AB Inbev und SABMiller Das ist der neue Biergigant

Megadeal unter Bierbrauern: Für rund 100 Milliarden Euro könnte Anheuser-Busch InBev die britische Brauerei SABMiller schlucken. Deren Aktionäre können sich freuen.

Die größten Brauereien der Welt
Eine Reihe frisch gezapfter Gläser Radeberger Bier Quelle: dpa/dpaweb
Zwei Frauen trinken Kirin Bier Quelle: REUTERS
Eine Person hält eine Flasche Yanjing Bier in der Hand Quelle: Creative Commons - daniel-julià-lundgre
Eine Molson-Brauerei in Toronto Quelle: AP
Ein Mann trinkt Corona Bier Quelle: REUTERS
Eine Frau zapft Tsingtao Bier Quelle: AP
Screenshot der Homepage China Resources Quelle: Screenshot

Die Fusionspläne

Nummer 1 schluckt Nummer 2: Die Fusion von Bier-Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev, zu dessen Imperium Marken wie Beck's, Budweiser und Corona gehören, und seinem größten Rivalen SABMiller nähert sich einem Abschluss. Gerüchte über die Übernahme gab es seit Jahren. Mitte September wurden sie konkret. Doch SAB zierte sich, versuchte die Übernahme abzuwenden oder zumindest den Preis in die Höhe zu treiben. Nach einem verbesserten Angebot scheint der Deal nun perfekt: 43,50 Pfund pro Aktie hat Anheuser-Busch aus Belgien geboten, etwa 96 Milliarden Euro. Alles klar, grundsätzlich sind wir einverstanden, ließ die Briten von SABMiller daraufhin mitteilen. Gemeinsam kämen beide Unternehmen wohl auf einen globalen Marktanteil von mehr als 30 Prozent – wenn nicht noch Anleger oder Kartellbehörden querschießen. Dass die EU-Kommission als oberste Kartellbehörde Europas allerdings bei einer der größten Übernahmen aller Zeiten ein Wörtchen mitzureden hat, gilt als sicher.

Die wichtigsten Marken im Bier-Imperium von AB InBev

Die Aktien

Die Unsicherheiten über den Erfolg des Deals, sind auch an der Börse spürbar. In London stiegen die Aktien von SAB-Miller in Reaktion auf das Angebot um gut neun Prozent auf 39,60 Pfund. Damit blieben sie deutlich unter dem Angebotspreis. Gälte die Fusion als sicher, müsste sich der Kurs eher bei den 43,50 Pfund bewegen, die Anheuser-Busch bietet. Jetzt kommt es neben der Klärung der kartellrechtlichen Fragen darauf an, ob die SAB-Aktionäre die Offerte annehmen. Da allein die kartellrechtliche Prüfung Monate dauern könnte, ist das Angebot und das daraus resultierende Kursplus für viele Anleger auch eine gute Gelegenheit, das Papier zu verkaufen und Gewinne einzustreichen.

Erfreulich ist aus Sicht der SAB-Aktionäre, dass ihnen in dem neuen Angebot auch eine Dividende zugesichert wird. Diese könnte bis zu weiteren 0,80 Pfund je Aktie betragen. Zudem gibt eine Wahlmöglichkeit für die SAB-Aktionäre: Die können ihre Aktien gegen Bargeld oder Geld kombiniert mit Anheuser-Busch-Aktien eintauschen. Bei der Barabfindung beträgt der Aufschlag gegenüber dem Kurs vom vergangenen Freitag 48 Prozent, wer Aktien beimischen will, bekommt einen Aufschlag von 33 Prozent. In beiden Fällen ein verlockendes Angebot. Anheuser-Busch-Aktien reagierten ebenfalls positiv auf das Übernahmeangebot. In Frankfurt und Paris lagen die Papiere des Brauereiriesen 1,2 Prozent im Plus. Anleger stimmt offenbar positiv, dass die Belgier endlich mit einer Offerte durchgedrungen waren. Analysten der Citigroup hielten auch nach Bekanntwerden der Übernahmepläne an ihrer Kaufempfehlung fest.

In welchen Städten Bier am billigsten ist
Krakau Quelle: dpa
Kiew Quelle: dpa
Bier in Bratislava Quelle: dpa
Málaga Quelle: dpa
Bierpreise in Delhi Quelle: REUTERS
Bier Quelle: dpa
Oslo BIer Quelle: dpa

Die Kartellsorgen

Schon der Gedanke, dass bald jedes dritte Bier weltweit von einem einzelnen Brauerei-Giganten stammt, treibt Wettbewerbshütern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Markmacht des Bierkonzerns wäre besonders in einigen Teilmärkten gigantisch. In den Vereinigten Staaten kommt AB Inbev derzeit auf einen Marktanteil von 46 Prozent, SAB Miller von 28 Prozent. Beim Einkauf von Rohstoffen, bei der Beauftragung von Dienstleistern und bei der Belieferung von Kunden könnte der Bier-Riese seine ganze Größe ausspielen und die Konditionen zu seinen Bedingungen ändern. Will das Brauer-Duo den Deal durchziehen, wird es wohl Beteiligungen abstoßen müssen – vor allem in den USA.
Aus der Luft gegriffen ist die Angst nicht: Medienberichte zitieren Insider, denen zufolge es in den USA bereits Ermittlungen gegen Anheuser-Busch gibt, um zu klären, ob der Konzern seine Marktmacht missbraucht hat. Das US-Justizministerium gehe Vorwürfen nach, das Unternehmen habe Zwischenhändler gekauft, um den Vertrieb von Bieren kleinerer Brauereien einzuschränken.

