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120.000 Insolvenzen Ist die Corona-Pleitewelle nur aufgeschoben?

Durch das massive Eingreifen der Regierungen ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2020 europaweit gesunken. Doch die Pleitepipeline füllt sich, zeigt eine neue Studie.

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Nicht nur in Deutschland ist die Zahl der Insolvenzen im vergangenen Jahr trotz der schwersten Rezession seit 2009 deutlich gesunken: In ganz Westeuropa fielen die Pleitezahlen im Jahr 2020 so gering aus wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Das zeigt eine Auswertung der Creditreform-Wirtschaftsforschung.

Demnach wurden in den EU-Staaten sowie Norwegen und der Schweiz insgesamt rund 120.000 Unternehmensinsolvenzen registriert, ein deutlicher Rückgang von 26,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei verzeichneten laut Creditreform nahezu alle untersuchten Länder rückläufige Fallzahlen. Einzige Ausnahme war Irland mit einem geringen Anstieg. Am stärksten fiel der Pleitenrückgang in Österreich, Frankreich, Dänemark und Belgien aus.

„Zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben die meisten Staaten seit dem Frühjahr 2020 umfangreiche Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg gebracht“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

„Vor allem die finanziellen Hilfen und auch Änderungen am jeweiligen Insolvenzrecht hätten in Summe zu dem paradoxen Rückgang der registrierten Insolvenzfälle geführt.“ So wurde in Deutschland mehrfach die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Erst seit Mai gelten wieder ausnahmslos die Vor-Corona-Regeln.

Staatliche Hilfsmaßnahmen laufen aus

Hinzu komme, dass die Unternehmen in Westeuropa „mit starkem Puffer in die Corona-Krise gegangen“ seien, berichtet Hantzsch. Die Auswertung der Bilanzkennzahlen von mehr als drei Millionen Unternehmen aus dem Vorkrisenjahr zeigt, dass die Gewinnmargen und Eigenkapitalquoten 2019 nochmals zugenommen haben. „Das hat die Stabilität erhöht“, sagt Hantzsch. 46,5 Prozent der Unternehmen verfügten demnach über eine hohe Eigenkapitalquote von über 50 Prozent. Nur 21,9 Prozent der betrachteten Unternehmen waren mit einer Eigenkapital-Quote von weniger als zehn Prozent vergleichsweise schwach aufgestellt.

Gleichwohl verzeichnete 2020 mehr als jedes fünfte Unternehmen in Westeuropa mit seinem Geschäftsmodell keine Gewinne. „Nach dem Corona-Einbruch dürften insbesondere auch diese Unternehmen das Insolvenzpotenzial der kommenden Jahre bilden“, so Hantzsch. Im Zusammenhang mit dem Auslaufen der staatlichen Hilfsmaßnahmen dürfte dies über kurz oder lang zu steigenden Insolvenzen führen.

Mehr zum Thema: Die insolvente Modekette Adler erhält einen staatlichen Unterstützungskredit. Wie es bei der Modekette jetzt weitergeht.

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