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Groupon & Co. Tückische Rabattschlacht im Internet

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Feldherr im Klonkrieg: Groupon-Deutschland-Chef Glasner

Dennoch breitete sich die Marketing-idee unter Händlern, Gastronomen und Dienstleistern mit der Geschwindigkeit eines Computervirus aus. Knapp 57.000 Unternehmen kooperierten im ersten Quartal 2011 mit Groupon. Binnen zwei Jahren hat sich die Nutzerzahl von 152.000 auf 83,1 Millionen verfünfhundertfacht. Der Umsatz schwoll von 30,5 Millionen Dollar 2009 auf 713 Millionen Dollar im Folgejahr an. Fast 40 Prozent stammten aus dem internationalen Geschäft.

Wie im Rausch expandiert die Rabattmaschine von Chicago aus in den Rest der Welt. Denn der Erfolg lockte schnell Nachahmer an. Weltweit sind Hunderte von Groupon-Kopien entstanden, mit denen das Original nun im Wettbewerb um die besten Deals steht. Um vorne zu bleiben, lautet Masons Strategie: alle relevanten Märkte früh besetzen, auch auf Kosten der Profitabilität. So ist Groupon inzwischen in 43 Ländern präsent – auch dank deutscher Unterstützung.

Samwer-Brüder haben ihre Kopierfähigkeit bewiesen

Hierzulande erkannten die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer, die schon mit dem Versteigerungsportal Alando und der Online-Community StudiVZ ihre Kopierfertigkeiten bewiesen hatten, das Potenzial des Gutscheingeschäfts. Wo, wenn nicht in der Heimat von Discountgiganten wie Aldi und Lidl sollte der Spartrieb größere Durchschlagskraft entfalten? Wo, wenn nicht in einem Land, in dem Schlussverkäufe lange Zeit den Status sommerlicher Festveranstaltungen ausstrahlten und das Sammeln von Kundenkarten und Treuepunkten als höchste Konsumentenpflicht zelebriert wird?

Die Samwers starteten im Januar 2010 ihre Groupon-Kopie CityDeal und breiteten sich bald schon europaweit aus. Ein halbes Jahr später, beim Verkauf an Groupon, war CityDeal bereits in mehr als 80 Städten in 16 Ländern aktiv. Beim Verkauf wurden die Altgesellschafter – neben den Samwers der Verlagsableger Holtzbrinck Ventures sowie eVenture Capital Partners, eine Tochter des Otto-Konzerns – mit Groupon-Anteilen in Höhe von rund zehn Prozent belohnt. Heute lässt sich deren Wert in Milliardenregionen verorten.

Seit der Übernahme koordiniert ihr Vertrauter, der ehemalige CityDeal-Manager Daniel Glasner, nun als Groupon-Statthalter von Berlin aus auch die internationale Expansion. Er ist einer der Feldherren in den "Klonkriegen", wie der Kampf gegen Nachahmer-Angebote in der Branche gerne genannt wird.

Allein in Deutschland tummeln sich Sachsen-, Schwaben-, West- und Norddeals, Ökofans kommen bei Biodeals auf ihre Kosten. Nun will auch noch Dirk Ströer, Großaktionär des gleichnamigen Plakatwerbers, mit Top-deals eine Mischung aus Groupon und Ebay-Modell in den Markt drücken und hat Gutscheinauktionen für Reiseangebote gestartet. Und beim im Aufbau befindlichen Düsseldorfer Speedshopping-Portal Dealclub sollen sich Konsumenten innerhalb von 33 Sekunden entscheiden, ob sie bei einem Deal zuschlagen.

Als Groupons wichtigster Gegner im hiesigen Rotstiftgewerbe gilt indes DailyDeal, ebenfalls mit Sitz in Berlin. Nur ein paar Kilometer liegen die Zentralen der Rivalen auseinander. Wie unter dem Brennglas lässt sich hier der Kampf um das neue Milliardengeschäft beobachten.

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