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Google Plus Der unerwartete Erfolg von Googles sozialer Revolution

Vor knapp zwei Wochen hat Google mit Google Plus sein neues soziales Netzwerk gestartet – und damit einen unerwarteten Erfolg gelandet. Damit könnte Google zum sozialen Rückgrat im Netz werden, die entscheidende Frage ist jedoch noch unbeantwortet.

Google Plus mischt den Markt Quelle: REUTERS

Auf den ersten Blick ist es wenig verständlich: Der größte Suchmaschinenanbieter baut ein soziales Netzwerk auf, ein Hybrid aus Twitter und Facebook. Der ist hübsch gemacht, aber eben nicht mehr. Und so ist der erste Gedanke klar: „Das klappt nie.“ Denn wer braucht noch ein weiteres Netzwerk – neben Twitter und Facebook? Welchen Mehrwert bietet die neue Plattform tatsächlich? Viele haben sich das gefragt. Ich auch.

Was ist passiert? Woher kommt Googles Erfolg, nachdem der Online-Gigant in der Vergangenheit mit zahlreichen neuen Diensten – vom Multi-Kommunikationsdienst Wave bis zur Wikipedia-Konkurrenz Knol – eine bemerkenswerte Kette an Flops hingelegt hat? 

Google Plus ist einfacher in der Handhabung

Einer der Hauptgründe: Googles Stärke resultiert aus der (relativen) Schwäche des Netzwerk-Primus Facebook. Der war zuletzt wenig innovativ. Zwar hat das Netzwerk eine ganze Reihe neuer Funktionen hinzugefügt und eine Kooperation mit Skype verkündet. Doch die Facebook-Seite selbst wirkt zunehmend altbacken - vor allem im Vergleich zur aufgeräumten Oberfläche von Google Plus.  Schwerer wiegt noch, dass Facebook-Accounts immer aufwendiger zu managen sind, je mehr Bekanntschaften die Nutzer haben. Das Problem löst Google Plus damit, dass sich die digitalen Bekannten komfortabel in sogenannte Kreise einsortieren lassen, etwa Freunde, Arbeitskollegen und entfernte Bekannte.

Eine solche Sortierung ermöglicht Facebook zwar auch – aber sie ist nicht im Entferntesten so einfach zu handhaben, wie bei Google Plus. Ähnlich komfortabel ist die Auswahl mit einem Klick, wer welche Nachricht, welchen Pinnwandeintrag zu sehen bekommt. Mal Familienmitglieder, mal einzelne Empfänger und alle Interessierten im Netzwerk sehen. Solche Dienste haben durchaus das Potenzial, in Teilen die Email abzulösen – gerade wenn es um die Kommunikation mit größeren Gruppen geht. Jeder kann dann den Diskussionsstand in dem Nachrichtenstrom verfolgen und einzelne Antworten auf die erste Nachricht gezielt beantworten.  

Nicht zu unterschätzen ist zudem das miese Image von Facebook in Sachen Datenschutz, gerade in Deutschland. Zwar sammelt auch Google Daten haufenweise über seine Nutzer, um anhand detaillierter Nutzerprofile passende Werbung zu schalten. Aber nach den Eskapaden Facebooks und vor allem wegen der höchst unübersichtlichen Datenschutz-Einstellungen wirkt selbst Google plötzlich wie ein Musterknabe. Im Gegensatz zu Facebook verspricht Google den Nutzern seines sozialen Netzwerks zudem, dass sie frei über ihre Daten verfügen können, wenn sie das Netzwerk einmal verlassen wollen. Während Facebook ein weitgehend geschlossenes System ist, versucht sich Google damit als offene Plattform zu positionieren. Zumindest bei der ersten Welle der Google-Plus-Nutzer scheint das bisher anzukommen.

Auch der einstige Trendsetter Twitter hat im schnelllebigen Web-Geschäft zuletzt wenig Neues gebracht. Wer sehen will, wie oft bestimmte Kurznachrichten weitergeleitet wurden oder was andere Nutzer auf die Nachrichten geantwortet haben, muss sich spezielle Zusatzprogramm auf seinen Rechner laden, oder Web-Suchmaschinen nutzen. Googles neues Netzwerk bietet das auf einen Blick. Die Folge: Diskussionen lassen sich einfacher führen und nachverfolgen. “Google Plus hat Twitter langweilig gemacht”, schreibt daher auch Tech-Blogger Robert Scoble.

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Google Plus macht sich dabei eine Funktion zunutze, die schon Twitter groß gemacht: Jeder kann zunächst einmal jedem folgen. Bei Facebook müssen beide Nutzer einer Verbindung zunächst zustimmen. Um seine Daten muss sich dennoch niemand sorgen, weil man ja bei jeder Mitteilung entscheiden kann, welche Personengruppe die Nachricht zu sehen bekommt: nur Familienmitglieder, Freunde oder das gesamte Netz.

Auch multimedial lässt der Newcomer die etablierten Dienste ältlich aussehen: Facebook ermöglicht es zwar  ebenfalls Bilder einfach mit Freunden zu teilen oder Videos mit einem Klick in neue Beiträge einzubinden. Doch bei Google Plus ist das technisch besser und gefälliger gelöst: Das neue Netzwerk stellt Bilder von Freunden wie in einem eigens zusammengewürfelten Magazin auf einer Seite dar.  Twitter wiederum bietet die multimediale Einbindung gar nicht. Wer Fotos teilen will, muss dafür andere Plattformen nutzen, wie etwa Twitpic.

Intelligente Verknüpfung üblicher Kommunikationskanäle

Mit der intelligenten Verknüpfung aller üblichen Kommunikationskanäle – Mail, Instant Messaging, Videokonferenzen –, der Möglichkeit Inhalte mit ausgewählten Nutzern zu teilen und die Inhalte anderer auf smarte Weise zu kommentieren, sowie Dank der längst bestehenden Funktion, seine Google-Login-Daten auch für die Anmeldung bei fremden Webdiensten zu nutzen, hat Google Plus durchaus das Potenzial, zu einer Art Rückrat des sozialen Internets zu werden.

Google Plus könnte so für viele zum Einstieg ins soziale Netzwerken werden, die weder twittern wollen, noch die Muße haben, sich ein Blog anzulegen. Menschen, die sich aber trotzdem im Internet mitteilen wollen. Und selbst Promis der Web-Szene wie Kevin Rose haben bereits ihr Blog dicht gemacht und leiten ihre Seite nun auf den eigenen Google-Plus-Account um. „G+ gibt mir mehr (Echtzeit) Feedback und Reaktion als mein Blog je zuvor in der Lage war“ schreibt er – bei Google Plus.

Die  wichtigste Frage aber ist noch unbeantwortet. Sie entscheidet in den kommenden Wochen und Monaten über die langfristigen Erfolg der Plattform: Kommen nach all den Geeks, die sich in der ersten Stunde bei Googles neuem Netz angemeldet haben, auch die normalen Nutzer? Es gibt in der Geschichte des Internets genügend Beispiele für gut gemachte Netze, bei denen genau das nicht geklappt hat.

Aber zur Zeit sieht es fast danach aus, als ob es fuer Google diesmal klappen könnte. In meinem Google+ Account sehe ich jeden Tag einen regen Zustrom neuer Nutzer – wesentlich mehr und wesentlich schneller, als das in den ersten Tagen von Twitter und Facebook der Fall war.

Doch am Ende gilt für Google Plus das, was für alle großen Netze gilt: Entweder sie werden der Größte oder sie gehen unter.  Denn ich glaube nicht daran, dass es mehrere große General-Interest-Netzwerke nebeneinander geben kann.

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