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Deutschland ist Karstadt-krank

Der Niedergang des einstigen Renommee-Kaufhauses Karstadt ist ein Lehrstück über Manager und Führungskräfte, die nicht für die negativen Folgen ihrer Entscheidungen haften müssen.

Die Hauptdarsteller in der Kaufhaus-Soap
Karl-Gerhard Eick Quelle: dpa
Nicolas Berggruen Quelle: dpa
Andrew Jennings Quelle: dpa
René Benko Quelle: dpa

Die Lage wird immer trüber: Vier Karstadt-Häuser sollen geschlossen werden. Eine noch nicht näher bezeichnete Anzahl Filialen steht auf der Kippe. Die Beschäftigten sollen weiterhin unter dem üblichen Tarif im Einzelhandel bezahlt werden. Die Spekulationen, dass Karstadt mit Kaufhof fusionieren und am Ende untergehen könnte, reißen nicht ab.

Es ist nicht die Zeit, darüber zu richten, wer wann welche Fehlentscheidungen getroffen hat. Dafür ist es zu spät. Gleichwohl wäre es verfrüht, das Kapitel Karstadt abzuschließen. Denn es steht für ein ungelöstes Problem in unserer Gesellschaft, das uns immer wieder beschäftigen wird. Auf der einen Seite sehen wir Manager und Akteure, die mit ihren Entscheidungen Karstadt in die jetzige Lage gebracht haben, selbst aber fein heraus sind und deren sicher hohe Gehälter unangetastet blieben.

Auf der anderen Seite bleiben diejenigen zurück, die für den Schaden aufkommen müssen. Das sind die Gläubiger, die Millionen verloren haben; die Mitarbeiter, die den Job verloren haben oder weniger verdienen; die Steuer- und Beitragszahler, die für die sozialen Folgen aufkommen müssen; und die Kommunen, die durch den Verlust ihrer Karstadt-Filiale die Verwaisung der Innenstadt erleben.

Andere erfolgreiche Handelsunternehmen zeigten, welche Chancen Karstadt über die Jahre verpasst hat, obwohl das Unternehmen in den besten Lagen der deutschen Städte vertreten war. Auch ich und Trigema mussten den Wandel der Märkte erkennen, um die Arbeitsplätze zu sichern und das Unternehmen bis heute erfolgreich zu führen.

Karstadt hat viele Chancen verpasst

Den Trend zu Shoppingmalls – verschlafen; den Trend zum Internet – verschlafen; zuvor den Trend zu den Discountern – verschlafen; und noch früher den Trend zu den SB-Märkten – ebenfalls verschlafen. Die Zeiten, als ich noch vor meinen Augen den roten Teppich für die Einkäufer von Karstadt ausrollte, wirken heute wie die Erinnerung an einen wertvollen Wein, den sein Besitzer über die Jahre durch falsche Behandlung und Lagerung vergammeln ließ.

Karstadts Krisen-Chronik

Allein dank der Immobilien hätten Karstadt alle Türen offen gestanden, den Wandel in den Märkten mit zu machen. Stattdessen versagte das Management auf der ganzen Linie und hinterließ ein Lehrstück, was passiert, wenn es der Marktwirtschaft an einem zentralen Element mangelt: an der persönlichen Haftung für Fehler.

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