100 Jahre Kranich-Motiv Lufthansa-Logo verliert die gelbe Farbe

Kritiker missen im neuen Lufthansa-Logo das traditionelle Gelb. Konzernchef Carsten Spohr verteidigt die Neugestaltung – mit einer emotionalen Begründung.

Das Wappentier wurde 1918 vom Grafiker und Architekten Otto Firle, der selbst Pilot war, erfunden. Quelle: dpa

FrankfurtCarsten Spohr ist Kritik gewohnt. In seinen gut dreieinhalb Jahren an der Spitze von Lufthansa musste er davon viel einstecken – von Tarifpartnern wegen seiner Sparmaßnahmen etwa, von Kunden wegen der Service-Qualität und – ganz besonders tragisch – zum Teil auch von den Anwälten der Hinterbliebenen des fürchterlichen Germanwings-Absturzes im März vor drei Jahren. Dass er sich nun allerdings auch noch wegen des Aussehens eines schnöden symbolisierten Kranichs rechtfertigen muss, das hätte sich der Lufthansa-Chef wohl kaum träumen lassen.

Doch er muss. In der gewaltigen A380-Wartungshalle des Frankfurter Flughafens feiert Lufthansa mit einem großen Festakt das Markenlogo des Konzerns. Denn es wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Bei so einem runden Geburtstag muss der Chef viele Hände schütteln. Mehr als 2000 Gäste sind gekommen, die meisten sind Mitarbeiter, aber auch Topkunden und Partner der „Hansa“ sind dabei. Auch in München wird gefeiert. Und die Gäste sollen noch was anderes bejubeln: das überarbeitete Logo.

Doch das neue Design, in den letzten Tagen schon über soziale Medien oder auch im Bordmagazin vorgestellt, stößt auf durchaus geteiltes Echo. Auch im neuen Outfit prangt zwar der Kranich am Leitwerk der Jets, er ist aber etwas leichter geworden. Und statt auf einem gelben Hintergrund – in Lufthansa-Kreisen gerne Spiegelei genannt -  befindet sich der Vogel nun komplett in einer blauen Umgebung, die künftig große Teile des Hinterteils der Flugzeuge bedeckt. Mutlos sei der neue Entwurf, sagen die einen, die Farbe Blau einfach nur langweilig, fast alle Firmen würden auf diese Farbe setzen. Auch fehle das Gelb. Überflüssig sei das Ganze, sagen andere.

Eigentlich wäre das neue Design kaum der Beachtung wert. Schließlich modernisieren Unternehmen ihren Markenaufritt regelmäßig. Und die Kosten für die Umgestaltung, die Lufthansa nicht nennen will, werden auf sieben Jahre gestreckt. „Wir nutzen für die Lackierung den normalen Zyklus, in dem die Flugzeuge neu lackiert werden müssen“, sagt Marketingchef Alexander Schlaubitz. 40 Jets sollen zum Jahresende im neuen Design fliegen.

Und doch lässt Spohr die Kritik am neuen Outfit nicht kalt. Schließlich ist es für ihn vor allem eines: das „i-Tüpfelchen“ beim Umbau der Airline. Der Kranich stehe für Lufthansa, Lufthansa stehe für den Kranich sagt er: „Er steht aber nicht für Stillstand. In der Vergangenheit hat sich das Unternehmen immer wieder verändert, um zukunftsfähig zu bleiben.“ Es ist ein emotionales Plädoyer für das neue Design. Dahinter steht wohl auch die Furcht einer Fehlinterpretation. In internen Foren des Konzerns taucht zuweilen der Vorwurf auf, der Konzernchef wolle sich so sein eigenes Denkmal bauen. Das aber wolle Spohr um jeden Preis vermeiden, heißt es in seinem Umfeld.

Spohr versucht die Kritik mit Humor zu kontern: „Ich weiß, in den letzten Wochen gab es nur ein Thema, neben den Koalitionsverhandlungen natürlich. Wo ist das Gelb geblieben?“ Natürlich bleibe das traditionelle Gelb. Es werde nur weitaus gezielter eingesetzt, etwa zur Orientierung der Passagiere am Boden. Man habe harte drei Jahre hinter sich gebracht, habe Lufthansa modernisiert: die Flotte, die Tarifverträge, den Service, die Kabine. „Da ist es doch verständlich, auch die Marke zu modernisieren“, wirbt Spohr für die Entscheidung: „Schauen Sie in ihr Wohnzimmer. Das sieht auch nicht mehr so aus wie vor 30 Jahren.“

Das Wappentier wurde 1918 vom Grafiker und Architekten Otto Firle, der selbst Pilot war, im Auftrag der „Propaganda- und Presseabteilung“ der frisch gegründeten Deutschen Luft-Reederei, eine der Vorgängergesellschaften der Lufthansa, entworfen. Bis heute wurde dieses Logo kaum verändert. Es ist erst die vierte Überarbeitung überhaupt. Selbst die Farben dunkelblau und gelborange, die durch die zweite Vorgängergesellschaft Junkers in das Logo kamen, haben Bestand. Das letzte „Refresh“ liegt mittlerweile 29 Jahre zurück.

Im Verlauf des Abends wurde es still um die Kranich-Debatte. Die Feier im Hangar rückte in den Mittelpunkt. Es ist eine Feier, die sich vor allem an die vielen Lufthanseaten wendet, die über drei Jahre mächtig leiden mussten. „Ich freue mich, so viele Kollegen hier zu sehen“, ruft Spohr Ihnen zu: „Wir feiern heute die Mitarbeiter, die in unserer Branche einfach die Besten sind.“

Das kommt an bei der Belegschaft. Per Liveschalte nach München schwärmt Spohr über „eine Party, die so nur alle 100 Jahre stattfindet“. Eine andere Schalte in das Cockpit einer A321 im neuen Outfit über den Wolken klappt technisch nicht – dennoch klatschen die Gäste begeistert. Auch Sätze von Spohr wie dieser verfangen sich: „Danke, dass sie die Modernisierung der Lufthansa auch kritisch begleiten.“ Jeder der rund 130.000 Lufthansa-Mitarbeiter werde als Dankeschön ein Geschenk mit dem neuen Lufthansa-Logo bekommen. „Mein persönlicher Favorit ist das hier“, ruft Spohr und hält einen schneeweißen Sportschuh mit Kranichlogo von Adidas hoch. Die Gäste jubeln und feiern an diesem Abend einfach sich selbst.

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