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Hamburger Hochbahn Hanseaten greifen Deutsche Bahn an

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Grafik: Bahnstrecken von Arriva und der Hamburger Hochbahn-Tochter Benex in Deutschland

Dennoch führt Benex-Chef Wolfgang Dirksen seine Beteiligungen mit harter Hand. Vom Erfolg verwöhnt, wollten die selbstbewussten Metronom-Geschäftsführer etwa auch außerhalb ihrer regionalen Grenzen Nahverkehr anbieten. Dirksen kassierte die Pläne, er favorisiert eigenständige Neugründungen und keine bundesweite Marke Metronom. Ziel sei es, "Betriebsgrößen zu optimieren". Er wolle eine "regionale Identität schaffen", sagt Dirksen. Eine Bahn verkrafte drei bis vier Verkehrsverträge mit rund 15 Millionen Zugkilometern pro Jahr. "Das ist die Idealgröße, um keinen teuren Verwaltungsapparat betreiben zu müssen."

Allerdings macht der Wettbewerbsdruck inzwischen auch der Hamburger Hochbahn zu schaffen. Zweistellige Renditen, wie sie Elste Anfang 2007 noch erzielen konnte, erreicht er etwa in dem gerade gewonnenen Verkehrsauftrag in Regensburg nicht mehr. Der Betrieb, der im Dezember startet, sei "kein großes Gewinngeschäft", sagt ein Branchenkenner.

Gefahr aus Frankreich

Umso mehr setzt Elste auf den Zuschlag bei Metronom und ODEG. Für beide Gesellschaften bietet sich Elste dem Käufer des deutschen Arriva-Pakets, etwa Finanzinvestoren, als „garantierter Abnehmer“ an, heißt es in der Branche. Jedoch könnte ihm die französische Staatsbahn SNCF einen Strich durch die Rechnung machen. Sie könnte einen hohen strategischen Preis für das Arriva-Paket zahlen, um die Deutschland-Tochter Keolis zu stärken. Die SNCF hätte wohl kaum ein Interesse daran, etwa die Metronom-Beteiligung weiterzuverkaufen, sondern würde operativ einsteigen. Aus den Konkurrenten Keolis und der Hochbahn-Tochter Benex würden unfreiwillig Partner.

Die acht Bieter durchleuchten derzeit die Geschäftszahlen von Arriva, um ihr vorläufiges Angebot, das sie im September abgegeben haben, zu einer verbindlichen Offerte umzuwandeln. Das derzeitige Höchstangebot von geschätzten 400 Millionen Euro könnte deutlich abschmelzen. Im Arriva-Becken schwimmen auch einige "tote Fische", sagt ein Insider. Einzelne Unternehmen wie Autobus Sippel oder die Regentalbahn in Bayern sollen recht unrentable Strecken betreiben. Das mindert den Preis.

Elste bringt sich aber in Position. Benex fuhr zuletzt einen Gewinn von drei Millionen Euro im Jahr 2009 ein. Auch ohne Arriva steht das Ziel auf Wachstum. Bald stehen neue Ausschreibungen an, etwa das S-Bahn-Netz in Frankfurt. "Wenn wir noch vier größere Ausschreibungen gewinnen und alle Bestandsverkehre behalten, haben wir unser Ziel erreicht."

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