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Der Fall Karstadt wird zum Fall der Insolvenzverwalter

Das Trauerspiel um Karstadt zeigt, dass die Abwickler allzu oft mit ihren Deals prahlen können, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn sich diese als Flopps herausstellen.

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Insolvenzverwalter sollten am Scheitern ihrer Deals beteiligt werden. Quelle: dpa

Die Zukunft von Karstadt, des einstigen Vorzeigekaufhauses Deutschlands, wird immer ungewisser. Nachdem  der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen die Filetstücke, also die Mehrheit an der Premium- und Sportsparte des Konzerns, an den österreichischen Unternehmer René Benko verkauft hat, ist die Insolvenz des Restes ein realistisches Szenario. Und das, nachdem der Verkauf des zahlungsunfähigen Unternehmens durch Insolvenzverwalter Klaus Hubertus Görg an Berggruen am 7. Juni 2010 als große Rettung gefeiert wurde.

Was von den Taten des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz bei Schlecker zu halten ist, kann inzwischen jeder in der Realität bewundern. Am 1. August 2012 unterschrieb  Gleiwitz einen Vertrag, mit dem er alle 900 Schlecker-Standorte in Österreich sowie die 450 in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg an eine österreichische Investorengruppe  um den Unternehmenssanierer Rudolf Haberleitner verkaufte. Dieser hatte angekündigt , 4.600 der 5.000 Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, indem er die Läden unter dem Namen Dayli weiterführen werde. Ein Jahr später war Dayli ebenso zahlungsunfähig und eine vierstellig Zahl Jobs war futsch.

Einzelhandel mutiert zur Krisenbranche
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
KarstadtKarstadt-Investor Nicolas Berggruen möchte sich endgültig von den Warenhäusern trennen - das berichtet die Bild-Zeitung. Er verhandele mit der österreichischen Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko. Benko hatte im vergangenen Herbst bereits die drei Premium-Häusern und 28 Sportwarenhäusern der Kette gekauft. Die Berggruen-Holdings ist bisher noch mit einem Anteil von 24,9 Prozent an beiden Geschäftsbereichen beteiligt, außerdem gehören ihr noch die 83 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Diese könnten nun - so die Bild - für nur einen Euro den Besitzer wechseln. Auch Berggruen hatte seiner Zeit nur einen symbolischen Euro für die marode Warenhaus-Gruppe gezahlt. Erst vor wenigen Tage hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur wenigen Monaten im Konzern hingeschmissen. Quelle: ddp
KarstadtDer Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden ins Internet ab. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Die Gewerkschaften werfen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor, nicht genug zu investieren. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage bei Karstadt abermals verschärft, das Umsatzziel für das Geschäftsjahr wurde bereits um 230 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro herunterkorrigiert. Quelle: dpa
Strauss InnovationDie angeschlagene Warenhauskette hat am 22. April mit dem Räumungsverkauf begonnen. Ende März hatte das Unternehmen bekanntgegeben, mehr als jede fünfte der insgesamt 96 Filialen schließen und 200 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Strauss-Läden gibt es in 59 deutschen Städten. Durch ein zügiges Insolvenzverfahren will man die restlichen 1200 Arbeitsplätze erhalten. Der größte Teil der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll die Möglichkeit bekommen, für sechs Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Die Warenhauskette Strauss Innovation hat am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Traditionsversandhändler Neckermann gehörte. Quelle: Screenshot
StrenesseDas Modeunternehmen geht auf Investorensuche. Die Nördlinger Designer hatten am 16. April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Vorstandschef Luca Strehle sagte, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. „Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind. Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen.“ Durch die Insolvenz gewinne man enorm an Liquidität. Strenesse gehört seit rund 65 Jahren der Familie Strehle. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen. Erst im Februar stand Strenesse vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Strenesse beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und unterhält 15 eigene Geschäfte sowie Showrooms in München, Düsseldorf, Mailand, New York und Tokio. Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug der Umsatz des Konzerns 66,5 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Abercrombie & Fitch Der US-Modekette Abercrombie & Fitch bricht das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Abercrombie & Fitch - auf Jugendliche spezialisiert und für seine leicht bekleideten Modelle bekannt - verliert seit längerem Kunden an Konkurrenten wie Zara, Forever 21 oder H&M. Sie wechseln ihre Kollektionen öfter und sind zudem günstiger.  Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein prognostizierte auf WirtschaftsWoche Online bereits Ende vergangenen Jahres: „Ich glaube nicht, dass es Abercrombie & Fitch noch lange in Deutschland geben wird. Ihr Geschäftsmodell ist zu angreifbar und kippt gerade in den USA, so dass es höchstwahrscheinlich bald zum Rückzug aus Übersee kommt.“ Quelle: REUTERS
Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit ehemals bundesweit 132 Standorten wird zerschlagen. Die Übernahmegespräche mit der Hellweg-Gruppe über die verbliebenen 73 Märkte waren Mitte November gescheitert; Ende November scheiterte dann auch eine Übernahme durch Globus. Am 28. November wurde dann bekannt, dass die Mannheimer Baumarktkette Bauhaus 24 Standorte des insolventen Konkurrenten übernimmt. Damit sollen rund 1300 der noch verbliebenen 3600 Arbeitsplätze abgesichert sein. Max Bahr hatte am 26. Juli 2013 die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen müssen. Mutterkonzern Praktiker hatte am 11. Juli den Gang zum Insolvenzrichter absolviert. Quelle: dpa

