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Gerichtsprozess Ist Nestlé der Gewinner im bizarren L'Oréal-Prozess?

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Ausländer im Olymp

Jean-Paul Agon Quelle: AP

Anders als viele französische Konzerne entwickelte sich L’Oréal zu einem Unternehmen, in dem Ausländer etwas zu sagen haben. Von den 14 asiatischen Länderchefs sind nur sechs Franzosen. Bestes Beispiel für die Internationalität des Managements ist Asien-Chef Zaumseil: Nach 27 Jahren und Stationen in Österreich, Kanada, Deutschland, Venezuela, Mexiko, Japan und Frankreich sitzt der gebürtige Düsseldorfer im Konzernolymp. „Es werden hohe Maßstäbe angelegt, aber man hat auch sehr große Freiräume“, sagt Zaumseil. Die „aktive Auseinandersetzung“ sei „Teil der Unternehmenskultur“, bei L’Oréal herrsche „eine Art permanente Kulturrevolution“.

Das war nicht immer so. Lange galt L’Oréal als verschlossen. Nur wenig drang aus dem Unternehmen, dessen Börsenwert so regelmäßig stieg wie die Gewinne. Zeitweise setzte das Management zu sehr auf Luxus und vernachlässigte das untere und mittlere Preissegment, das heute mehr als die Hälfte zum Umsatz von 17 Milliarden Euro beiträgt und 2009 einziger Wachstumsträger war. „Die Wirtschafts- und Finanzkrise war für L’Oréal ein Elektroschock“, sagt Morlet-Selmer. Seitdem habe L’Oréal verstärkt auf Wachstum in Schwellenländern gesetzt und den Schwerpunkt auf Einstiegsprodukte verlagert. Durch die Übernahme der Pflegemittelkette Body Shop, die weitgehend selbstständig geführt wird, kam frischer Wind herein.

Weitere Akquisitionen im Sucher

Und der Kosmetikriese hat weitere Akquisitionen im Sucher. Das Unternehmen hat nur zwei Milliarden Euro Nettoschulden, eine gut gefüllte Kasse und eine neunprozentige Beteiligung am Pharmakonzern Sanofi-Aventis, die sechs Milliarden Euro wert ist. „Es gibt keinen wichtigen Grund, diese Beteiligung zu behalten. Sie ist für die Gruppe eine Kriegskasse, falls man Akquisitionen tätigen will“, sagt Portfolio-Managerin Morlet-Selmer.

Experten sehen für L’Oréal vor allem die Chance, ausgangs der Krise kräftig zu wachsen. Die Umsatz- und Ertragsdellen der Jahre 2008 und 2009 sind ausgebeult, im ersten Quartal stiegen die Erlöse weltweit um acht Prozent, wobei Asien und Lateinamerika um 20 Prozent wachsen. Eine Milliarde neue Kunden will Konzernchef Agon in den kommenden zehn Jahren gewinnen – 650 Millionen davon in Asien, etwa die Hälfte davon in China. Damit hofft er, den Rückstand gegenüber Procter & Gamble oder Unilever in den Schwellenländern aufzuholen und zugleich die Marge zu steigern.

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    Gute Beziehungen zum Élysée

    Wie viele Unternehmen setzt auch L’Oréal große Hoffnung auf China. Das Potenzial ist da. Während ein Inder pro Jahr durchschnittlich einen Euro für Kosmetikprodukte ausgibt, blättert ein Chinese vier Euro und ein Japaner 115 Euro hin – fast so viel wie die Franzosen mit 130 Euro. Um 17,6 Prozent auf 861,6 Millionen Euro ist der Umsatz von L’Oréal 2009 im Reich der Mitte gestiegen. In diesem Jahr peilt Asien-Chef Zaumseil mehr als eine Milliarde Euro an. Damit wäre China der drittwichtigste Markt des Unternehmens – nach den USA und Frankreich, aber vor Deutschland.

    Für Schlagzeilen dürfte jedoch vor allem der Prozess sorgen. Olivier Metzner, der Rechtsanwalt von Françoise Meyers-Bettencourt will durch Ton-Mitschnitte beweisen, dass die greise Konzernerbin nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist und von skrupellosen Beratern und „Freunden“ ausgenutzt wird.

    Dabei könnte auch Unangenehmes für Sarkozy abfallen. Denn in den Aufzeichnungen prahlt de Maistre, der Vermögensberater der alten Dame, mit guten Beziehungen zum Élysée-Palast – und dass seine Mandantin trotz Steuerhinterziehung nichts zu befürchten habe. 

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