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Geschäftsreisen Billigflieger und Budget-Hotels für Manager

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Bebremstes Wachstum: Reisevolumen und Reisekosten deutscher Unternehmen

Innerdeutsch fuhren mehr Manager ICE statt Airbus: „Die Deutsche Bahn gehört mit einem Plus von fünf Prozent bei den Ticketverkäufen zu den wenigen Krisengewinnern“, sagt AirPlus-Geschäftsführer Diemer. Trotzdem hat das Schienenunternehmen ein neues Angebot für ausgewählte Großkunden geschaffen: Die können künftig eine Art Flatrate-Vertrag abschließen – ist das Geschäftsvolumen größer als vereinbart, sind die zusätzlichen Zugfahrten kostenlos.

Die meisten anderen Reiseanbieter leiden unter der Knauserigkeit ihrer Geschäftskunden, zumal die jetzt Oberwasser spüren und den Markt zu Neuverhandlungen nutzen. Gefeilscht wird mit Fluglinien über Preisnachlässe auf bestimmten Strecken und mit den großen internationalen Hotelketten über Rabatte: „Vor allem an Destinationen, wo die Zimmerpreise in den letzten Jahren durch die Decke gegangen waren, ist jetzt das große Heulen und Zähneklappern ausgebrochen“, sagt ein Travel Manager. In Moskau, Paris, New York und Dubai etwa sind die Preise binnen Jahresfrist schon um bis zu ein Viertel zurückgegangen, hat HRG ausgerechnet.

"Der Markt ist richtig in Bewegung"

Auch die auf Geschäftsreisen spezialisierten Reisebüroketten selbst spüren den Druck ihrer Kunden: Vor allem Großunternehmen schreiben ihre Reisebudgets aus, "mehrere Hundert-Millionen-Etats warten derzeit auf neue Dienstleister", schreibt die Fachzeitschrift "vw". "Der Markt ist richtig in Bewegung", sagt Stefan Vorndran, Chef der Geschäftsreisebürokette BCD Travel und Marktführer in Deutschland. Besonders hart verhandelt wird um die sogenannten Serviceentgelte, die die Firmen den Reisebüros für jede Flugbuchung oder Bahnfahrkarte zahlen müssen. "Diese Gebühren lassen sich im Moment um bis zu ein Viertel drücken", berichten Insider.

Bei ihren zusätzlichen Serviceleistungen haben die in den vergangenen Monaten unter Kurzarbeit leidenden Ketten ebenfalls draufgelegt: Die Reisebürokette Derpart ködert Kunden beispielsweise mit Zusatzangeboten wie Mehrwertsteuerrückerstattung. Möglich ist diese Steuererstattung für Deutsche derzeit in rund 20 Ländern – allerdings ist der bürokratische Aufwand durch das Ausfüllen von Formularen groß, weshalb die meisten Unternehmen darauf verzichten. Ebenfalls neu ist eine Kooperation mit dem Parkplatzbetreiber ABC Holiday für günstige Parkplätze am Flughafen.

Vielflieger-Kaste am härtesten betroffen

Kurz mal weg: Wie lange Geschäftsreisen dauern, was sie kosten

Am härtesten trifft der Sparkurs die häufig verwöhnte Vielflieger-Kaste selbst: "Früher bin ich Business nach Berlin geflogen, heute sitze ich vier Stunden in der Bahn – und das in der zweiten Klasse, wo nebenan Kinder schreien oder Kegelclubs Partys feiern", schimpft ein genervter Geschäftsreisender aus dem Ruhrgebiet. Waren im Boom der vergangenen Jahre etablierte Fluglinien wie Lufthansa und Air France die Regel – wenn möglich in der Businessclass –, so ist heute schon das Economyclass-Ticket einer etablierten Airline ein Privileg. Inzwischen bucht fast jedes dritte deutsche Unternehmen seine Reisenden überwiegend auf Billigflieger, ergab eine Analyse von AirPlus.

Und nicht nur auf Kurzstrecken wird weniger komfortabel geflogen. Selbst auf der Langstrecke bis nach Singapur, Tokio oder Sydney ist das Standardabteil für 90 Prozent aller Unternehmen inzwischen die Holzklasse und nicht mehr die Businessclass. Zudem buchen viele Firmen vermehrt arabische Fluglinien wie Emirates oder Qatar Airways. Die sind deutlich billiger als etwa Lufthansa, bescheren ihren Passagieren in Richtung Ostasien aber wegen des Umwegs über den Persischen Golf längere Reisezeiten. "Das Geschäftsreiseaufkommen aus Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen", sagt Udo Fischer, Deutschland-Chef der Fluglinie Etihad aus den Emiraten.

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