Beide Fällen zeigen, dass die Insolvenzverwalter zwar Millionen für ihre Tätigkeit einstreichen. Haften müssen sie aber nur für formale und Rechtsfehler, nicht aber für unternehmerische Entscheidungen, die sie treffen.  Auch wenn letztlich der Gläubigerausschuss das letzte Wort etwa bei einem Verkauf eines Pleiteunternehmens hat, legt der  Insolvenzverwalter mit seinen Vorarbeiten doch die entscheidenden Grundlagen. Mich stört, dass dies in der Diskussion über Karstadt, aber auch über Schlecker völlig untergeht, obwohl die Fehler der Insolvenzverwalter in beiden Fällen himmelschreiend sind.

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    Betrachten wir den vermeintlichen Karstadt-Retter Berggruen. Wer wollte, der konnte wissen, dass Herr Berggruen eine schillernde Person ist: Ein Einzelgänger, der keine Familie hat, praktisch im Flugzeug lebt, Milliardär ist. So einer, das war für mich von vorneherein klar, ist überhaupt nicht an der Schaffung oder am Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland interessiert. So jemand will nur Geld machen und möglichst viel kassieren. Verantwortung für eine Betriebsfamilie, kann er gar nicht kennen, nachdem er ja selbst keine eigene Familie schätzt.

    An so jemanden hätte der Insolvenzverwalter meiner Ansicht nach Karstadt nie verkaufen dürfen, ohne sich von ihm 100-prozentige Sicherheiten geben zu lassen für die angekündigten Investitionen. Solche Sicherheiten hätten Berggruen entweder gezwungen, seine Versprechungen wahr zu machen. Oder er hätte vom Kauf von Karstadt Abstand gehalten. Stattdessen konnte nicht verhindert werden, dass Berggruen praktisch nichts in Karstadt gesteckt, aber einiges herausgeholt hat. Das nenne ich klares Ausbeuten eines Unternehmens.

