Gesundheitswirtschaft Anschub für das Ausland

Ausnahmsweise mal eine sinnvolle Finanzspritze: Die Bundesregierung will die Exporte der Gesundheitswirtschaft ankurbeln.

ARCHIV: Ein Arzt zeigt in Quelle: dapd

Normalerweise ist das Thema Gesundheit in der Politik unheimlich lästig. Meistens geht es dabei um gebeutelte Krankenkassen und ihre Finanzsorgen, um höhere Beiträge und teurere Zuzahlungen. Kurz: Um alles, was den Wähler irgendwie schmerzt und der Konjunktur sowieso schadet. Dass es sich aber auch um einen gewaltigen Wachstumsmarkt handelt, dass sich die Gesundheitsbranche längst zu den größten Arbeitgebern in Deutschland gemausert hat, haben beinahe alle Bundesregierungen bislang ignoriert.

Vielleicht musste erst die ungeliebte FDP das noch viel ungeliebtere Gesundheitsressort übernehmen und dort nach einem halbwegs liberalen Politikansatz fern sozialpolitischer Verteilungsfragen zu fahnden, um die Branche auch als riesigen Markt wahrzunehmen. So jedenfalls erklärt sich, dass nicht der Wirtschaftsminister allein seine neue Exportinitiative vorstellte, wie es sonst Usus ist. Nein, FDP-Chef Philipp Rösler holte sich auch Daniel Bahr an seine Seite, seinen Kollegen aus dem Gesundheitsressort.

In Deutschland zählt die Branche um Medikamente und Medizintechnik längst zu den umsatzstärksten Wirtschaftszweigen. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung ist inzwischen auf über zehn Prozent hochgeschossen. Nur im Export, normalerweise eine Art deutsche Königs-Absatzdisziplin, schwächelt sie. Da liegt ihr Anteil bei gerade mal sechs Prozent. Die Bundesregierung will die Ausfuhren ins Ausland daher künftig ankurbeln. Ihr schwebt eine Art "Startrampe" vor. Profitieren sollen Bio- oder Medizintechnikhersteller, Anbieter rund um Krankenhäuser oder, ja, auch kleine Pharmaunternehmen.

Natürlich ließe sich jetzt leicht meutern, dass sich hier wieder eine neue Subvention anschleiche, ein neues Zückerchen für die klassische, wirtschaftsnahe FDP-Klientel. Oder um eine von vielen sinnfreien Regierungs-Initiativen, die ohnehin niemand mehr auseinanderhalten kann. Allerdings zählt das neue Programm ausnahmsweise zu den sinnreichen Förderungen. Erstens ist es zeitlich begrenzt. Die Bundesregierung liefert nur eine Einstiegsfinanzierung, in absehbarer Zeit sollen die Unternehmen selbst die Kosten übernehmen. Zweitens ist das Investitionsvolumen mit 1,2 Millionen Euro reichlich überschaubar. Und drittens geht es darum, mittelständische Unternehmen und Investoren aus dem Ausland über eine neue Internetplattform zu vernetzen,  Markterkundungsreisen in Entwicklungsländer mit Hilfe der Bundesregierung zu organisieren und deutsche Produkte unter einer gemeinsamen Dachmarke sichtbar zu machen. Gefördert werden Unternehmen, die ihren Erfolg im Inland bereits bewiesen haben – und keine marktfernen Exoten. Das Geld der neuen Exportinitiative dürfte daher gut angelegt sein: Geht man von der Faustformel aus, dass ein Arbeitsloser den Staat rund 20.000 Euro pro Jahr kostet, hätte sich die Investition schon gelohnt, wenn mit ihr nur 60 neue Jobs entstehen würden.

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