bieten.

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