    Stärker in die Haftung nehmen

    In diesen Branchen gehen die meisten Firmen pleite
    Platz 10: Finanz- und Versicherungsdienstleistungen2011 wurde in dieser Branche 902 Insolvenzen registriert. Quelle: Fotolia
    Platz 9: Grundstücks- und WohnungswesenDie Branche hat im vergangenen Jahr 1152 Unternehmenspleiten gezählt. Quelle: Fotolia
    Platz 8: Sonstige DienstleistungenBei diesen Dienstleistungen (Verbände, Interessensvertretungen, Reparatur von Gebrauchsgütern, Frisöre & Kosmetiksalons) wurden im Jahr 2011 1166 Insolvenzen registriert. Quelle: dpa
    Platz 7: Verkehr und LagereiDie Transportbranche (Güter & Personen) zählte im vergangenen Jahr 2 162 Insolvenzen. Quelle: dpa
    Platz 6: Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes GewerbeDie Branche musste im Jahr 2011 2 267 Insolvenzen erleiden. Quelle: dpa
    Platz 5: Sonstige wirtschaftliche DienstleistungenDas Geschäft mit Videotheken, Verleihung von Gebrauchsgütern sowie von Arbeitskräften lief 2011 nicht gut - 2 558 Insolvenzen wurden hier gemessen. Insgesamt hat die gesamte Dienstleistungsbranche den höchsten Anteil von Firmenpleiten im Jahr 2011 - 34,9 Prozent aller zahlungsunfähigen Unternehmen stammen aus diesem Wirtschaftszweig. Quelle: dpa
    Platz 4: Freiberufliche, wissenschaftliche und technische DienstleistungenWirtschaftsprüfer, Kanzleien, Ingenieursbüros, usw. - im Jahr gab es in diesem Bereich bis zu 3 128 Pleiten. Quelle: Fotolia

    Damit ist klar, dass die Arbeit des Insolvenzverwalters, für die er einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag erhielt, nicht erfolgreich war. Dafür haften muss er jedoch nicht. Ich stimme deshalb dem Wissenschaftler und frühere Insolvenzrichter Hans Haarmeyer  voll zu, der die Vergütung von Insolvenzrichtern allgemein als zu wenig erfolgsorientiert kritisiert. Statt die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen, versorgt die Abwicklung eines Insolvenzverfahrens offenbar weitgehend nur die Insolvenzverwalter und den Apparat, dessen sie sich bedienten. Auch ich bin der Meinung, dass die Insolvenz Heerscharen von teuren Beratern in die ihnen anvertrauten Firmen schicken, weil es ihnen entweder selbst an Kenntnissen mangelt oder weil sie sich durch Gutachten davor absichern wollen, für erfolglose Tätigkeit haften zu müssen.

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      Mit dem Verkauf an Berggruen leitete Insolvenzverwalter Görg ein, was meiner Ansicht nach jetzt kommt: Die verbliebenen Werte von Karstadt, die Immobilien, werden verschleudert werden. Wer sich mit Berggruen seriös beschäftigte, musste damit rechnen. Nicht viel anders war das bei dem Österreicher Haberleitner, er Teile von Schlecker übernahm. Der war schneller pleite, als man zuschauen konnte. Insolvenzverwalter Gleiwitz hätte das bei etwas mehr unternehmerischen Kenntnissen nicht zu lassen dürfen.

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      Wenn sich ein insolventes Unternehmen nicht verkaufen lässt, darf man dies gegen alle wirtschaftliche Vernunft nicht trotzdem tun. Dann muss man es eben zerlegen oder auch liquidieren. Es ist aber Verschwendung und obendrein zynisch gegenüber den Beschäftigen, wenn man ihnen den letzten kleinen aber unrealistischen Hoffnungsschimmer als die große Rettung verkauft und auf diesem Weg noch Millionen an Honoraren herausschneidet.

      Um dies zu verhindern, müssen die Insolvenzverwalter am Scheitern ihrer Deals beteiligt und stärker in die Haftung genommen werden.

      Dass nun auch noch die Hauptverantwortlichen in dem Karstadt-Debakel sich gegenseitig die Millionen streitig machen, spricht für sich und demonstriert klar, wie zuvor Karstadt ausgebeutet wurde, denn sonst könnten sie nicht um solche Beträge streiten.

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