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Groupon & Co. Tückische Rabattschlacht im Internet

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Tabelle: Couponing-Anbieter in Deutschland

So wurde Ende Mai der Roboter-Staubsauger Roboduster zum Preis von 189 statt für 449 Euro verhökert. "Rabatt 58 %", rechnete Groupon vor. Dabei wurde der Bodenpfleger auf der Homepage des niederländischen Herstellers zu diesem Zeitpunkt bereits für 179,50 Euro angeboten. 

Mitunter scheint den Groupon-Textern auch die Fantasie durchzugehen. Da werden Bruschetta, Hüftsteak und Eis schon mal als "Typisch Kölsches 3-Gänge-Menü" gepriesen und der knackige Salat "mit herzhafter Salami à la Fidel Castro" wird kurzerhand zum festen Bestandteil lateinamerikanischer Menüs erklärt.

Jenseits solch kulinarischer Kuba-Krisen sorgen auch die kurzen Laufzeiten mancher Gutscheine für Ärger. In den USA sieht sich Groupon bereits Klagen ausgesetzt, weil in vielen US-Staaten Gutscheine nicht verfallen dürfen. Im schlimmsten Fall müsste Groupon die Gültigkeit entweder auf ewig garantieren oder die Kaufsumme zurückerstatten und dafür Rücklagen bilden. Das schmälert die Attraktivität des Geschäftsmodells.

Gleichzeitig entern mit Facebook und Google zwei Wettbewerber den Couponing-Markt, die sich von den bisherigen Klonen abheben. Sie verfügen über eine breite Nutzerschaft und die finanziellen Ressourcen, um Groupons Position zu erschüttern. Nachdem Google im Dezember 2010 damit scheiterte, Groupon zu kaufen, baut Chef Larry Page derzeit Google Offers aus, mit dem sich Händler über Googles Suchmaschine und den Kartenservice Google Maps promoten können.

Facebook setzt auf seine Werbepartner

Facebook-Frontmann Mark Zuckerberg will über sein soziales Netzwerk Gutscheine vermarkten. Statt eine große Verkäufertruppe anzuheuern und diese bezahlen zu müssen, setzt Zuckerberg dabei auf seine Werbepartner, die langfristig selber Angebote einstellen sollen. Denkbar ist aber auch, dass Facebook mit Groupon-Rivalen wie DailyDeal zusammenarbeitet, um dem Marktführer Paroli zu bieten.

Die meisten Wettbewerber – mit Ausnahme des maßgeblich von Amazon.com finanzierten Living Social – werden nicht mithalten können. „Nur ein paar werden überleben“, erwartet Ökonomieprofessor Joshua Gans von der Melbourne Business School. "In den kommenden zwei Jahren werden wir wissen, welche." Den heißen Atem der Konkurrenz im Nacken, probiert Mason derzeit den Balanceakt, Groupon international voranzutreiben und das Geschäftsmodell zu überarbeiten. Die Chicagoer setzen auch auf neue Partner. So plant Groupon mit dem Reisevermittler Expedia einen Vermarktungskanal für Hotelschnäppchen und testet mit US-Supermarktketten Kooperationen bei Angeboten für Kundenkarteninhaber. In Deutschland wollen Groupon und "Bild.de" demnächst auf ihren Internetseiten gemeinsam Deals anbieten, heißt es in der Branche.

Als interessanteste Liaison könnte sich eine Zusammenarbeit mit dem auf Ortsdaten basierenden sozialen Netzwerk Foursquare erweisen. Darüber wird spekuliert, seit Mason Mitte Mai in der Foursquare-Zentrale in New York gesichtet wurde. Das Kalkül: Gemeinsam mit Foursquare könnte der Gutscheinspezialist sein Groupon Now getauftes Mobilangebot für die weltweite Laufkundschaft schneller aufbauen. In Chicago wird es bereits getestet. Dort können sich Rabattjäger auf ihrem Mobiltelefon anzeigen lassen, welche Nachlässe die Geschäfte in der Umgebung anbieten. Diese sollen die Offerten weitgehend automatisiert selbst bei Groupon Now einstellen, wodurch Mason kräftig Personalkosten sparen könnte.

Demnächst, so die Hoffnung, könnte Coiffeur Walz dann den Passanten in der Nähe seiner Salons die frohe Botschaft "Haareschneiden für die Hälfte" direkt aufs Handy beamen. Kundenfrequenz und Auslastung der Geschäfte ließen sich deutlich steigern.

Doch auch diesmal muss sich Mason sputen. Längt hat der Wettlauf begonnen, wer die nächste, diesmal mobile Rabattwelle anführen wird. An Nachahmern wird es kaum mangeln. Für Lou Kerner, Analyst bei der US-Investmentbank Wedbush Securities, lautet die entscheidende Frage: "Wird Groupon das Schicksal von Yahoo ereilen, die als früher Marktführer heute praktisch irrelevant sind? Oder avancieren sie zu einer Art Amazon, das seinen frühen Vorsprung steigern und in einen massiven Kundennutzen ummünzen kann?"

Groupons Geschäftsmodell, so viel scheint bereits heute klar, ist Erfolg versprechend – die Bewertung beim bevorstehenden Börsengang eher nicht.

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