Handel Metro-Chef Cordes steckt in der Klemme

Der Kursverfall des Konzerns sorgt bei den Großaktionären für Unmut. Sind die Tage von Eckhard Cordes an der Spitze des größten deutschen Handelshauses gezählt?

Eckhard Cordes Quelle: dapd

Die Monatsbilanz von Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes lässt sich mit einem Wort beschreiben, das dieser Tage eher Verwendung findet, um die Entwicklungen am Aktienmarkt zu kommentieren: Crash. Gleich Anfang August musste Cordes die Umsatzprognose für Deutschlands größten Handelskonzern schreddern. Prompt brach der Kurs der Metro-Aktie ein. Dann eskalierte der Machtkampf um die Konzerntochter MediaSaturn. Ende des Monats hieß es schließlich aus Teilen des Aufsichtsrats, es gebe keine Mehrheit für eine Verlängerung von Cordes’ Vertrag.

Kaum lief die Meldung über die Ticker der Nachrichtenagenturen, machten in der Branche Rücktrittsgerüchte die Runde. Doch Cordes, so heißt es nun im Konzernumfeld, werde weitermachen. Auch der bisherige Kurs gegenüber den Media‧Saturn-Eignern wird fortgesetzt, lässt sich aus einer Stellungnahme von Aufsichtsratschef Jürgen Kluge entnehmen, der zugleich Chef des Metro-Großaktionärs Haniel ist.

Aufschlussreicher noch ist das, was nicht in der Mitteilung steht: Auf die Diskussion um den Vertrag von Cordes geht Kluge nicht ein. „Der Mann wird an seiner Performance gemessen“, tönt es dagegen vielsagend aus dem Kreis der Anteilseigner, garniert mit Hinweisen auf mögliche Nachfolgekandidaten. Im Cordes-Lager heißt es dagegen, die Entscheidung sei nach wie vor „völlig offen“, und zwar auf beiden Seiten. Cordes selbst habe sich bisher nicht festgelegt, ob er eine Vertragsverlängerung überhaupt anstrebe.

Doch hinter den Kulissen waren Metro-Manager noch vor wenigen Tagen fest von einer zweiten – wenn auch bis Sommer 2014 verkürzten – Amtszeit des heute 60-Jährigen ausgegangen.

Klar ist: Mit seinem je nach Lesart rabiaten oder gradlinigen Kurs hat sich Cordes in den vergangenen Jahren wenig Freunde gemacht. Mit Stellenverlagerungen und einem rigiden Sparprogramm vergrätzte er die Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat. Gleichwohl sehen andere Arbeitnehmer die Lage nüchterner.

Wichtiger noch: Auch bei den Großaktionären rumorte es. Schon seit Längerem hadern etliche Mitglieder des Ruhrgebietsclans Haniel, der 34 Prozent der Metro-Anteile hält, mit dem allzu schleppenden Fortgang beim in Aussicht gestellten Verkauf der Metro-Töchter Real und Galeria Kaufhof.

Doch das Tempo der jüngsten Entwicklungen überraschte selbst enge Vertraute des Managers. Eine Entscheidung über Cordes’ Zukunft bei Metro stand in den kommenden Monaten ohnehin an. Ende Oktober 2012 endet sein Vertrag. Ein Jahr vor Ablauf kann der Aufsichtsrat die Laufzeit verlängern – oder einen Nachfolger bestimmen. Zumindest wäre eine gesichtswahrende Lösung möglich gewesen.

Doch es kam anders: Nach den Schlagzeilen der vergangenen Woche gilt Cordes nun als Chef auf Abruf. Immerhin, ein Treffen am vergangenen Donnerstag zwischen Cordes und Haniel-Familienoberhaupt Franz Markus Haniel sowie Peter Küpfer, Vertreter des zweiten Metro-Großaktionärs Schmidt-Ruthenbeck, soll die Lage beruhigt haben.

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