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Groupon & Co. Tückische Rabattschlacht im Internet

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Groupon-Zentrale in Berlin Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Auf einer verwinkelten Hausetage unweit der Hackeschen Höfe residiert der Marktführer. Dutzende Mitarbeiter hocken eng gedrängt, Rechner an Rechner nebeneinander, nur ein selbst gedrucktes Türschild „Wir sind die Macht“ sorgt für ein wenig Abgrenzung vom Rest der Truppe. Das Klappern der Tastaturen wird immer wieder unterbrochen von Telefonklingeln. Partner werden angeworben, Werbetexte abgesprochen, Termine vereinbart. Ein paar Pappkartons dienen als Stellplatz für Kaffeebecher und verbreiten Gründer-Folklore.

In einem Glaskasten mitten im Trubel hat Deutschland-Chef Glasner seinen Arbeitsplatz. „Wir suchen bereits eine neue Bleibe – aber die muss in Berlin-Mitte sein, damit wir attraktiv für Mitarbeiter bleiben“, sagt er. Bei ehemaligen Groupon-Kräften dürfte die Aussage für Kopfschütteln sorgen. Von „Leistungsdruck bis zum Burn-out“ ist die Rede. Glasner, 34, zurückgegeltes Haar, Jeans und Hemd, weist derlei Vorwürfe zurück. Viel lieber spricht der ehemalige McKinsey-Berater über Wachstum und Marktchancen.

So seien die potenziellen Kunden von lokalen Gewerben wie Restaurants, Kinos oder Wellnessanbietern inzwischen zu 90 Prozent online, die Gewerbe selbst aber zum großen Teil noch nicht. Diese „Brückenkopffunktion“, sagt Glasner, mache Groupon so spannend, weil Angebot und Nachfrage dadurch einfach zusammenfänden. Das Potenzial sei noch lange nicht erschöpft: In den USA gilt Groupon schon als echte Consumer-Marke. Das ist kaum verwunderlich, da die Marketingausgaben, etwa um in den Trefferlisten von Suchmaschinen weit oben zu landen, noch schneller gestiegen sind als die Umsätze. Zusammen mit den Personalaufwendungen bilden sie den größten Kostenblock des Unternehmens.

Konkrete Kundenzahlen für Deutschland gibt es nicht

Konkrete Zahlen für Deutschland will Glasner nicht preisgeben. Doch laut der Börsenunterlagen hat Groupon zwischen Januar und März 2011 allein in Berlin mit knapp 400 000 Newsletter-Empfängern Gutscheine im Wert von mehr als vier Millionen Euro verkauft. Deutschlandweit zählt Groupon bereits mehr als 4,2 Millionen E-Mail-Abonnenten.

Hierzulande lässt sich Groupon seine Marktdominanz besser bezahlen als jenseits des Atlantiks. So fließt in Deutschland erst dann Geld von Groupon an die Partnerunternehmen, wenn die Gutscheine tatsächlich eingelöst werden. Wenn bei manchen Deals 20 Prozent der Käufer und mehr ihre gekauften Bons nie ins Geschäft tragen, bleibt das zuvor bezahlte Geld komplett bei Groupon – zum Ärger der Partner. „Das ist eine extrem wichtige Einnahmequelle“, sagt ein Insider. Dagegen betont Glasner: „Wir haben ein großes Interesse, dass der Nutzer ein positives Erlebnis beim Einlösen des Gutscheins hat, sonst kauft er nicht wieder bei uns.“

An der Kritik zu hoher Kosten für Gewerbetreibende setzt DailyDeal an. Groupons ärgster Verfolger hat sein Domizil in einer ehemaligen Brotfabrik an der Grenze zwischen Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg. „Wir nehmen eine geringere Provision als unsere Wettbewerber“, sagt Fabian Heilemann, Gründer und Chef von DailyDeal. Der 28-Jährige verlangt im Schnitt weniger als 50 Prozent. „Und unsere Partner bekommen einen Teil der Gutscheinsumme nach Abschluss eines Deals garantiert ausbezahlt.“ Heilemanns Investoren sind unter anderem Stefan Glänzer, Gründer des Online-Auktionshauses Ricardo.de, sowie Klaus Hommels, der an Skype, Facebook und Xing beteiligt war.

Heilemann setzt stärker auf nationale Deals – und auf Menge: Sein Unternehmen ist in fast 50 Städten in Deutschland aktiv; in 18 Großstädten hat er sogar drei Deals pro Tag auf der Plattform. Zwar ist DailyDeal deutlich kleiner als Groupon, aber die Wachstumsraten scheinen Heilemann recht zu geben, dass Platz für einen starken Wettbewerber ist. Die Nummer zwei im deutschen Markt will den Umsatz vom einstelligen Millionenbereich 2010 nun auf 40 bis 45 Millionen Euro steigern. Helfen soll eine Kooperation mit dem TV-Sender ProSieben. 

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