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Gesundheitssystem Private Krankenversicherer diskutieren Radikalumbau

Kommt die Einheitsversicherung für alle, steht die private Krankenversicherung vor dem Aus? Große Konzerne wie Allianz, Axa und Ergo wollen das Gesundheitssystem radikal umbauen.

Arztvisite in einem Quelle: dpa-dpaweb

Ein Sprecher des Konzerns Ergo bestätigte in Düsseldorf, dass eine Arbeitsgruppe beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) über die Zukunft des Systems diskutiert. Dabei habe sie auch die Einführung einer Einheitsversicherung zur Diskussion gestellt. Bislang gebe es aber kein endgültiges Ergebnis.

Der Vorschlag von Allianz, Axa und Ergo sieht laut „Financial Times Deutschland“ vor, dass die Krankenversicherer künftig Einheitsprämien berechnen sollen, unabhängig von Alter und Geschlecht.

Dem Vorschlag zufolge würden die Krankenversicherer anders als heute künftig Einheitsprämien berechnen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Dies ähnelt dem alten Unions-Konzept einer Gesundheitsprämie. Die Grundsicherung soll für alle verpflichtend sein, was wiederum dem SPD-Modell einer Bürgerversicherung nahekommt.

Angeboten würde sie von privaten und gesetzlichen Kassen zu denselben Konditionen. Alle Anbieter müssten jeden Versicherten akzeptieren, für Kinder würde der Staat die Beiträge zahlen.

Daneben würde die PKV Zusatzversicherungen für Leistungen anbieten, die der Grundtarif nicht abdeckt. Langfristig würde die Trennung zwischen gesetzlichen und privaten Kassen aufgehoben.

Private Krankenversicherer uneins

Ein GDV-Sprecher unterstrich, es handele sich lediglich um ein Arbeitspapier unter vielen. „Wir sind noch nicht so weit gediehen, dass wir über irgendwelche Ergebnisse berichten könnten.“

Im Gesundheitsministerium stießen die Überlegungen gleichwohl auf offene Ohren. „Wir begrüßen, dass mittlerweile auch private Krankenversicherer erkennen, dass die Trennung in zwei unterschiedliche Versicherungssysteme keine Zukunft mehr hat“, sagte eine Sprecherin von Ministerin Ulla Schmidt. Die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann wertete das Modell als späte Reaktion auf die Gesundheitsreform. Es sei zu begrüßen, wenn die PKV den Zugang für alle Bürger gewährleisten wolle.

„Wenn die private Krankenversicherung zur gesetzlichen Krankenversicherung werden möchte, dann haben wir nichts dagegen“, sagte der Chef des IKK-Bundesverbands, Rolf Stuppardt. Allerdings wurden bei den gesetzlichen Kassen auch Befürchtungen laut, die Privaten beabsichtigten lediglich eine eher kleine Grundabsicherung und wollten sich darüber hinaus große neue Marktfelder sichern. „Eine Entsolidarisierung durch einen geringen Grundschutz und eine Vielzahl von Zusatzversicherungen lehnen wir ab“, betonte Stuppardt.

In der privaten Versicherungsbranche ist das Modell umstritten. Mit Zusatztarifen alleine könne die PKV nicht überleben, kritisierte Debeka-Vorstandschef Uwe Laue in der „Financial Times Deutschland“.

Ein Allianz-Sprecher sagte dagegen, die Versicherungswirtschaft sei gut beraten, sich mit Trends auseinanderzusetzen und Denkanstöße und Modelle zu diskutieren. Die großen börsennotierten Konzerne wie die Allianz stehen unter permanentem Druck, ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig auszurichten. Unternehmen wie Debeka und Signal Iduna sind hingegen sogenannte Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit und müssen sich keinen Aktionärsinteressen unterwerfen.

Der mächtige Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) versuchte dem Eindruck der Zerstrittenheit unter seinen Mitgliedskassen entgegenzuwirken. Gerüchte über Austrittspläne von Unternehmen entbehrten jeder Grundlage, sagte der Vorsitzende Reinhold Schulte. Auch dränge keines der Unternehmen auf einen Radikalumbau des Systems.

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