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Groupon & Co. Tückische Rabattschlacht im Internet

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Screenshot von Daily Deal

Auch auf technischem Gebiet prescht DailyDeal vor. So hatte Heilemann knapp neun Monate vor Groupon eine Handy-App für den mobilen Gutscheinkauf und -versand am Start: „Einigen Kunden ist das Bezahlen mit einem Papiergutschein unangenehm. Hierfür bietet der papierlose Gutschein in der App eine elegante Lösung.“ Am Rivalen Groupon arbeiten sich Fabian und sein Zwillingsbruder Ferry Heilemann mit Leidenschaft ab. „Wir haben eine andere Philosophie“, schimpft Heilemann in Richtung der Samwers. Bei der Gründung des Groupon-Deutschland-Vorläufers CityDeal hätten die Brüder mit harten Bandagen gegen den lokalen Rivalen gekämpft, behauptet er.

Groupon habe nicht nur versucht Daily-Deal Partner abspenstig zu machen, sondern auch im großen Stil Mitarbeiter abgeworben, nur um sie nach kurzer Zeit wieder auf die Straße zu setzen. Groupon-Statthalter Glasner sieht das anders und verweist auf die branchenübliche Fluktuation. Heute würden eher Groupon-Leute bei DailyDeal vorstellig, sagt Heilemann: "Aber wir tun uns schwer, sie zu integrieren. Groupon hat eine völlig andere Unternehmenskultur."

Dass es sich bei Groupon nicht um eine mildtätige Sozialagentur handelt, sollten auch Unternehmer im Blick behalten, wenn sich ein Außendienstler der Rabatttruppe zum Termin ankündigt. Die Erfahrungen sind höchst unterschiedlich und reichen von Pleitevorwürfen eines Schweizers Masseurs bis zu ungezügelter Begeisterung.

Ein Teil der Kundschaft bleibt hängen

Anfang des Jahres unterbreitete etwa Lieferando.de, ein Online-Essensbestelldienst, den Groupon-Nutzern das Angebot, einen Gutschein für Pizza Hawaii, Thai Curry und alle anderen Speisen im Wert von zwölf Euro für vier Euro zu ordern. Innerhalb weniger Stunden verkauften sich 19.646 Gutscheine. Prompt brach über Lieferando eine Bestellflut herein, die zeitweise die Server des Gastroportals in die Knie zwang. Verdient haben die Pizzaboten mit der Aktion zwar erst einmal nichts. Aber der Name sprach sich herum und fast 60 Prozent der Neukunden orderten nach Unternehmensangaben auch ihre nächste Quattro Stagioni über das Portal – diesmal zum regulären Preis. Bei Promi-Friseur Walz blieb immerhin ein Drittel der Groupon-Kundschaft hängen.

Tatsächlich bescheren die Rabattofferten Geschäften oft reichlich zusätzliche Frequenz. "Gerade in flauen Zeiten und für Unternehmen mit hohen Fixkosten kann sich eine Kooperation lohnen", sagt Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce an der Universität Frankfurt. Auch als Marketinginstrument für die Ansprache jüngerer Zielgruppen oder bei Neugründungen seien die Schnäppchenseiten interessant. Skiera hat einen Coupon-Calculator entwickelt, mit dem sich berechnen lässt, unter welchen Bedingungen eine Aktion für Unternehmen lohnt.

Denn bei etlichen Gewerbetreibenden hält sich die Begeisterung in Grenzen. Zwar behauptet Groupon stolz, 97 Prozent seiner Partner „möchten Groupon wieder einsetzen“. Eine Umfrage der texanischen Rice University unter 150 Unternehmen ergab dagegen, dass 42 Prozent der Befragten ihre Groupon-Aktion nicht wiederholen würden. Besonders unzufrieden waren demnach Restaurantbetreiber.

Auch in Deutschland verzeichnen viele Groupon-Partner zwar einen Ansturm an Neukundschaft. Doch die Bestellflut kann kleinere Anbieter überfordern. Mitunter müssen sie wegen der Sparklientel Stammkunden abweisen. Dass Unternehmen die Zahl möglicher Verkäufe auch limitieren können, wird oft übersehen.

Zudem entpuppen sich die auf der Groupon-Homepage als "jung", "intelligent" und "haben Geld" charakterisierten Durchschnittsnutzer vor Ort bisweilen als Schnäppchenhopper und Trinkgeldknauser, die ihren Gutscheinausdruck mit einem Selbstbewusstsein präsentieren, als zückten sie ihre Lufthansa-Senator-Karte. "Groupons Provision war happig, und die Kundschaft die kam, hatte Ballermann-Niveau", fasst etwa ein Hamburger Spa-Chef seine Erfahrungen zusammen.

Ehemalige Mitarbeiter des Groupon-Vorgängers CityDeal berichten, dass das Geschäftsgebaren bei Partnerunternehmen "viel verbrannte Erde hinterlassen" habe – zu hoch waren anfangs die Wachstumsvorgaben, zu wenig wurde auf nachhaltige Kundenbindung geachtet. Das bekommen offenbar auch die Verbraucher zu spüren. Zwar finden sich in Online-Foren Lobeshymnen bekennender Hardcore-Grouponisten. "Immer alles bestens gelaufen", schwärmt etwa Sven-Erich Sambs aus Nürnberg nach mehr als 50 Deals. Doch auch die Zahl der Beschwerden wächst.

Immer wieder beklagen Nutzer Überbuchungen, trickreiche Formulierungen in den Angeboten, lange Wartezeiten oder geschönte Preisofferten. Die will nun der Web-Unternehmer Markus Fordemann regelmäßig auf seiner Seite Dealkritik.de veröffentlichen. Der Berliner hatte vor Kurzem selbst einen Gutschein für mehrere Besuche in einer Salzgrotte gekauft und zu spät bemerkt, dass sich die am Stadtrand gelegene Wellnessoase nur mit immensem Fahrtaufwand erreichen ließ. Aus dem Ärger über den Fehlgriff entstand die Idee, Deals genauer zu durchleuchten. Denn an fragwürdigen Angeboten herrscht offenbar kein Mangel.

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