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Großaktionär Aabar verzichtet vorerst auf Platz im Daimler-Aufsichtsrat

Daimlers größter Aktionär Abu Dhabi hat eine Kurskorrektur vollzogen: Der staatliche Investmentfonds Aabar Investments verzichtet vorerst auf einen Platz im Aufsichtsrat des Autobauers. Der Daimler-Großaktionär hat es damit deutlich weniger eilig als der arabische Großinvestor Katar beim VW-Porsche-Konzern.

Mercedes-Geschäft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Quelle: dpa

FRANKFURT. Nach Informationen aus Konzernkreisen hat der größte Investor der Stuttgarter signalisiert, dass er zunächst keinen Platz im Kontrollgremium des Autokonzerns anstrebt. Vor gut einem halben Jahr hatte Mohamed Badawy Al-Husseiny, CEO des staatlichen Investmentfonds in Abu Dhabi, noch öffentlich davon gesprochen, dass der Wüstenstaat bereits im Herbst 2010 einen Sitz im Aufsichtsrat einnehmen könnte. Daimler und Aabar wollten sich dazu nicht äußern.

Der Daimler-Großaktionär hat es damit deutlich weniger eilig als der arabische Großinvestor Katar beim VW-Porsche-Konzern. Das Emirat Katar sitzt bereits seit April 2010 mit einem eigenen Vertreter im Aufsichtsrat des VW-Konzerns und 2011 könnte ein weiterer Sitz in dem Gremium folgen. Im Aufsichtsrat des Sportwagenbauers Porsche, bei dem Katar ebenfalls mit zehn Prozent eingestiegen ist, hatte sich Katar sogar bereits im Januar einen Platz im Kontrollgremium gesichert. Aabar hält seit März 2009 rund neun Prozent an Daimler.

Aabar hatte beim Einstieg im März 2009 deutlich gemacht, dass sie gern mehr bei Daimler mitreden würden. Angesichts des Kursanstieges der Daimler-Aktie innerhalb der vergangenen 18 Monate hatte Aabar eine Anteilsaufstockung vorerst jedoch auf Eis gelegt. Aabar Investments hatte im zweiten Quartal wegen Belastungen aus dem Derivategeschäft hohe Verluste geschrieben. Im Juni hatte der staatliche kontrollierte Fonds angekündigt, sich von der Börse zurückzuziehen. Er gehört mehrheitlich der International Petroleum Investment Corporation (Ipic), die sich ihrerseits komplett im Besitz der Regierung des Emirats befindet.

Aabar begreift das Engagement bei Daimler als langfristiges Investment. "Wir können 50 bis 100 Jahre bei Daimler bleiben", sagte Khadem Al Qubaisi, der Managing Director des Staatsfonds IPIC, bei der Verkündung des Einstiegs in Stuttgart.

Mit der Beteiligung an ausländischen Unternehmen rüstet sich Abu Dhabi für die Zeit nach dem Öl. Teil der weitreichenden Strategie ist der Aufbau einer eigenen Industrie. So soll die emissionsfreie Stadt Masdar City aus dem Boden gestampft werden und für rund 80 Mrd. Dollar ein Chemiekomplex in der Wüste des Emirates entstehen. Seit dem Einstieg haben Aabar und Daimler bereits mehrere Projekte angeschoben. Sie halten einen gemeinsamen Anteil am Elektroautohersteller Tesla und übernahmen zusammen das Formel-1-Team Brawn GP.

Bei einem von Abu Dhabi mit eingefädelten Rüstungsprojekt der Konzerne MAN, Daimler und Ferrostaal in Algerien zogen die Stuttgarter allerdings jüngst die Notbremse und drängten den von Korruptionsvorwürfen belasteten Ferrostaal-Konzern als Generalunternehmer aus dem Projekt. Ipic hält seinerseits auch 70 Prozent an Ferrostaal.

Nach Aabar ist Kuwait der zweitgrößte Aktionär von Daimler. Der Golfstaat ist seit 1974 an Daimler beteiligt, hält seinen Anteil aber als reines Finanzinvestment. So hat sich die Kuwait Investment Authority in den vergangenen Jahrzehnten nie öffentlich in die Unternehmensführung eingemischt und auch kein Interesse an einem Platz im Aufsichtsrat reklamiert. Aabar hatte dagegen bereits im März 2009 angekündigt, eine aktive Rolle als Investor spielen zu wollen.

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