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Groupon & Co. Tückische Rabattschlacht im Internet

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Screenshot von Groupon

Keine Frage: Groupon hat einen Rabattsturm im Internet entfacht. Doch reicht das, um auf Dauer zu bestehen? Der spektakuläre Aufstieg hat zig Nachahmer angelockt, die mit der gleichen Grundidee um die Spargemeinde buhlen.

Jeden Morgen bieten die Portale ihren Nutzern eine Handvoll schmissig betexteter Gutscheine an. Meist geht es um Rabatte für Dienstleistungen oder Produkte von Geschäften aus der Umgebung. Begeistert sich innerhalb einer festen Zeitspanne – meist 24 Stunden – eine Mindestzahl von Abnehmern für das Angebot, findet das Geschäft, der sogenannte Deal, statt. Die Interessenten bezahlen, bekommen den Gutschein zugemailt, können ihn ausdrucken und vor Ort einlösen.

Waren es anfangs vor allem Restaurants und Cafés, die mit Dumpingangeboten warben, lässt sich heute auch an den Kassen großer Hotels, Wellnessoasen oder Gastroketten besichtigen, wie Kunden zur Bezahlung DIN-A4-große Groupon-Ausdrucke aus den Taschen nesteln. Gleichwohl flaut bei vielen Nutzern die Begeisterung nach dem ersten Bestellschub oft schnell wieder ab: „Die Angebote wiederholen sich, ich kann ja nicht jeden Tag zur Massage gehen oder mir die Zähne aufhellen lassen“, klagt etwa die Münchner Doktorandin Marina Nowak.

Mitunter fragwürdige Aktionen bei Groupon

Groupons Versuche, gegenzusteuern und die Angebotspalette auszudehnen, münden mitunter aber in fragwürdigen Aktionen. Lust auf Rechtsberatung für die Hälfte? Kampfjetfliegen? Oder doch den "Wertgutschein zur Fettabsaugung"? Alltäglich grüßt der Groupon-Newsletter und lockt mit – zumindest auf den ersten Blick – üppigen Nachlässen. Fast betulich wirkt da der alte Baumarkt-Schlachtruf "20 Prozent auf alles". Bei Groupon sollen die Unternehmen mindestens 50 Prozent bieten. "Geiz ist geil"? Im Internet erst recht!

Grafik: Umsatz-/Verlustentwicklung von Groupon

Eine Chicagoer Hinterhofklitsche avanciert innerhalb weniger Jahre zum Milliardenkonzern – nahezu perfekt scheint sich die Groupon-Story in die Liste der großen Internet-Erfolgsgeschichten wie Google, Facebook oder Amazon einzureihen. Dabei ist die Idee nicht einmal neu.

Ende der Neunzigerjahre hatten bereits Dienstleister wie Letsbuyit.com versucht, Einkäufe übers Internet zu bündeln und bei Unternehmen Mengenrabatte auszuhandeln. Doch damals steckte das Internet noch in den Kinderschuhen, das Abwickeln von Verkäufen war weit schwieriger als heute. Zudem konzentriert sich Groupon auf margenstärkere Dienstleistungen und nicht auf den Verkauf von Fernsehern oder anderen Produkten und präsentiert sich gegenüber Partnerunternehmen als Werbeplattform.

Statt Geld für klassische Inserate auszugeben und nicht zu wissen, ob die Kampagne wirkt, so das Groupon-Argument, könnten Gewerbetreibende neue Kunden über Rabattgutscheine in ihre Läden lotsen. Masons Truppe streicht allerdings nahezu obszöne Provisionen von in der Regel etwa der Hälfte des Gutscheinpreises ein. Bietet eine Autowerkstatt eine Reparatur für 50 statt 100 Euro an, bleiben bei Groupon im Schnitt 25 Euro hängen. Ob sich das jenseits des Werbeeffekts für die Werkstatt noch rechnet, ist fraglich.

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