Zehn Fakten über Bier
Das billigste BierAm wenigsten kostet Bier in der Ukraine und Vietnam. Hier muss man jeweils 0,43 Euro für eine 0,5-Liter-Flasche hinlegen. Generell ist das Bier in Südostasien und Osteuropa am günstigsten, besagen die Daten des Lebenserhaltungskosten-Portals "Numbeo". Auf Ukraine und Vietnam folgen Kambodscha (0, 50 Euro), Saudi Arabien (0,51 Euro), Tschechien (0,52 Euro) und China (0,54 Euro). Quelle: dpa
Das teuerste BierIm nahen und Mittleren Osten müssen Biertrinker am tiefsten ins Portemonnaie greifen. Mit 5,67 Euro ist eine 0,5-Liter-Flasche Bier im Iran weltweit am teuersten. In Kuweit sind es 5,21 Euro und in der Vereinigten Arabischen Emiraten 4,56 Euro. Quelle: dpa
Die größten BierbrauerIn China wird weltweit meisten Bier wird gebraut. 490,2 Millionen Hektoliter flossen 2012 hier aus den Brauereien hinaus, schätzt der Hopfenhersteller Barth-Haas. Es folgen die USA (229,3 Millionen Hektoliter), Brasilien (132,8 Millionen Hektolitern), Russland (97,4 Millionen Hektoliter) und Deutschland (94,6 Millionen Hektoliter). Quelle: AP
Europas größte BiertrinkerWir sind Europameister – im Biertrinken. Mit 86 Millionen Hektolitern Bier trank keine andere europäische Nation 2012 so viel Bier wie die Deutschen. Auch in den Vorjahren lag Deutschland an der Spitze, berichtet die Vereinigung „Brewers of Europe“.  Hinter Deutschland kommen das Vereinigte Königreich (43 Millionen Hektoliter), Polen (38 Millionen Hektoliter), Spanien (35 Millionen Hektoliter) und Frankreich (20 Millionen Hektoliter). Quelle: dpa
Europas spendabelste BiertrinkerDie Briten geben am meisten für Bier in Europa aus. 2012 waren es den „Brewers of Europe“ zufolge 20 Milliarden Euro. Dahinter kommen die Deutschen mit 19 Milliarden Euro, die Spanier mit 14,6 Milliarden Euro, und die Italiener mit 9,7 Milliarden Euro. Quelle: REUTERS
Die weltweit größten BierbrauerDie weltweit größte Brauerei ist das belgisch-amerikanische Unternehmen Anheuser Busch InBev. 352,9 Millionen Hektoliter Bier pumpte das Konglomerat 2012 in die Welt. Laut Zahlen des Hopfenherstellers Barth-Haas folgt dahinter die englische Brauer SAB Miller (190 Millionen Hektoliter), sowie die niederländische Konkurrenz von Heineken (171,7 Hektoliter). Quelle: dpa
Die wertvollsten BiermarkenDie Light-Version des US-Biers Budweiser besitzt den weltweit höchsten Markenwert. Bud Light ist mit 12,6 Milliarden US-Dollar die wertvollste Biermarke. Das original Budweiser kommt laut der Werbeagentur Millward Brown erst auf den zweiten Platz. Budweiser wies 2012 einen Markenwert von 11,8 Milliarden US-Dollar auf. In der Rangliste folgen Heineken (8,7 Milliarden US-Dollar), Stella Artois (8,2 Milliarden US-Dollar) und Corona (8 Milliarden US-Dollar). Eine deutsche Biermarke ist unter den Top 10 nicht zu finden. Quelle: AP

Die Auswirkungen auf Deutschland

In der vermeintlichen Biernation dürfte die Fusion zunächst kaum auffallen. Zwar hat Anheuser-Busch neben Budweiser oder Corona mit seiner Tochter Becks’s eines der meistgetrunkenen Biere Deutschlands im Angebot. SABMiller, hierzulande vielleicht noch für Biere wie "Grolsch" und "Pilsner Urquell" bekannt, kommt jedoch nur auf einen sehr geringen Marktanteil.

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Insgesamt ist der heimische Biermarkt ohnehin fest in der Hand von deutschen Brauern: Veltins, Krombacher, Bitburger, Oettinger. Die Expansion in die von Anheuser-Busch und SABMiller besetzen Märkte dürften den Brauern jedoch künftig schwerer fallen.

Die Probleme der Brauereien

Der Druck in der Bierbranche ist groß: In den Industrieländern geht der Bierdurst allmählich zurück. Kleine Craft-Beer-Brauer machen den großen Brauereien zusätzlich Kunden abspenstig. Um überhaupt noch wachsen zu können, erweitern viele Anbieter ihr Sortiment, probieren sich an Mix-Getränken oder alkoholfreien Varianten aus.

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